Raumfahrt: Boeings Starliner-Raumschiff hat Fehlfunktion bei Testflug

Eigentlich sah alles gut aus beim beim ersten Testflug von Boeings neuem Raumschiff. Doch das geplante Einschwenken in einen Übergangsorbit zur Internationalen Raumstation wurde 37 Minuten nach dem Start plötzlich verschoben. Inzwischen erklärte sich die Nasa in einer Pressekonferenz zu der Mission.

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Das Starliner-Raumschiff, hier als Computergrafik, auf dem Weg zur ISS
Das Starliner-Raumschiff, hier als Computergrafik, auf dem Weg zur ISS (Bild: Boeing)

Am 20. Dezember um 13:36 Uhr Mitteleuropäischer Zeit war es so weit: Boeings neues Raumschiff, der CST-100 Starliner, hob zu seinem ersten Testflug ohne Besatzung ab. Drei Stunden vorher hatte sich das sogenannte Blue Team nochmals an Bord des Raumschiffs auf der voll betankten Rakete begeben, um dort die gleichen Startvorbereitungen durchzuführen, mit denen später die Besatzung an Bord gehen würde. Diesmal blieb nur ein Plüsch-Snoopy zurück. Eine Stunde vor dem Start waren die Vorbereitung abgeschlossen. Dann ging es auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS.

Inhalt:
  1. Raumfahrt: Boeings Starliner-Raumschiff hat Fehlfunktion bei Testflug
  2. Falsche Uhrzeiten und Funklöcher verhindern Flug zur ISS

Laut Plan sollte das Raumschiff 15 Minuten nach dem Start in einem Orbit mit einem höchsten Punkt von 181 Kilometern und einem niedrigsten Punkt von 73 Kilometern ausgesetzt werden. Boeing spricht davon, dass das Raumschiff nun in einem stabilen Orbit sei. Allerdings würde es bereits nach einem Orbit abstürzen. Das Starliner-Raumschiff muss diesen Orbit mit eigenem Antrieb anheben, um nicht durch die Reibung der Restatmosphäre an Geschwindigkeit zu verlieren und wieder in die Atmosphäre einzutreten. Dieses Manöver sollte 37 Minuten nach dem Start durchgeführt werden. Stattdessen gab die Flugkontrolle bekannt, dass sich das Manöver verzögere. Es kann allerdings nur an bestimmten Stellen des Orbits durchgeführt werden. Immerhin gelang es, das Raumschiff in eine Fluglage zu versetzen, in der die Solarzellen die Akkus an Bord aufladen können.

Der Boeing-Livestream auf Youtube wurde beendet. Es wurden keine Angaben mehr zum Orbit des Raumschiffs gemacht. Es ist völlig unbekannt, ob der aktuelle Orbit längere Zeit stabil bleibt oder das Raumschiff abzustürzen droht. Ein Kommentar am Ende des Livestreams besagte lediglich, dass sich das Raumschiff in einer "stabilen Position" befinde.

Nachtrag vom 20. Dezember 2019, 15:04 Uhr

Nasa-Chef Jim Bridenstine nannte inzwischen einen Grund für die Fehlfunktion: Die Missionsuhr an Bord des Raumschiffs habe die falsche Zeit angegeben, so dass die Steuersoftware nicht die richtige Orientierung des Raumschiffs für das Manöver eingenommen habe. Nachdem zwischenzeitlich keinerlei Informationen mehr bekannt gegeben wurden, wird der derzeitige Orbit des Raumschiffs mit 186 km am tiefsten und 221 km am höchsten Punkt angegeben. Dieser Orbit ist für wenige Erdumrundungen stabil. Der Flug zur Internationalen Raumstation wurde wegen des zu hohen Treibstoffverbrauchs abgesagt.

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Das Raumschiff sollte automatisch weiter zur ISS fliegen, wo es am Samstag, dem 21. Dezember, um 14:08 Uhr Mitteleuropäischer Zeit andocken und eine Woche verbleiben sollte. Die Landung auf der Erde war für Samstag, den 28. Dezember 2019 um 11:47 Uhr vorgesehen. Durch die Probleme mit dem Raumschiff, die Boeing nun lösen muss, sind diese Zeitpläne nun nicht mehr gültig.

Zusammen mit dem Dragon-Raumschiff von SpaceX soll der Starliner ab dem nächsten Jahr wieder amerikanische Astronauten ins Weltall bringen. Seit dem letzten Flug des Spaceshuttles im Jahr 2011 war die Nasa auf Flüge mit den russischen Sojus-Rakten angewiesen. Boeing nutzt für den Start eine modifizierte Atlas-V-Trägerrakete, die mit einem russischen RD-180 Haupttriebwerk in der ersten Stufe ausgestattet ist.

Um genügend Leistung zum Start des 13 Tonnen schweren Raumschiffs zu haben, wurde die Rakete mit zwei Feststoffraketen und einer neu konstruierten Oberstufe mit zwei Triebwerken ausgestattet. Normalerweise fliegt die Oberstufe nur mit einem der relativ schubschwachen RL-10-Triebwerke. Mit nur einem Triebwerk beschleunigt die Oberstufe nur halb so schnell und arbeitet länger gegen die Schwerkraft an, wofür mehr Treibstoff nötig ist. Das zweite Triebwerk stellt außerdem eine Redundanz dar, falls eines der Triebwerk im Laufe des Fluges ausfällt.

SpaceX führte den Testflug seines Raumschiffs bereits im März durch. Allerdings wurde dieses Raumschiff später bei den Vorbereitungen zu einem Test des Startabbruchsystems zerstört. Dabei sollte das System während des Fluges auf der Rakete getestet werden. Dieser Test ist nun für Januar 2020 angesetzt und ist für SpaceX die Voraussetzung für Flüge mit Besatzung.

Boeing wird hingegen keinen vergleichbaren Test durchführen müssen. Stattdessen gibt sich die Nasa damit zufrieden, dass das System bei einem Test vom Boden aus funktioniert. Das Verhalten der Sicherheitssysteme während des Raketenstarts soll nur durch Simulationen überprüft werden. Als der Test vom Boden aus am 4. November durchgeführt wurde, öffneten sich allerdings nur zwei von drei Fallschirmen. Boeing bezeichnete den Test dennoch als Erfolg.

Nachtrag vom 20. Dezember 2019, 17:54 Uhr

Einige Stunden nach dem Start gab die Nasa in einer Pressekonferenz weitere Details bekannt. Im Umfeld dieser Konferenz wurde Kritik am Umgang der Nasa mit den Problemen der Testflüge laut.

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Falsche Uhrzeiten und Funklöcher verhindern Flug zur ISS 
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zilti 21. Dez 2019

SpaceX hat diesen Test freiwillig vorgeschlagen, machen müssen hätten auch sie ihn nicht.

subjord 21. Dez 2019

Es scheint ja so, dass sie nur nicht genug Treibstoff haben um hoch zur ISS zu fliegen...

mgra 21. Dez 2019

SpaceX hat nur von einer Anomalie gesprochen und gar nichts bekannt gegeben. Man wusste...

Flasher 20. Dez 2019

Die seltsam anmutenden Einheiten der US-Amerikaner sind ihnen nicht nur einmal zum...

emdotjay 20. Dez 2019

Allerdings würde es bereits nach einem Orbit abstürzen. Müsste es nicht hei...



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