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KI wird einmal mit Lichtgeschwindigkeit reisen

In letzter Konsequenz eröffnet der Versand von digitalen Daten durch den Raum noch eine andere Perspektive: die Reise von Intelligenz mit Lichtgeschwindigkeit. Bisher ging der Mensch davon aus, dass diese an die technisch machbare Reisegeschwindigkeit der bemannten Raumfahrt gekoppelt ist. Doch nach Ansicht von Jürgen Schmidhuber wird es kaum der Mensch selbst sein, der physisch auf die Reise geht, sondern vor allem digitale künstliche Intelligenz in Form von Funkwellen.

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Schmidhuber ist Informatiker und wissenschaftlicher Direktor am schweizerischen Dalle-Molle-Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (IDSIA, Istituto Dalle Molle di Studi sull'Intelligenza Artificiale). Seine Arbeiten über maschinelles Lernen und künstliche neuronale Netze sind bereits als Mustererkenner bei den digitalen Riesen des Silicon Valley im Einsatz - unter anderem bei Google, Apple und Facebook. Jedes Mal, wenn sich ein Nutzer online den Textschnipsel eines viralen Facebook-Posts übersetzen lässt, geschieht das mit Hilfe einer Software, deren Prinzip auf sogenannten rückgekoppelten neuronalen Netzen (RNN) aus Schmidhubers Labor basiert. Das sind selbstlernende Systeme, die umso besser werden, je mehr bereits bekannte Daten ihnen zum Abgleich und Lernen zur Verfügung stehen - perfekt geeignet für die kalifornischen Daten-Aggregatoren.

Schmidhubers Vordeutung geht jedoch weit darüber hinaus. Er gibt sich davon überzeugt, dass den Weltraum eine Roboterzivilisation kolonisieren wird, da es dort viel mehr Ressourcen als in der irdischen Biosphäre gebe. "Alleine die dort verfügbare Sonnenergie ist um neun Zehnerpotenzen größer als auf der Erde. Im Asteroidengürtel und sonst wo im Sonnensystem gibt es außerdem Rohstoffe für unzählige sich selbst reproduzierende Roboterfabriken", sagt Schmidhuber. Diese zweifellos kühne Rechnung erfordert eine Erklärung: Zwar sind viele ressourcenreiche Bereiche im Sonnensystem wie der Asteroidengürtel weit von der Erde entfernt und die Strahlungsintensität dementsprechend niedriger. Dafür könnten Fotozellen die Sonnenstrahlen dort rund um die Uhr, unbehindert von Platzproblemen und von keiner Atmosphäre gefiltert, direkt in Energie umwandeln. Schmidhubers fantastische Angabe ist also weniger eine konkrete Zahl, sondern illustriert eher das Potenzial solarer Energiegewinnung im Weltraum.

Roboterzivilisation soll interstellare Reisen ermöglichen

Außerdem fehlt es einer solchen Roboterfabrik derzeit am Ingenieur-Know-how und ist deshalb auch für Schmidhuber noch Zukunftsmusik. Er betrachtet die Roboterzivilisation aber als absehbare Entwicklung. Wenn diese sich erst einmal im Sonnensystem physisch etabliert hat, spricht dann nicht mehr viel gegen interstellare Reisen. "Sobald es in der Nähe anderer Sterne geeignete Empfänger und sonstige Infrastruktur gibt, kann der Verstand eines Roboters elegant die Lichtjahre überwinden - als digitale Information per Radiowelle."

Schmidhubers Prognosen zur Zukunft der KI beruhen unter anderem auf der anhaltenden Verbilligung von Rechenleistung. "Wir haben sehr stark von der Videospielindustrie profitiert. Diese Branche baut seit Jahren billige Rechner für junge Spieler." Deren Leistung sei für die vielen Matrix-Multiplikationen notwendig, die man braucht, um dreidimensionale virtuelle Spielwelten zu simulieren. "Es hat sich herausgestellt, dass unsere neuronalen Netzwerke sehr ähnliche Operationen brauchen. Mit Hilfe dieses Geschenks der Spieleindustrie konnten wir schon 2011 unsere Systeme innerhalb einer Woche so gut trainieren wie früher nur in einem Jahr."

Diese Beobachtung lässt sich in eine Faustregel stecken, ganz ähnlich wie das Moor'sche Gesetz, das jahrzehntelang die Entwicklungsgeschwindigkeit von integrierten Schaltkreisen beschrieb. "Alle fünf Jahre werden Computer pro Dollar zehnmal schneller", sagt Schmidhuber. Konrad Zuses erste Rechenmaschinen aus den 1930ern konnten nur eine Operation pro Sekunde ausführen, heute seien Rechner 10^15-mal schneller für denselben Preis. "Derzeit haben große künstliche neuronale Netze etwa eine Milliarde Verbindungen. Extrapoliert man diesen Trend, werden wir in 30 Jahren über vergleichsweise preiswerte Netze mit einer Million Milliarden elektronischen Verknüpfungen verfügen, so viel wie im Menschenhirn, aber viel schneller. Bald darauf werden billige Computer wohl mehr Rechenkraft haben als alle zehn Milliarden Menschengehirne zusammen. Und auch das wird noch lange nicht das Ende der Entwicklung sein."

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FlashBFE 16. Mai 2018

+1

SDJ 05. Apr 2018

Toller Artikel, danke dafür! Das hat bei mir direkt den Drang nach einer Veränderung...

dp2419 27. Mär 2018

Und wenn dann was schiefgeht, verhindert das daraus entstehende Kessler Syndrom das wir...


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