Raumfahrt: Amazon kauft 68 Raketenstarts für 3.236 Kuiper-Satelliten

Im größten Startvertrag aller Zeiten spielt die Falcon 9 keine Rolle, dafür Vulcan, New Glenn und Ariane 6. Keine der Raketen ist jemals geflogen.

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Die Vulcan-Centaur soll den größten Teil der Satelliten starten
Die Vulcan-Centaur soll den größten Teil der Satelliten starten (Bild: ULA / Screenshot: Golem.de)

Der Großkonzern Amazon will eine eigene Satellitenkonstellation ähnlich der Starlinks von SpaceX aufbauen. Wie CNBC und Spacenews berichten, wurden dafür drei Verträge für insgesamt 68 Raketenstarts unterschrieben, mit der Option für 15 weitere. Es sind die größten jemals unterzeichneten Verträge für Starts in der Raumfahrtgeschichte. Starts der 3.236 Kuiper-Satelliten sollen über fünf Jahre verteilt stattfinden, über den genauen Zeitpunkt wurde aber nichts gesagt. Dabei kommen vier unterschiedliche Raketentypen zum Einsatz.

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Auffällig an den drei neuen Verträgen ist, dass keine der drei beteiligten Raketentypen jemals geflogen ist. 38 Starts sollen mit der Vulcan-Centaur von der United Launch Alliance (ULA) durchgeführt werden, 18 mit der Ariane 6 und weitere 12 mit der New Glenn von Blue Origin mit der Option für 15 weitere Flüge. Allerdings sicherte sich Amazon schon 2021 neun Starts mit flugerprobten Atlas-V-Raketen der ULA, so dass die ersten Starts unabhängig von der Raketenentwicklung sichergestellt sind.

Weitere Atlas-V-Raketen können wegen des seit längerem bestehenden Importstopps der russischen RD-180 Triebwerke nicht mehr gebaut werden. Stattdessen soll die neue Vulcan Centaur mit ähnlich aufgebauten methanbetriebenen BE-4 Triebwerken von Blue Origin gebaut werden. Blue Origin ist die Raumfahrtfirma von Amazongründer Jeff Bezos. Die Firma baut auch die New Glenn und ist somit an 50 der 68 Starts beteiligt.

Auch die Ariane 6 ist beteiligt

18 Starts mit der Ariane 6 sind auch der bislang größte Vertrag für die neue europäische Rakete. Er dürfte zur Absicherung dienen, falls es zu weiteren Problemen mit der Entwicklung des BE-4 Triebwerks kommen sollte, sie eigentlich schon im Jahr 2019 abgeschlossen sein sollte. Die geringe Zahl der New-Glenn-Flüge spricht auch für begrenztes Vertrauen in eine schnelle Entwicklung der Großrakete, die seit 2020 fliegen sollte.

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Entwicklungsrisiken gibt es auch mit der Ariane 6, zumal die Erstflüge Ariane 5 und der Ariane 5 ECA wegen Konstruktions- und Softwarefehlern scheiterten und eine längere Überarbeitung notwendig machten.

Über die Startkosten wurde nichts gesagt, sie sollen mehrere Milliarden Dollar betragen. Weder Vulcan-Centaur noch Ariane 6 sind wiederverwendbare Raketen, was sie deutlich teurer als die Falcon 9 von SpaceX macht, die wohl wegen der Konkurrenzsituation von Blue Origin nicht als Alternative in Betracht gezogen wurde. Geld spielte bei der Auswahl der Raketen wohl keine größere Rolle, dafür spricht auch die Abwesenheit der japanischen H3 und der neuseeländisch/amerikanischen Neutron-Rakete.

Mit den Startverträgen ist die Grundlage für eine ernsthafte Konkurrenzkonstellation zu Starlink gelegt. Bis Kuiper in Betrieb ist, dürften die aktuellen Starlink-Satelliten aber schon das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben und durch die nächste Version ersetzt worden sein.

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