Retalt 2 ist noch weniger realistisch

Bei Retalt 2 ist selbst auf der Webseite des Projekts von "eher akademischer Anwendung" die Rede. Es soll sich dabei um eine Kopie des DC-X Programms der 1990er Jahre zur Entwicklung einer kegelförmigen Rakete mit Wasserstoffantrieb und Hitzeschutzschild handeln. "Aber Retalt 2 wird ausschließlich europäische Technologie verwenden" heißt es auf der Webseite. Sie soll ohne Stufentrennung in den Weltraum fliegen können.

Das Konzept der stufenlosen Rakete ist genauso alt wie die Raketengleichung - und die spricht dagegen. Es ist möglich, aber nicht sinnvoll. Die Seitenbooster der Falcon Heavy könnten etwa problemlos allein bis in den Orbit fliegen. Doch schon eine primitive Oberstufe erhöht die Nutzlast deutlich und ist für höhere Orbits absolut nötig.

Um den Orbit mit Wasserstoffantrieb zu erreichen, darf die Rakete im Orbit eine maximale Restmasse von 13,5 Prozent der Startmasse haben. Real muss sie noch leichter sein, denn der Luftdruck beim Start verringert die Effizienz der Triebwerke. In den 13,5 Prozent sind Triebwerke, Tanks, Hitzeschutzschild und Landevorrichtung enthalten. Es muss ein Treibstoffrest für die Landung verbleiben. Sollte danach noch Masse übrig sein, könnte sie für eine Nutzlast verwendet werden.

Beim Management bleibt die Technik außen vor

Praktisch war die europäische Raumfahrt zuletzt aber nicht einmal in der Lage, eine wasserstoffbetriebene Oberstufe für die Ariane 6 zu entwickeln, die weniger als 16 Prozent Restmasse hat. Das alles ohne Hitzeschutzschild, ohne Landebeine, ohne Triebwerke mit ausreichend Schub, um vom Boden abzuheben, und ohne Treibstoffreserve. Die Konstruktion der Ariane-6-Oberstufe entspricht damit dem technologischen Niveau, das die Oberstufe der indischen GSLV Mk III erreicht.

Das Projekt Retalt ist in sieben "Work Packages" aufgeteilt: Koordination und Management, Referenzkonfigurationen, Aerodynamik und Hitzebelastung, Flugdynamik und -steuerung, Strukturen und Hitzeschutz, Veröffentlichung und Nutzung der Ergebnisse sowie Ethische Voraussetzungen.

Die Ziele von fünf dieser sieben Pakete werden auf der Webseite mit jeweils einem Satz beschrieben. Ausführlich werden lediglich die Ziele von Koordination und Management sowie von Veröffentlichung und Nutzung der Ergebnisse erläutert. Die Technik, die entwickelt werden soll, fällt dabei völlig unter den Tisch. Das spricht Bände.

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 Der Neustart eines Raketentriebwerks ist eine Kunst für sich
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Dwalinn 02. Jul 2019

Hatte space X 2002 bereits die technik die die esa jetzt hat? Klar hat Space X einen...

thinksimple 30. Jun 2019

Ist Tesla etwa führend beim autonomen fahren?

Komischer_Phreak 29. Jun 2019

Na, na, na. Ganz so gut sieht es nun doch nicht aus. Es gab eine privat finanzierte...

Kay_Ahnung 28. Jun 2019

Jop meinte ich ja, gut 2030 war evtl. etwas optimistisch :) Ein Problem ist aber das...



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