Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Raumfahrt: China arbeitet an Weltraumkatapult auf dem Dach der Welt

Die chinesische Raumfahrt könnte die Startkosten für den Nutzlasttransport ins Weltall mit Massentreibern drastisch senken. Die Technik wird weiter vorangetrieben.
/ Patrick Klapetz
51 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Modell der raketengetriebenen elektromagnetischen Trägerrakete des Research Institute in Ziyang (Bild: Baidu)
Modell der raketengetriebenen elektromagnetischen Trägerrakete des Research Institute in Ziyang Bild: Baidu

In der chinesischen Provinz Sichuan arbeiten Wissenschaftler vom chinesischen Forschungsinstitut für kommerzielle Raumfahrt-Starttechnologie(öffnet im neuen Fenster) in der kleinen Stadt Ziyang an der Entwicklung eines elektromagnetischen Raketenstartsystems für das Qinghai-Tibet-Plateau(öffnet im neuen Fenster). Anstatt Raketen auf Bodenhöhe zu entzünden und für den Nutzlasttransport ins Weltall riesige Mengen an chemischem Treibstoff aufzuwenden, beschleunigt das Raketenkatapult (ein Hochtemperatur-Supraleitungssystem(öffnet im neuen Fenster)) seine Raketen mittels Strom.

Das chinesische Konzept konzentriert sich auf bodengestützte Booster-Systeme, die Raketen entlang einer verlegten Strecke beschleunigen. Die elektromagnetischen Starts benötigen dabei keinen teuren Treibstoff, sondern werden mit Strom angetrieben. Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Startrampe. Die notwendige Energie wird durch Stromsysteme, Speicher, supraleitende Magnete und Präzisionsführungs-Hardware gespeist und während des Startlaufs auf die Rakete übertragen.

Die scheinbaren Fortschritte im Projekt

Eine erfolgreiche erste Testkampagne(öffnet im neuen Fenster) wurde am 15. April 2025 abgeschlossen. Die Betreiber sollen ein Raketenmodell mit einem Durchmesser von 1,4 Metern dabei erfolgreich von der elektromagnetischen Testplattform ausgeworfen haben. Dieser Testlauf diente zur Überprüfung der kritischen Teilsysteme wie der Schwungrad-Energiespeicherung, der Steuerung des elektromagnetischen Hochleistungsantriebs und eines digitalen Echtzeit-Zwillingssystems.

Ende 2025 wurde über den Bau von drei Ceres-1-Raketen(öffnet im neuen Fenster) im Industriepark Ziyang Commercial Aerospace Launch Technology Research Institute(öffnet im neuen Fenster) und deren Start berichtet. Folgearbeiten im Januar und März 2026 sollen zudem wichtige Subsysteme wie die elektromagnetische Antriebssteuerung und die Hochtemperatur-Supraleitungsnavigation verifiziert haben. Der Wirkungsgrad der Technologie soll bei etwa 90 Prozent liegen. Diese Maßnahmen sollen dem Projekt den Weg zum operativen Einsatz ebnen.

Massentreiber könnten Startkosten extrem senken

Auf einer Startspur würde die eigentliche Rakete auf ein Vielfaches der Schallgeschwindigkeit beschleunigt werden, bevor sie zum Durchdringen der Erdatmosphäre ihre Triebwerke zündet. Dadurch fällt der Treibstoffbedarf und das Eigengewicht der Rakete würde sinken.

Das wiederum würde die Startkosten für den Nutzlastbetrieb senken, und theoretisch könnten schwerere Nutzlasten bei der gleichen Startmasse wie bei einem klassischen vertikalen Raketenstart ins Weltall befördert werden. Auch die eigentliche Startfrequenz könnte erhöht werden, da das Bodensystem ohne Verschleiß wiederholter Triebwerkszündungen wiederverwendet werden könnte.

Galactic Energy entwickelt die Ceres-2-Rakete speziell, um diese Fähigkeit auszunutzen. Mit einer Zielkapazität von 3,5 Tonnen will Ceres-2 bis 2028 die weltweit erste operative, elektromagnetische Startrakete werden. Der Grundstein für diese Technologie soll auf den chinesischen Marine-Ingenieur Ma Weiming zurückgehen, der ein elektromagnetisches Katapultsystem auf Chinas Flugzeugträger Fujian baute.

Weniger Luftwiderstand auf dem tibetischen Plateau

Die Effizienz der Technologie soll durch den Standort auf dem tibetischen Plateau erhöht werden. Durch die Höhenlage ist die Luft dünner, was den aerodynamischen Luftwiderstand senkt sowie die Erwärmung während der Beschleunigungsphase reduziert. Zudem muss der Startkörper weniger atmosphärische Schichten durchdringen als bei einem Küstenstartplatz, wie etwa bei Weltraumhafen Wenchang.

Jedoch müsste die Strecke über mehrere Kilometer hinweg perfekt ausgerichtet sein und die Stromversorgung müsste konstant laufen. Auch die logistischen Bedingungen für einen abgelegenen Start könnten eine Herausforderung bei der Umsetzung sein. Zudem handelt es sich um eine experimentelle Technologie.


Relevante Themen