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Raumfahrt: China plant wohl eine Basis in den Lavaröhren des Mondes

Zunächst sollen die Lavaröhren auf dem Mond erkundet werden. Dann könnte dort eine Mondbasis entstehen, die wohl nichts mit der chinesischen ILRS-Mondstation zu tun hat.
/ Patrick Klapetz
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Astronauten klettern in eine Lavaröhre auf dem Mond (Illustration). (Bild: Pascal Lee/Mars Institute/SETI Institute)
Astronauten klettern in eine Lavaröhre auf dem Mond (Illustration). Bild: Pascal Lee/Mars Institute/SETI Institute

Zukünftig könnten Menschen in den Lavaröhren auf unserem stellaren Begleiter(öffnet im neuen Fenster) leben. Auf der 10. CSA-IAA-Konferenz über fortgeschrittene Raumfahrttechnologie ( 10th CSA-IAA Conference on Advanced Space Technology(öffnet im neuen Fenster) ) in Shanghai stellte ein Wissenschaftler seine aktuelle Studie vor, in der er die unterirdische Welt der Lavaröhren beschreibt.

Die Abkürzungen des Konferenztitels (CSA-IAA) stehen für Chinese Society of Astronautics (Chinesische Gesellschaft für Astronautik) und für International Academy of Astronautics (Internationale Akademie für Astronautik).

Lavaröhren auf dem Mond ähneln denen der Erde

Ein chinesisches Forschungsteam hat Feldforschungen in chinesischen Lavaröhren gemacht, um zu verstehen, wie sie die Röhren auf dem Mond nutzen könnten. Mond- und irdische Lavaröhren sind sich ähnlich genug, ihre Eingänge sind entweder senkrecht oder schräg angeordnet.

Auf dem Mond hat das Forschungsteam überwiegend Röhren mit einer vertikalen Öffnung entdeckt. Wobei es Bedenken gibt, dass unsere Draufsicht aus dem Weltraum das tatsächliche Bild verzerren könne.

Die Öffnungen werden als Lichtkuppeln (engl.: Skylights) bezeichnet, bei denen die Decke eingestürzt ist Man kann senkrecht in diese Öffnungen gelangen, jedoch befindet sich eine Trümmeransammlung auf dem Boden der Röhre - direkt unterhalb der Öffnung. Um durch diese Öffnungen zu gelangen, ist entweder ein Flug oder eine Art vertikale Hebevorrichtung erforderlich.

Schräge Eingänge erleichtern den Ein- und Ausstieg erheblich, da der Abstieg nicht senkrecht erfolgen muss. Jene seien laut dem Forschungsteam zur Erforschung auch die bevorzugte Art des Eingangs. Es ist möglich, dass Rover einfach in sie hineinfahren können. Wahrscheinlich müssten zuvor jedoch einige Trümmer beseitigt werden. Besonders die Lavaröhren der Regionen Mare Tranquillitatis (Meer der Ruhe) und Mare Fecunditatis (Meer der Fruchtbarkeit) stehen im Fokus der Erforschung.

Erkundung der Lavaröhren auf dem Mond

Höhlen wie die im Mare Tranquillitatis sollen zukünftig mittels eines Robotersystems erkundigt werden. Ob das dafür zuständige System sich mit Rädern oder Füßen fortbewegen wird, ist noch nicht geklärt. Hilfsfahrzeuge können von der Hauptsonde abgetrennt werden, um weitere Aufklärungsarbeit zu leisten und bei der Kommunikation und Energieversorgung zu helfen.

Die Mission könnte aus mehreren kleineren Sonden bestehen, die sich beispielsweise rollend, hüpfend oder krabbelnd fortbewegen. Sie würden die Röhren nicht nur erkunden, sondert auch den Mondstaub und das Vorhandensein von Wassereis untersuchen sowie die Weltraumstrahlung im Inneren der Lavaröhren messen.

Zudem wird in China an einem flugfähigen Roboter gearbeitet, der sich mithilfe von Mikrowellen- und Laserradargeräten selbstständig einen Weg durch die Lavaröhren bahnen könnte. Das Projekt hat den vorläufigen Namen Fengfu-Mission erhalten.

Chinas Mondbasen: Eine in den Lavaröhren und eine auf der Oberfläche?

Nach der erfolgreichen Erkundung soll eine langfristige unterirdische Forschungsbasis in einer der Lavaröhren entstehen, mit einem Kontrollzentrum für Energie und Kommunikation am Eingang der Röhre. Das Gelände soll außerdem landschaftlich gestaltet und die Basis würde mit Wohn- und Forschungseinrichtungen ausgestattet werden.

Die Basis scheint jedoch nichts mit der geplanten internationalen Mondforschungsstation ILRS (International Lunar Research Station) zu tun zu haben. Sie soll Ende der 2020er-Jahre auf dem Mond errichtet werden.

Ursprünglich sollte es sich um eine rein robotische Mondbasis am Südpol des Erdtrabanten handeln. Die Pläne haben sich jedoch geändert und der erste Chinese oder die erste Chinesin soll bis zum Jahr 2030 in der Nähe der chinesischen Mondbasis landen .

Für die US-Raumfahrtbehörde Nasa ist das chinesische Mondprogramm eine ernstzunehmende Konkurrenz . Das Wettrennen zum Mond hat schon längst begonnen.

Zur Studie

Die dazugehörige Studie wurde bereits am 22. Februar 2022 im Fachmagazin Remote Sensing veröffentlicht und heißt Lunar Mare Fecunditatis: A Science-Rich Region and a Concept Mission for Long-Distance Exploration(öffnet im neuen Fenster) (Das Mare Fecunditatis auf dem Mond: eine wissenschaftlich reiche Region und ein Missionskonzept für die Langstreckenerkundung).


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