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Raumfahrt: Erfolgreiche Landung der New Glenn startet neue Raketen-Ära

Die New Glenn ist schon beim zweiten Versuch erfolgreich gelandet – die Falcon 9 brauchte noch 20 Versuche.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Schon im zweiten Versuch landete die New Glenn erfolgreich auf einem Schiff im Atlantik. (Bild: Blue Origin / Screenshot: Golem)
Schon im zweiten Versuch landete die New Glenn erfolgreich auf einem Schiff im Atlantik. Bild: Blue Origin / Screenshot: Golem

Schon beim zweiten Flug einer New Glenn von Blue Origin(öffnet im neuen Fenster) ist die erste Raketenstufe am Abend des 13. November 2025 erfolgreich auf einem Schiff im Atlantischen Ozean gelandet. Nach einer Verschiebung wegen schlechten Wetters und kleinerer technischer Probleme hob die Rakete erfolgreich ab und kam in einem Stück zur Erde zurück. Die zweite Raketenstufe setzte anschließend ihren Start mit der Escapade-Mars-Mission der Nasa(öffnet im neuen Fenster) in Richtung des zweiten Lagrange-Punkts fort.

Von dort können die beiden Mars-Satelliten außerhalb des Gravitationsfeldes der Erde zunächst einen 365 Tage dauernden Orbit um die Sonne einnehmen, auf dem sie bis zur nächsten Mars-Opposition verbleiben und dann ihren Flug fortsetzen. So konnte vermieden werden, dass die Satelliten in einem engen Zeitfenster starten müssen.

Zusammen wiegen die beiden Satelliten rund eine Tonne. Damit ist die Schwerlastrakete trotz des hohen Orbits stark unterfordert. Aber die Escapade-Mission wurde von Anfang an flexibel ausgelegt und nicht nur für Schwerlastraketen. Die Startkosten betrugen 20 Millionen US-Dollar, die restliche Mission kostet 55 Millionen US-Dollar. Sie soll zunächst die Magnetfelder der Sonne in Abhängigkeit von ihrer Aktivität untersuchen und später die Magnetfelder des Mars.

Die Mars-Satelliten nutzen eine adaptierte Oberstufe der Electron-Rakete von Rocketlabs für die eigenständigen Bahnmanöver. Auch der Kontakt zu einer experimentellen Nutzlast auf der Oberstufe konnte hergestellt werden. Für Blue Origin war allerdings die Landung der ersten Raketenstufe einer der wichtigsten Teile der Mission.

New Glenn landet einfacher als die Falcon 9

Anders als die Falcon 9 landet die New Glenn nicht mit dem empfindlichen Hover-Slam-Manöver, sondern schwebend, wie eine raketenbetriebene Kameradrohne oder die New-Shepard-Rakete, die für Touristenflüge genutzt wird. Der Grund ist, dass die BE-4-Triebwerke auf einen deutlich niedrigeren Schub gedrosselt werden können als die Merlin-Triebwerke der Falcon 9, die bei der Landung stattdessen buchstäblich in letzter Sekunde abgeschaltet werden müssen.

Die Raketenstufe wurde wohl absichtlich zu einem Punkt neben dem Landeschiff gesteuert, von wo aus die Rakete dann seitlich zur Landeplattform schwebte. Mit mehr Flugerfahrung könnte dieses Manöver später für einen deutlich niedrigeren Treibstoffverbrauch optimiert werden. Beim ersten Flug scheiterte das Landemanöver noch, weil sich die BE-4-Raketentriebwerke der ersten Stufe beim Abbremsen vor dem Wiedereintritt nicht neu starten ließen.

Die schnelle Umsetzung einer erfolgreichen Landung bestätigt auch die Vermutung , dass Landungen mit modernen Raketen, die von Anfang an für Landungen konstruiert sind, wesentlich einfacher umzusetzen sind als mit der inzwischen veralteten Falcon 9, die erstmals vor 15 Jahren flog. Bei der Falcon 9 dauerte es mehr als 5 Jahre und 20 Flüge bis zur ersten Landung.

New Glenn macht die Falcon Heavy überflüssig

Die erste Stufe der New Glenn sollte dank der methanbetriebenen Triebwerke auch schneller und billiger wiederverwendbar sein, als die Falcon 9 mit ihren stark rußenden Kerosintriebwerken. Außerdem nutzt die New Glenn im Vergleich zur Falcon Heavy nur eine untere Raketenstufe statt der drei parallelen Stufen der ähnlich leistungsfähigen Rakete von SpaceX, deren mittlere Raketenstufe nie erfolgreich wiederverwendet wurde.

Damit ist zu erwarten, dass die New Glenn die Falcon Heavy aus technologischer und wirtschaftlicher Sicht weitgehend überflüssig machen wird. Die nächste Mission der New Glenn soll die erste Demonstration eines Mondlanders von Blue Origin sein, anschließend wird die Rakete wohl vor allem Satelliten für Amazons Kuiper-Konstellation starten.

Anders als die Super Heavy des Starships landet die New Glenn auf dem Meer und kann so, ohne Rückkehr zum Startplatz, eine Stufentrennung mit rund 7.500 km/h statt nur 4.300 km/h beim Starship durchführen. Das ist der Hauptgrund für die bis heute fehlende Nutzlast des rund viermal so schweren und viel aufwändigeren Starships.

Gleichzeitig kündigt sich weitere Konkurrenz durch die Neutron-Rakete von Rocketlab an. Diese ist etwas kleiner als die Falcon 9. Aber die Neutron nutzt ebenso sauberen Treibstoff und ist mit integrierter Nutzlastverkleidung und einer speziellen Tragestruktur für die Oberstufen das konzeptionelle Gegenteil des Starship. Die erste Stufe wird mit viel Aufwand für schnelle Wiederverwendbarkeit optimiert, dabei werden Gewicht und Kosten der Oberstufe minimiert.


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