Der Mythos Raumfahrt ist besser ohne Erpressung
Obwohl Raumfahrt erst seit kurzem überhaupt möglich ist, ist sie längst tief in der Mythologie und dem Selbstverständnis der Menschheit verankert. Der Drang, neue Welten zu entdecken, stammt nicht aus Star Trek. Die neue Welt, Mundus Novus, war 1502 der Titel des Reiseberichts von Amerigo Vespucci, der Martin Waldseemüller 1507 dazu veranlasste, die neue Landmasse auf seiner Weltkarte als Amerika zu bezeichnen. Es folgte die Entdeckung und erste vollständige Kartografierung der Welt.
Im 19. Jahrhundert war längst klar, dass die Zeit der Entdeckungen auf der Erde vorbei war. Auch wenn in Europa und Amerika noch niemand wusste, wo der Nil entspringt, dass die über 1.000 km lange Gebirgskette der Kong-Berge auf den Karten von Westafrika gar nicht existiert, dass eine Zivilisation von Bauern in den Bergen von Papua-Neuguinea erst 1930 entdeckt werden würde oder wie Nord- und Südpol aussehen.
Und so schrieb Jules Verne 1865 über einen amerikanischen Kanonenclub und dessen Flug zum Mond. 1877 glaubte Giovanni Schiaparelli Kanäle auf dem Mars zu sehen. Der Astronom Percival Lowell schrieb 1895 über die Bewohner des Mars und HG Wells im Jahr 1897 über eine Invasion vom Mars – wieder per Kanone. 1903, als die ersten Flugzeuge flogen, veröffentlichte Ziolkowski die nach ihm benannte Raketengleichung in seinem Artikel "Erforschung des Weltraums mittels Reaktionsapparaten" und beschrieb mehrstufige Raketen und Raumstationen.
Raumfahrt ist die schönste Nebensache der Menschheit
Es folgten unzählige Werke epischer Science-Fiction, die dem Gilgamesh-Epos oder der Illias aus der Antike in nichts nachstehen. Die Erde ist eine Kugel. Sie ist begrenzt. Neue Welten sind, anders als Australien und Amerika, nicht mehr mit dem Kanu oder dem Segelschiff erreichbar, sondern nur noch durch Raumfahrt. Diese objektive Tatsache ist die Grundlage für die Faszination der Raumfahrt und die starke emotionale Bindung an den Raum jenseits der Erde, die heute ausgenutzt wird.
Aber das ist nicht jeden Preis wert. Raumfahrt, egal ob mit Satelliten und Sonden zur Forschung oder mit Menschen in Raumschiffen, war am Anfang ein Nebenprodukt des Militärs. Es war nur kein Kanonenclub dafür verantwortlich, wie in Jules Vernes Von der Erde zum Mond, sondern fünf Tonnen schwere Wasserstoffbomben, die mit Raketen von Russland auf Amerika geschossen werden sollten. Sie waren gut genug, um auch Satelliten wie Sputnik in die Erdumlaufbahn zu transportieren. Die USA folgten mit ähnlicher Technik.
Erst mit dem Apollo-Programm flogen erstmals Menschen mit Raketen ins Weltall, die nicht zumindest in großen Teilen zur Verwendung mit Atombomben entworfen wurden, wenn auch größtenteils von Militärfirmen. Seit dem Ende des Kalten Krieges spielen Starts rein militärischer Satelliten nur noch eine untergeordnete Rolle. Raumfahrt wird hauptsächlich zu kommerziellen Zwecken betrieben, wobei aber auch das Militär zunehmend kommerzielle Satelliten nutzt. Raumforschung und menschliche Raumfahrt waren auch zu ihren besten Zeiten nur Nebensache.
Ohne künstlichen Druck kommt Raumfahrt schneller ans Ziel
Auch in Zukunft werden Forschung und menschliche Raumfahrt wohl Nebensache bleiben. Das ist nicht verkehrt. Denn entgegen des von Elon Musk vorgespielten Zeitdrucks zur Besiedelung des Mars als zweite Option für die Menschheit, bleiben selbst die unwirtlichsten Teile der Erde besser bewohnbar als alle Orte im Sonnensystem jenseits unseres Planeten. Daran ändern auch seltene Erden oder wenige kleine Wasservorkommen in der Mondoberfläche nichts.
Es spricht nichts dagegen, offensichtlich korrupt betriebenen Raumfahrtprogrammen die Anerkennung zu entziehen, die kaum Gegenleistung für viel Geld liefern. Langfristig wird es den Fortschritt der Raumfahrt beschleunigen, wenn sie nicht mehr unbekümmert zur Selbstbereicherung von Großunternehmen genutzt wird, auch wenn kurzfristig einige Programme gestrichen werden.
Denn über 40 Milliarden US-Dollar Entwicklungskosten sollten viel mehr möglich machen als nur eine Spritztour um den Mond für weitere vier Milliarden US-Dollar. Wer da applaudiert, ermöglicht nur die Fortsetzung der Geldverschwendung.
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