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Raumfahrt: Absturz chinesischer Raketenstufe verfehlt Malaysia knapp

Nach Start eines Moduls der chinesischen Raumstation wurde der Absturz der 20 Tonnen schweren Raketenstufe in der Nähe des bewohnten Gebietes gefilmt.

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Der Start der Langer Marsch 5B führte zum unkontrollierten Absturz von Trümmerteilen. (Bild: CGTN / Screenshot: Golem.de)

Ein über 20 Tonnen schweres Stück Weltraummüll stürzte am Samstag gegen 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit unkontrolliert in die Erdatmosphäre. Die Trümmer verfehlten bewohntes Gebiet nur knapp und stürzten noch vor der Küste der Philippinen in die Sulusee - ein Nebenmeer, das etwas kleiner als die Nordsee ist. Der Absturz wurde über der Insel Borneo beobachtet, die zwischen Indonesien, Malaysia und dem Sultanat Brunei geteilt ist.

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Es handelt sich bei den Teilen um die Hauptraketenstufe der Langer-Marsch-5B-Rakete, die zuvor das zweite Modul, Wentian, der chinesischen Raumstation startete. Zugunsten der Zuverlässigkeit und Leistung besteht die 5B-Variante nur aus der Kernstufe und vier Seitenboostern. Auf weitere Raketenstufen, die bei der regulären Langer Marsch 5 zum Erreichen höherer Geschwindigkeiten wie für hohe Orbits oder Zielen jenseits der Erde gedacht sind, wird verzichtet.

Die Kernstufe der 5B gelangt deshalb zusammen mit der Nutzlast in einen sehr niedrigen Parkorbit und trennt sie dort ab. Die Kernstufe beim Flug einer regulären Langer Marsch 5 erreicht hingegen noch keinen Orbit, wenn deren Treibstoff aufgebraucht ist und die obere Raketenstufe abgetrennt wird. Denn diese ist mit fast 40 Tonnen deutlich schwerer als eine Nutzlast wie das 22 Tonnen schwere Modul der Raumstation. Die Kernstufe der regulären Langer Marsch 5 fällt deshalb kontrolliert in den Pazifik, östlich der chinesischen Insel Hainan.

Absturzort ist fast unvorhersehbar

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Die Kernstufe der Langer Marsch 5B hat im Orbit keine nennenswerten Treibstoffreserven und auch keine wiederzündbaren Triebwerke mehr, so dass sie nach dem Start unkontrolliert im Erdorbit taumelt, bis sie durch die Reibung der oberen Erdatmosphäre abstürzt. Wegen der hohen Geschwindigkeit von rund 8 Kilometern pro Sekunde und der sehr kleinen und schwer bestimmbaren Bremskräfte durch die Atmosphäre ist der genaue Ort des Absturzes praktisch unvorhersehbar.

Nasa-Chef Bill Nelso forderte die chinesische Regierung auf, zumindest möglichst detaillierte Informationen zu den Raketenstufen zur Verfügung zu stellen, um bessere Vorhersagen zur Warnung der Bevölkerung möglich zu machen.

Die Ariane 5, die mit der Langer Marsch 5 vergleichbar ist, verwendete beim Start des ATV-Transporters zur ISS eine zusätzliche kleinere Raketenstufe mit wiederstartbaren Triebwerken. Dadurch konnte die große Kernstufe noch vor Erreichen des Orbits abgetrennt werden und kontrolliert in den Atlantik stürzen und die kleinere Raketenstufe ebenso kontrolliert entsorgt werden.

Der unkontrollierte Absturz von Raketenstufen oder ganzen Raumstationen lässt sich nicht immer vermeiden. Im Fall von Skylab oder Saljut-7 handelte es sich dabei jedoch um Fehlfunktionen. Bei der Langer Marsch 5B ist der unkontrollierte Absturz hingegen unvermeidbar. Das stellt bei derart großen Raketenstufen eine ernsthafte Gefahr dar, weil dabei immer mehrere große und schwere Trümmerteile die Erdoberfläche erreichen. Es würde dem Ansehen der chinesischen Raumfahrt sehr helfen, solche Gefahren zu vermeiden.