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Raumfahrt: Boeing Starliner ist gelandet

Bei der Landung traten nur kleinere technische Fehler auf. Größere Probleme konnten Nasa und Boeing zuvor aber nicht völlig ausschließen.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Der Starliner nach der Landung (Bild: Boeing)
Der Starliner nach der Landung Bild: Boeing

Drei Monate nach dem Start ist der Boeing Starliner wieder gelandet.(öffnet im neuen Fenster) Um die fehlerhaften Triebwerke möglichst wenig zu belasten, wurde die Abdocksequenz modifiziert und Teile des üblichen Manövers weggelassen, bei dem abfliegende Raumschiffe die Gelegenheit zur äußeren Inspektion der Raumstation nutzen. Zudem wurde die Software modifiziert, um bei kritischen Manövern eine Abschaltung der Triebwerke wegen Überschreitung von Temperaturgrenzwerten zu verhindern.

Der Flug verlief weitgehend problemlos. Es fielen keine weiteren Triebwerke des Servicemoduls aus, die beim anspruchsvolleren Flug zur ISS erhebliche Problemen verursachten. Allerdings versagte nach Abtrennung des Servicemoduls eines von zwei nach oben gerichteten Steuertriebwerken der Wiedereintrittskapsel des Starliners, die technisch anders aufgebaut sind als die Triebwerke des Servicemoduls. Nach dem Wiedereintritt fiel kurzzeitig das Navigationssystem aus, das aber durch Kommandos vom Boden wieder reaktiviert werden konnte.

Bei der anschließenden Pressekonferenz der Nasa(öffnet im neuen Fenster) waren wieder keine Vertreter von Boeing anwesend. Die Entscheidung scheint bei dem Hersteller kurzfristig gefallen zu sein, da erst kurz vor Anfang der Konferenz zwei von fünf bereitgestellten Stühlen weggeräumt wurden, wie Eric Berger von Ars Technica berichtete. Das deutet aber nicht auf das Ende des Starliner-Programms hin, die Vorbereitungen zur Mission Starliner-1 laufen bereits.

Viele Modifikationen bis zum nächsten Flug

Bis zur nächsten Mission müssen die Triebwerksgehäuse modifiziert werden, um mehr Wärme abzugeben. In der Pressekonferenz wurde außerdem klar, dass bereits beim vorhergehenden Flug des Starliners unerwarteterweise zu hohe Triebwerkstemperaturen beobachtet, aber offensichtlich bis zu den Fehlfunktionen beim jüngsten, dritten Flug nicht tiefergehend analysiert wurden.

Im Servicemodul müssen außerdem Teflonteile der Ventile ausgetauscht, verändert oder so weit getestet werden, dass sie sich vorhersagbar verhalten und Flugprofile so geändert werden können, dass sie nicht überlastet werden. Außerdem müssen die Dichtungen der Oxidator-Treibstoffleitungen durch ein Material ersetzt werden, das beständig gegen die korrosiven Eigenschaften des Oxidators ist.

Diese Dichtungen waren nach derzeitigem Verständnis für die Heliumlecks verantwortlich, die schon beim Start auftraten. Es kann vermutet werden, dass es so auch zur Korrosion der blockierten Ventile im Servicemodul vor dem zweiten Testflug kam.

Und schließlich muss auch die Fehlfunktion des Steuertriebwerks in der Crewkapsel geklärt werden, das allerdings am Boden untersucht werden kann. Es zeigte trotz Steuerkommandos von mehreren verschiedenen Systemen keinerlei Reaktion. Diese Form des Triebwerks ist anders aufgebaut als die Triebwerke im Servicemodul.

Es werden darin nicht zwei Treibstoffe vermischt, die sich selbstständig entzünden. Stattdessen wird nur ein Treibstoff (Hydrazin) durch ein Katalysatorbett geleitet, wodurch sich das Hydrazin selbstständig aufheizt und chemisch in Stickstoff und Wasserstoff zersetzt. Sojus-Raumschiffe nutzen ähnliche Triebwerke mit Wasserstoffperoxid, das in Wasser und Sauerstoff zerlegt wird. Aufbau und Funktion der Triebwerke sind also sehr einfach. Es wird vermutet, dass sich das angeschlossene Treibstoffventil nicht geöffnet hat.

Fehlende Tests führten zu Problemen

Alle schweren Fehler, die bislang im Starliner-Programm auftraten, wären durch bessere System- und Materialtests vermeidbar gewesen. Das gilt für mehrere Softwarefehler beim ersten Testflug , die zustande kamen, weil nur Teilsysteme und Teile der Mission, jedoch nie der gesamte Flug vom Start bis zum Docking mit der ISS simuliert wurde. Das gilt auch für das Kommunikationssystem, das nicht auf mögliche Störungen durch Signale in Mobilfunkfrequenzen getestet wurde.

Es gab offenbar keine tiefgehende Ursachenforschung der schweren Korrosionsprobleme vor dem zweiten Testflug , bei dem die Ventile von 13 der insgesamt 24 Triebwerke blockierten, was schließlich zum Austausch des gesamten Servicemoduls führte.

Das Flugprofil der anschließend durchgeführten Testmission war weniger belastend als der Flug mit Crew im dritten Flug und damit kein guter Test des Systems. Und die dennoch aufgetretenen Triebwerks- und Hitzeprobleme wurde ebenfalls nicht tiefergehend untersucht.

Die Nasa musste ihre Entscheidung für einen Rückflug mit oder ohne Crew vor diesem Hintergrund treffen. Ein erfolgreicher Rückflug ohne größere Probleme entsprach dabei den Erwartungen. Dennoch fiel die Entscheidung gegen den Flug mit Crew von Seiten der Nasa einstimmig – und zwar weder als Disziplinarmaßnahme, noch weil ein technisches Versagen mit Sicherheit erwartet wurde, sondern weil mit der vorhandenen Erfahrung ein technisches Versagen nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden konnte.


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