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Raumfahrt: Ist die US Space Force kaum verteidigungsfähig?

Eigentlich wurde die Weltraumstreitkraft Space Force zur Verteidigung der USA im Weltraum gegründet. Doch dazu soll sie kaum in der Lage sein.
/ Patrick Klapetz
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Die US Space Force im September 2022 bei der Vorstellung ihrer Hymne "Semper Supra". (Bild: US Space Force)
Die US Space Force im September 2022 bei der Vorstellung ihrer Hymne "Semper Supra". Bild: US Space Force

Es klingt wie ein Witz, wenn eine militärische Streitkraft gegründet wird, aber nach Jahren des Bestehens nicht in der Lage ist, das eigene Land auch nur ansatzweise zu verteidigen oder dessen Interessen zu schützen. Um sich im Weltraum vor allem vor Mächten wie China zu schützen, rief der ehemalige US-Präsident Donald Trump die Space Force (USSF) ins Leben.

Die US Space Force sei zu diesem Schutz aber gar nicht in der Lage, heißt es nun in einem Bericht vom gemeinnützigen Mitchell Institute für Luft- und Raumfahrtstudien(öffnet im neuen Fenster) (Mitchell Institute for Aerospace Studies): Die USSF könne keine Bedrohungen für die US-Raumfahrtoperationen abwehren. Sowohl China als auch Russland führten öffentliche Tests von Waffen durch, die Satelliten zerstören können, wohingegen die USA eine Keine-Waffen-Politik im Weltraum verfolge.

Zur Lösung des Problems seien zusätzliche Mittel nötig, mit denen Mitarbeiter ausgebildet werden können – und die Entwicklung einer "Reihe von defensiven und offensiven Weltraumabwehrsystemen" . Auch die geringe Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Industriebranchen kritisiert der Autor Charles Galbreath in seinem Bericht. Er war 27 Jahre in der US Air Force, bevor er zwei Jahre in der Space Force als stellvertretender Chief Technology and Innovation Officer tätig war.

Machtkampf im Weltall zwischen den USA, China und Russland

Vor allem China sei im Bereich der Raumfahrtentwicklung auf dem aufsteigenden Ast und könnte in wenigen Jahren die USA überholt haben. In den USA wird davor gewarnt, dass China die militärische Vorherrschaft im Weltall erreichen könnte. Zudem warnten sowohl China als auch Russland davor, dass zivile Satelliten wie Starlink von SpaceX ein legitimes Ziel sein könnten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Space Force kritisiert wird. "Die unmittelbarste Bedrohung ist meiner Meinung nach das Tempo, mit dem unsere strategischen Herausforderer – in erster Linie die Chinesen – aggressiv nach Fähigkeiten streben, die unsere Satellitenkapazitäten und unsere Bodeninfrastruktur stören, beeinträchtigen und schließlich sogar zerstören können" , sagte USSF-Generalleutnant B. Chance Saltzman bei seiner Nominierungsanhörung vor dem Senatsausschuss für Streitkräfte(öffnet im neuen Fenster) .

Saltzman sieht vor allem die Bekämpfung des Terrorismus als ausschlaggebenden Grund dafür, dass China und Russland in den letzten zwei Jahrzehnten den nahen Erdorbit immer weiter für sich erschlossen haben. Neben dem Einsatz chinesischer und russischer Weltraumwaffen, die theoretisch in der Lage sind, zivile und militärische US-Satelliten zu stören oder zu zerstören, gaben die USA dem Bericht zufolge nur sehr wenig von ihrem Militärbudget(öffnet im neuen Fenster) für Weltraumoperationen aus. Dabei wurde die Space Force unter anderem gegründet, um amerikanische Kommunikations- und Navigationssatelliten vor einem Abschuss vom Boden aus zu schützen.

Stimmungsmache im Weltall

Allein aus technischen Gründen könne die USSF laut Galbreath auf solche Angriffe kaum reagieren. Bei der Verarbeitung der Daten der verschiedenen Weltraumsensoren und Satelliten verlasse sich die Space Force offenbar auf zwei Computersysteme aus den 1980er und frühen 2000er-Jahren. Eines dieser Systeme sei zudem komplett offline.

Galbreath spricht sich sogar für den Einsatz von Weltraumwaffen aus, die terrestrische Ziele treffen können, "als Absicherung gegen eine Eskalation" . Doch China warnte die USA bereits vor einer Eskalation des Rüstungswettlaufs im Weltraum. Die Forderungen des Autors könnten damit tatsächlich zur Eskalation führen. Galbreath begründet diesen zu erwägenden Schritt in seinem Bericht mit dem Argument: "Nicht Amerika hat sich für diesen Weg entschieden, sondern seine Gegner." Inwieweit dieses extreme Argument und der Bericht eine Veränderung bei der USSF bewirken werden, bleibt abzuwarten.


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