Wer hier ein modernes Raumfahrtprogramm erwartet, wird enttäuscht werden
Gedroht wird explizit mit Entzug des Fluges zum Mond und bei Kritik wird implizit mit Entzug des Zugangs zu Persönlichkeiten, Räumlichkeiten und Veranstaltungen des Raumfahrtprogramms gedroht, oder zumindest mit dem Entzug sozialer Anerkennung dabei. Angeblich muss das ganze Raumfahrtprogramm gelobt werden, schon aus Respekt vor der Arbeit der Angestellten.
Das ist Unsinn. Der Respekt vor der Arbeit der Angestellten gebietet es, öffentlich Druck auf die Verantwortlichen zu machen. Denn gerade das Angestelltenverhältnis und die Tatsache, dass Geld von außen kommt, macht es fast unmöglich, diesen Druck innerhalb des Raumfahrtprogramms aufzubauen. Wer zu viel Kritik übt, wird hinauskomplimentiert oder in Posten ohne Einfluss und Kontakt zur Öffentlichkeit versetzt. Wer in Kontakt zur Öffentlichkeit tritt, steht unter Dauerüberwachung der PR-Beauftragten.
Gespräche mit Menschen in großen Raumfahrtorganisationen machen immer wieder klar, dass sie sich mit der Situation arrangiert haben. Das geschieht durch selektive Wahrnehmung, Selbstbetrug, echten Betrug oder Zynismus. Wer sich nicht mit der widersprüchlichen Situation arrangieren kann, arbeitet anderswo.
Verweigerung der Anerkennung als Ausweg
Der einzige Ausweg aus dieser emotionalen Erpressung ist die Verweigerung der Anerkennung, wenn offensichtlich ist, dass Raumfahrtprogramme schlecht und weit überteuert durchgeführt werden und die beteiligten Firmen davon dennoch profitieren.
Jubel und Anerkennung, trotz Verspätung und hoher Kosten, sind in der Raumfahrt von Anfang an einkalkuliert. Erst wenn nach Ausgaben von über 40 Milliarden US-Dollar der Jubel und die Anerkennung wegen der Kosten und schlechten Leistung ausbleiben, wird das unmöglich.
Raumfahrt und die Anwesenheit weniger (noch dazu unnötig als Helden verehrter) Menschen im Weltraum sind nicht so wichtig, dass dafür beliebige Geldforderungen akzeptiert werden müssten.
Das heißt nicht, dass alle Emotionen aus der Raumfahrt verbannt werden sollten. Hier ist von Überemotionalisierung die Rede. Der manipulative Missbrauch emotionaler Reaktionen hat nichts mit der Vermeidung von Faszination und Gefühlen von Erhabenheit beim Gedanken an den Weltraum zu tun. Es geht darum, dass diese Emotionen nicht im Zentrum aller Planung, Durchführung und Beurteilung der Raumfahrt stehen dürfen. Dafür braucht es die Fähigkeit, sich von Emotionen zeitweise zu trennen und emotionale Reaktionen nötigenfalls zu ändern.
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