Neue Probleme bei Boeings Starliner: Schwache Fallschirmleinen, Feuergefahr an Kabeln

Die Probleme dess Starliner übertreffen alle Befürchtungen. Boeing versichert, das Programm werde nicht eingestellt – noch?

Artikel von veröffentlicht am
Der Starliner beim Testflug während des Andockmanövers an der ISS
Der Starliner beim Testflug während des Andockmanövers an der ISS (Bild: Nasa)

Vor neun Jahren erhielt Boeing von der Nasa den Auftrag, mit dem Starliner ein neues Raumschiff für den Transport von Menschen zur Internationalen Raumstation ISS zu bauen. Aber in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz ist der im Juli geplante Start nun abermals abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dabei musste Boeing erstmals mehrfach die ernsthaft gestellte Frage beantworten, ob das Programm überhaupt noch fortgesetzt wird.

Inhalt:
  1. Neue Probleme bei Boeings Starliner: Schwache Fallschirmleinen, Feuergefahr an Kabeln
  2. Starliner fliegt erst nächstes Jahr, wenn überhaupt

Boeing versicherte zwar, dass es keine ernsthaften Überlegungen zur Einstellung des Starliners gebe. Jedoch ist das die ironische Umkehr der Situation von 2016, als Boeing erfolgreich damit drohte, das Programm einzustellen, wenn die Nasa nicht wegen unerwarteter Verzögerungen mehr Geld für die Entwicklung des Starliners zahle. Noch 2012 sprach Boeing von einem ersten Flug im Jahr 2015. Der tatsächliche Erstflug wurde Ende 2019 zur Blamage, wegen nicht durchgeführter Tests der Hard- und Software.

Zu schwache Leinen am Fallschirm

Der erstaunliche Anlass für die aktuelle Verschiebung waren falsch durchgeführte Tests einiger kritischer Leinen der Fallschirme, die damit nicht die geforderten Sicherheitstoleranzen einhielten. Im Fall von Problemen beim Entfalten eines der drei Fallschirme könnte die zusätzliche Belastung zum Reißen dieser Leinen in den verbliebenen Fallschirmen führen, mit katastrophalen Folgen. Beim letzten Testflug fielen diese Probleme nicht auf, weil alle Fallschirme wie geplant funktionierten.

Boeing nahm dabei zumindest einen Teil der Schuld an den zu schwachen Leinen auf sich. Der Grund sollen Fehler in den Testprozeduren von Boeing gewesen sein, die erst vor wenigen Wochen aufgefallen seien. Nun müssen die Leinen neu ausgelegt, ausgetauscht und getestet werden. Unklar bleibt, ob Boeing im Anschluss den gesamten Fallschirm wegen der veränderten mechanischen Eigenschaften der Leinen neu qualifizieren muss.

Anders als bei starren Bauteilen ist das Verhalten von Fallschirmen bis heute schwer zu berechnen. Aus diesem Grund müssen diese sicherheitskritischen Leinen auch wenigstens der doppelten erwarteten Belastung standhalten, um unerwartet hohe Belastungen oder unerwartete Schwachstellen im Material zu kompensieren. Ansonsten beträgt die Sicherheitsmarge in der Raumfahrt nur 40 Prozent.

Feuergefahr durch Hunderte Meter Klebeband

Das zweite festgestellte Problem befindet sich an den Glasfaser-Klebebändern in den Kabelbäumen, deren Kleber sich als feuergefährlich herausstellte. Hunderte Meter von Kabelbäumen im Starliner sollen nun untersucht und mit zusätzlichem Klebeband ummantelt werden, um die Feuergefahr einzudämmen.

Boeing lieferte keinen Hinweis darauf, warum dieses Problem nach elf Jahren Entwicklungsarbeit erst wenige Wochen vor dem ersten Flug mit Menschen aufgefallen ist, zumal feuerfeste Klebebänder überall in Raumfahrtanwendungen zum Einsatz kommen. Erst im März wurden außerdem Berichte über Brandgefahr der Akkus bekannt, die aber erst nach dem nächsten Flug des Starliners ausgetauscht werden sollen.

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Starliner fliegt erst nächstes Jahr, wenn überhaupt 
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Jossele 26. Jun 2023

Soweit ich weiß, ist mittlerweile auch der Boeing Starliner ein Fixbetragauftrag - soll...

Sharra 06. Jun 2023

Da hast du mich offensichtlich missverstanden. Das "nicht unterscheiden" bezog sich auf...

Katsuragi 04. Jun 2023

Dem schließe ich mich an. Wenn es hier "grün" gäbe: doppelplusgrün

Medulo 04. Jun 2023

Ich denke viele große Konzerne wie Boing oder bspw. Deutsche Bahn haben ein ähnliches...



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