Raumfahrt: Boeing darf eigenes Internet-Satelliten-Netzwerk starten

147 Internet-Satelliten will Boeing in der Erdumlaufbahn platzieren. Bisher fehlte das Okay einer US-Bundeskommission - jetzt nicht mehr.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Das Boeing-Logo am Gebäude des weltweiten Hauptsitzes von Boeing in Chicago, Illinois.
Das Boeing-Logo am Gebäude des weltweiten Hauptsitzes von Boeing in Chicago, Illinois. (Bild: Scott Olson, Getty Images)

Das private Luft- und Raumfahrtunternehmen Boeing hatte bereits 2017 die Idee geäußert, sein eigenes Internet-Satelliten-Netzwerk starten und betreiben zu wollen. Das Vorhaben wurde nun am 3. November 2021 von der FCC (Federal Communications Commission) genehmigt. Damit wird Boeing den Markt des Weltrauminternets betreten, in dem sich bereits Netzwerke wie die von Starlink oder Oneweb befinden.

Insgesamt möchte Boeing dafür 147 Satelliten im Weltall platzieren. 132 von ihnen sollen die Erde in einer niedrigen Umlaufbahn von 1.056 Kilometern über dem Meeresspiegel umrunden. Weitere 15 Satelliten sollen in eine "nicht-geostationäre Umlaufbahn" in einer Höhe zwischen 27.355 und 44.221 Kilometern gebracht werden. Zunächst möchte Boeing laut eigenen Angaben sein Weltrauminternet privaten Kunden sowie "Behörden und Unternehmen in den Vereinigten Staaten, Puerto Rico und den US-Jungferninseln" anbieten. Anschließend soll das Netz für die globale Nutzung ausgebaut werden.

Schnelleres Weltraum-Internet mit Boeing?

Außerdem möchte das Unternehmen eine schnellere Datenübertragungsrate als seine Konkurrenz anbieten. Dafür sollen die Boeing-Internet-Satelliten im V-Band-Frequenzbereich senden. Dieser liege höher als die Ku-Bänder, die von SpaceX und dem geplanten Kuiper-Satelliten von Amazon genutzt werden. Dafür sind sie aber auch störungsanfälliger.

Übrigens: Die Ka- und Ku-Bänder werden auch von Satelliten genutzt, mit denen kommerzielle Fluggesellschaften Internet während des Fluges anbieten. Außerdem wollen SpaceX und Oneweb in ihren neueren Internet-Satelliten ebenfalls V-Bänder verwenden.

Konkurrenzdruck und Umlaufbahnen

Kritik an Boeings Vorhaben kam 2019 ausgerechnet von SpaceX-Gründer Elon Musk. Durch die neuen Internet-Satelliten von Boeing würde die Gefahr von Kollisionen in den niedrigen Umlaufbahnen steigen. Jedoch sollen die Boeing-Satelliten die Erde in einer weitaus höheren Umgebung umkreisen, als es die Konkurrenz tut.

Die Internet-Satelliten von SpaceX, Oneweb und zukünftig auch Amazon umkreisen die Erde in circa 550 Kilometern Höhe. Das ist ungefähr der Bereich, in dem sich auch das Weltraumteleskop Hubble befindet. Die Internationale Raumstation ISS umrundet die Erde zum Vergleich in einer Höhe von rund 400 Kilometern. Die Boeing-Satelliten werden sich somit weit weg von ihrer Konkurrenz befinden.

Ursprünglich wollte Boeing sein Netzwerk über die nächsten zwölf Jahre verteilt ausbauen. Die Kommission der FCC lehnte eine Lockerung des Antrags ab, wie es in einer Anordnung vom 2. November heißt. Demnach habe Boeing sechs Jahre Zeit, um die Hälfte seiner Satellitenkonstellation zu starten. Innerhalb von neun Jahren soll das gesamte Netzwerk aufgebaut werden.

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