Raumfahrt: DLR-Gewächshaus Eden ISS wird zum Weltraumtrainingszentrum
Das DLR hat Eden ISS erfolgreich in der Antarktis getestet. Künftig sollen sich in dem Gewächshaus Astronauten auf Flüge zum Mond und zum Mars vorbereiten.
Es gibt kein Grünzeug mehr in der Antarktis, das Gewächshaus Eden ISS ist wieder in Deutschland. Es soll künftig für das Training von Raumfahrern genutzt werden.
Eden ISS ist ein Gewächshaus, das in zwei 20-Fuß-Standard-Containern untergebracht ist. Darin werden Obst, Gemüse und Kräutern ohne Erde, unter künstlichem Licht und mit einer Nährlösung gezüchtet. Damit will das Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen erkunden, ob Nutzpflanzen auch in der lebensfeindlichen Umgebung des Weltraums angebaut werden könnten.
Nach ihrer Rückkehr sollen die Container in Bremen generalüberholt, instandgesetzt und zu Eden Luna umgebaut werden. Später wird das Gewächshaus zum DLR-Standort in Köln umgesiedelt. Dort entsteht gerade ein Raumfahrt-Trainingszentrum. Ab Mitte des Jahrzehnts werden dort Astronauten ausgebildet, die zum Mond fliegen werden. Zu ihrem Programm wird dann auch der Pflanzenanbau gehören.
Ein Roboter hilft beim Gießen
Für die Weltraum-Missionen wird das Gewächshaus noch angepasst: "Zukünftig soll ein robotischer Arm im Gewächshaus die trainierenden Astronauten bei ihrer Arbeit unterstützen und entlasten. Zusätzliche Kameras und ein KI-gesteuertes Gewächshausmanagement werden die Überwachung der Pflanzen und ihre Versorgung optimieren", sagte Daniel Schubert vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. "Zudem wird die Aufbereitung von Urin als Nährstofflösung in den Gewächshauskreislauf integriert."
Video: Eden ISS am DLR - Bericht [2:10]
Hintergrund des Projekts ist, dass sich Raumfahrer sowie künftige Bewohner von Mars und Mond mit frischem Gemüse und Obst versorgen sollen. "Wir untersuchen hier bioregenerative Lebenserhaltungssysteme für die Raumfahrt. Sprich: Wir wollen mit Pflanzen Astronauten am Leben erhalten", sagte Paul Zabel vom Institut für Raumfahrtsysteme des DLR uns bei unserem Besuch in Bremen im Jahr 2017
Dabei gehe nicht nur um die Ernährung oder die Produktion von Sauerstoff. Pflanzen seien auch "für das psychologische Wohlbefinden der Crew wichtig", sagte Zabel: "Experimente haben gezeigt, dass wenn Menschen sehr lange in Isolation leben, gerade auf einer Raumstation, wo sie von technischen Systemen umgeben sind und wo das eigene Leben an technischen Systemen hängt, dass Astronauten gern mit Pflanzen arbeiten, weil es auch ein Lebewesen ist, das betreut werden muss."
Getestet wurde das Gewächshaus in der Antarktis. Vier Jahre lang versorgte es die Bewohner der deutschen Forschungsstation Neumayer III mit frischem Salat und Gemüse (g+). Insgesamt über eine Tonne verschiedener Salate, Gurken, Paprika, Kohlrabis und anderen Gemüses wurde in der Zeit geerntet.
Die Überwinterungscrews und Sommergäste der Station, die sonst auf Tiefkühlkost angewiesen sind, schätzten das frische Grün: "Die Antarktis ist der dunkelste, kälteste und windigste Kontinent unseres Planeten. Das ist besonders bei der Überwinterung eine große Herausforderung für die dort arbeitenden und lebenden Menschen. Das Gewächshaus hat neben den durch frisches Gemüse und Kräuter angereicherten Mahlzeiten auch Farbe in das Leben unserer Überwinterungsteams gebracht", sagte Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, das die Station betreibt.
"Das Gewächshaus Eden ISS hat über die vergangenen Jahre in der Antarktis demonstriert, wie der zukünftige Pflanzenanbau auf Mond und Mars ohne Erde unter künstlichem Licht aussehen und funktionieren kann", sagte Anke Pagels-Kerp, DLR-Bereichsvorständin Raumfahrt. "Diese wertvollen Erfahrungen wollen wir nun gezielt nutzen. [...] Zukünftig werden dann direkt Astronautinnen und Astronauten den Anbau von Gemüse, Salaten und Kräutern sowie die dahinterstehende Technik und nötige Prozeduren trainieren, integriert in der von DLR und ESA gemeinsam geplanten Test- und Trainingseinrichtung Luna in Köln."