Raumfahrt: China will Radioteleskop am Mond errichten

In der Mondumlaufbahn möchte China ein Satellitennetzwerk errichten, um das dunkle Zeitalter des Universums zu erforschen.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Eine Reihe von Satelliten, die den Mond umkreisen, könnte es den Astronomen ermöglichen, einen Blick in das dunkle Zeitalter des Universums zu werfen.
Eine Reihe von Satelliten, die den Mond umkreisen, könnte es den Astronomen ermöglichen, einen Blick in das dunkle Zeitalter des Universums zu werfen. (Bild: NAOC/Xulei Chen)

Neben der internationalen Mondforschungsstation ILRS soll mit dem Hongmeng-Projekt nun auch ein chinesisches Satellitennetzwerk in der Mondumlaufbahn entstehen. Das auch Discovering Sky at the Longest Wavelength (Entdeckung des Himmels bei der längsten Wellenlänge) genannte Unterfangen soll als Radioteleskop dienen und bereits 2026 den Mond umkreisen, wie die Nachrichtenseite Space.com berichtet.

Mit diesem Teleskop sollen chinesische Forscher das dunkle Zeitalter des Universums untersuchen. Damit ist die Zeitspanne zwischen der Entstehung der kosmischen Hintergrundstrahlung und vor der Entstehung der ersten Sterne gemeint. Die Materie in unserem – zu diesem Zeitpunkt – kleinen Universum war transparent, strahlte also kein Licht aus und absorbierte auch keines. Das dunkle Zeitalter erstreckte sich von etwa 380.000 Jahre bis etwa 100 Millionen Jahre nach dem Urknall.

Ein Radioteleskop auf oder um den Mond?

Damit dies gelingt, benötigt das Radioteleskop neben einem Mutter-Satelliten, der die eingefangenen Daten verarbeitet und mit der Erde kommuniziert, auch acht kleine Tochter-Satelliten. Diese suchten nach Funksignalen aus den entferntesten Winkeln des Kosmos, erklärte Xuelei Chen Anfang 2023 in London auf der Mondkonferenz Astronomy From the Moon (Astronomie vom Mond). Chen ist Astronom bei der CNSA (China National Space Administration).

Bereits mit den Satelliten Longijang 1 und 2 wollten die Chinesen diese Technologie während ihrer Mondmission Chang'e 4 in 2019 testen. Jedoch ging Longijang 1 beim Eintritt in die Mondumlaufbahn verloren, weshalb die Forscher nur von einem der Satelliten Daten empfangen.

Ein solches Satellitennetzwerk in der Umlaufbahn des Mondes zu platzieren, wäre technisch einfacher umzusetzen als der Bau eines Teleskops direkt auf der Mondoberfläche. Genau einen solchen Plan verfolgt unter anderem die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa mit ihrem Projekt LCRT (Lunar Crater Radio Telescope) in einem Krater auf der uns abgewandten Mondseite. Ein solches Radioteleskop gilt in der Fachwelt als einer der nächsten großen Schritte in der Astronomie.

"Es gibt eine Reihe von Vorteilen, dies in der Umlaufbahn, statt auf der Oberfläche zu tun. Es ist keine Landung und kein Einsatz erforderlich. Da die Mondumlaufzeit nur zwei Stunden beträgt, können wir die Sonnenenergie nutzen, was viel einfacher ist als auf der Mondoberfläche, wo man – wenn man während der Mondnacht beobachten will – fast 14 Tage lang Energie bereitstellen muss", erklärte Chen auf der Konferenz.

Ein Tor in die unbekannten Felder unseres Universums

Radiowellen, die länger als 10 Meter sind beziehungsweise sich in einem Frequenzbereich von unter 30 Megahertz (MHz) bewegen, können auf dem Mond viel einfacher aufgespürt werden. "Wenn man sich den niederfrequenten Teil des elektromagnetischen Spektrums ansieht, stellt man fest, dass wir aufgrund der starken Absorption [durch die Erdatmosphäre] nur sehr wenig über [den Bereich] unterhalb von 30 Megahertz wissen", erklärte Chen.

Mit diesem Projekt könnten die Chinesen unseren Blick ins Universum schärfen und unser damit verbundenes Wissen erweitern. Das astronomische Forschungsteam erwartet, dass es viel mehr als nur das Signal des atomaren Wasserstoffs aus dem dunklen Zeitalter entdecken wird. Magnetosphären von Exoplaneten außerhalb des Sonnensystems könnten sich in langen Radiowellen offenbaren. Einige Forscher hoffen sogar, dadurch in Kontakt mit intelligentem außerirdischem Leben treten zu können.

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