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Raumfahrt: Zwei weitere Lecks in Boeings Starliner entdeckt

Der Boeing Starliner ist endlich gestartet. Nach vielen technischen Problemen und hohen Kosten ist das Ende des Programms schon jetzt absehbar.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Starliner beim Start mit einer Atlas-V-Rakete (Bild: Nasa / Screenshot: Golem.de)
Starliner beim Start mit einer Atlas-V-Rakete Bild: Nasa / Screenshot: Golem.de

Um 16:52 mitteleuropäischer Zeit ist der Boeing Starliner erfolgreich mit Barry Wilmore und Sunita Williams an Bord gestartet(öffnet im neuen Fenster) . Das Ziel ist die internationale Raumstation ISS. Die Ankunft ist für Donnerstag um 18:15 Uhr geplant. Das von Boeing konstruierte Raumschiff stellte ursprünglich die konservative Wahl der Nasa für einen Spaceshuttle-Ersatz dar. Die Pläne der damals noch neueren Firma SpaceX galten als besonders unsicher, obwohl sie zu der Zeit für die Nasa bereits Fracht mit einer wiederverwendbaren Kapsel zur ISS transportierte.

Im Jahr 2024 haben sich die Rollen vertauscht. Der Start verlief erfolgreich, obwohl das Service-Modul des Starliners ein Helium-Leck aufwies. Während des Livestreams war zudem zu hören, dass die zweite Stufe einen Verlust von 35 Sekunden im spezifischen Impuls hatte, also 8,5 Prozent mehr Treibstoff verbrauchte. Die Mission hatte aber ausreichend Reserven, um dennoch erfolgreich zu fliegen.

Der Starliner war zuvor von vielen technischen Problemen betroffen, davor etwa die Entdeckung, dass die Ventile zahlreicher Manöviertriebwerke so stark korrodiert waren, dass sie sich nicht mehr öffnen ließen. Der erste Testflug des Starliners wurde zum Fiasko, als die Lagestabilisierung und Kommunikation kurz nach der Abtrennung des Starliners versagten. Grund waren Störungen durch Telefonfunkmasten am Erdboden und ein falsches Zeitsignal vom Bordcomputer, nachdem Boeing nie einen vollständigen Flug simuliert hatte.

Das Ende vom Starliner ist jetzt schon absehbar

Boeing hat mit rund fünf Milliarden US-Dollar für den Auftrag im Rahmen des Commercial Crew Programs bei der gleichen Leistung deutlich mehr Geld als SpaceX erhalten, das dafür nur 3,5 Milliarden US-Dollar bekam. Während SpaceX plant, auch weiterhin Flüge mit dem Crew Dragon durchzuführen, will Boeing über die sechs vertraglich zugesicherten regulären Missionen zur ISS keine weiteren Flüge machen. Das liegt sowohl an den finanziellen Verlusten, die Boeing mit dem Programm macht, als auch an fehlenden Raketen.

Die Atlas-V-Rakete, mit der der Starliner startet, fliegt noch immer mit einem Vorrat an russischen RD-180-Triebwerken, die nicht mehr importiert werden dürfen. Für weitere Flüge müsste Boeing entweder die Falcon 9 nutzen oder die Vulcan-Rakete, der Nachfolgerin der Atlas V, die aber noch nicht für Flüge mit Menschen qualifiziert wurde. Nun soll jedes Jahr ein Starliner fliegen, bis 2030 die sechste und letzte reguläre Mission abheben wird.

Nachtrag vom 6. Juni 2024, 8:44 Uhr

Wie William Harwood(öffnet im neuen Fenster) von CBS-News(öffnet im neuen Fenster) berichtet, wurden, kurz bevor die Besatzung schlafen wollte, zwei weitere Lecks im Starliner gefunden, die vor dem Start unbekannt waren. Wie das schon bekannte Leck befinden sie sich in den Helium-Verteilern des Antriebssystems. Offenbar werden die Lecks derzeit als klein genug eingeschätzt, um die Mission nicht zu gefährden..


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