Raumfahrt: 2019 - Die Rückkehr des Mondfiebers?

Das Raumfahrtjahr 2019 beginnt gleich am 1. Januar mit einer einmaligen Gelegenheit. Nachdem die Raumsonde New Horizons den Kleinplaneten Pluto untersucht hatte, setzte sie Kurs auf den Asteroiden 2014 MU69, der inzwischen den Spitznamen Ultima Thule trägt. Über den offiziellen Namen soll erst nach dem Vorbeiflug entschieden werden. Das Hubble-Weltraumteleskop entdeckte den Asteroiden in mehr als der 40-fachen Entfernung der Erde von der Sonne, als die Nasa nach dem Vorbeiflug am Pluto nach weiteren Zielen für die Raumsonde suchte.
Bei seiner Entdeckung wurde Ultima Thule noch auf 40 Kilometer Durchmesser geschätzt, etwas weniger als die äußeren Plutomonde Nix und Hydra. Letztes Jahr wurde der Asteroid bei einer Sternbedeckung genauer untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass es sich wohl um mindestens zwei Asteroiden mit rund 20 Kilometer Durchmesser handelt. Endgültige Aufklärung über Ultima Thule werden erst die Bilder des Vorbeifluges am Neujahrstag bringen.
China landet auf der anderen Seite des Mondes
Noch spannender wird der Rest des Jahres, in dem es nicht nur bei Vorbeiflügen an Himmelskörpern bleiben wird. Mit viel Glück, wenn alles funktioniert und alle Zeitpläne eingehalten werden, wird es 2019 nicht weniger als vier Landungen auf dem Mond geben! Die erste dieser Missionen befindet sich schon jetzt in einem Orbit um den Mond. Mit der Mondsonde Chang'e 4 soll zum ersten Mal überhaupt eine Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes, im Von-Kármán-Krater, stattfinden.
Der Lander wurde ursprünglich als Ersatz für den Mondlander Chang'e 3 mit dem Rover Yutu gebaut, falls dessen Landung scheitern sollte. Der Mondlander von Chang'e 3 funktioniert noch immer, auch wenn das einzige verbliebene Instrument ein UV-Teleskop ist. Chang'e 3 musste inzwischen allerdings bis zur Landung von Chang'e 4 in den Ruhezustand versetzt werden, um den Funkverkehr nicht zu stören.
Noch im Januar geht es weiter mit den Mondmissionen. Für den 30. Januar ist der Start von Chandrayaan-2(öffnet im neuen Fenster) mit einer indischen GSLV-Mark-III-Rakete vorgesehen, nachdem sie ihre ersten Testflüge bereits erfolgreich absolviert hat. Die Trägerrakete ist wesentlich leistungsfähiger als die PSLV, mit der die Vorgängermission Chandrayaan-1 als reiner Mondorbiter gestartet ist. Die viel ambitioniertere Mission Chandrayaan-2 besteht, trotz der Missionskosten von umgerechnet nur rund 110 Millionen Euro, aus einem Orbiter, einem Lander und einem Mondrover. Der Landeort befindet sich auf 70 Grad südlicher Breite auf dem Mond.
Eine viel kleinere Trägerrakete will die Firma Moon Express(öffnet im neuen Fenster) für eine kommerzielle Mondmission nutzen. Die in Neuseeland gegründete Firma Rocketlab hat in diesem Jahr ihre nur 12,5 Tonnen schwere Electron-Rakete bereits dreimal erfolgreich gestartet , darunter war ein Flug für die Nasa. Mit dieser Rakete soll im Juni, zum 50. Jahrestag der Mondlandung von Apollo 11, die Mission Lunar Scout MX-1 gestartet und ein kleines Teleskop zum Südpol des Mondes gebracht werden.
Steine von Mond und Asteroiden kommen zur Erde
Noch eins draufsetzten will China aber am Ende des Jahres mit Chang'e 5 . Der Landeort dieser Mondsonde ist zwar wieder auf der erdzugewandten Seite, aber mit an Bord ist eine Rakete, die erstmals seit 1972 wieder Proben von Mondgestein zur Erde zurückbringen soll. Ursprünglich sollte die Mission sogar noch vor Chang'e 4 starten, aber Probleme mit der Trägerrakete führten zu Verzögerungen.
Die Schwerlastrakete Chang Zheng 5 (Langer Marsch 5) hatte beim zweiten Flug eine Fehlfunktion der Wasserstofftriebwerke in der Hauptstufe, die daraufhin überarbeitet werden mussten. Ob die Mission noch pünktlich vor Ende des Jahres starten kann, wird sich beim nächsten Flug der Chang Zheng 5 mit dem experimentellen Kommunikationssatelliten Shijian-20 entscheiden. Der sollte bereits im November stattfinden, wurde dann aber auf das zweite Quartal 2019 verlegt.
Noch exotischere Gesteinsproben sollen die Missionen Hayabusa 2 und Osiris Rex zur Erde bringen. Schon 2018 ist die japanische Sonde in einen Orbit um den Asteroiden Ryugu eingeschwenkt, während Osiris Rex den Asteroiden Bennu umkreist. Beide Sonden sollen noch 2019 auf den Himmelskörpern landen. Anschließend wird die japanische Raumfahrtorganisation Jaxa Hayabusa 2 im Dezember das Signal zur Rückkehr zur Erde schicken, wo sie im Dezember 2020 ankommen wird. Nach den aktuellen Plänen werden sich die Forscher der Nasa hingegen bis zum 23. September 2023 bis zur Rückkehr von Osiris Rex gedulden müssen.
Die ISS bekommt Besuch, der Mars hat schon
Bereits gelandet ist die Sonde Mars Insight . Deren hochempfindliche Seismometer wurden noch vor Weihnachten auf der Marsoberfläche abgesetzt . Das HP3-Instrument, das sich wie ein Maulwurf drei bis fünf Meter tief in den Untergrund graben soll, ist aber noch an Bord des Landers. Ob dessen Einsatz gelingt, ist inzwischen fraglich. Denn Bilder von der Unterseite des Landers zeigten größere Steine, die bis zur Landung mit den Raketentriebwerken von einer dünnen Sandschicht bedeckt waren. Das Gerät kann aber nur mit Steinen bis fünf Zentimeter Durchmesser umgehen.
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Spannend ist aber nicht nur die Mission von Mars Insight, sondern auch das Schicksal des Marsrovers Opportunity. Der Rover hat sich nicht mehr gemeldet, seit er vor über einem halben Jahr in einen Staubsturm geriet . Derzeit sendet die Nasa noch regelmäßig Signale zum Mars in der Hoffnung auf eine Antwort. Im Januar soll aber bereits zum zweiten Mal über ein mögliches Ende der Kontaktversuche beraten werden. Es wird also knapp für den dienstältesten Rover auf dem Mars.
Viel näher an der Erde befindet sich die Internationale Raumstation (ISS), die seit dem letzten Flug des Spaceshuttles nur von russischen Raumschiffen mit Besatzung angeflogen wird. 2019 sollen nun wieder Menschen mit amerikanischen Raumschiffen zur ISS fliegen. Dafür wird SpaceX im Januar einen ersten Testflug mit dem Crew-Dragon-Raumschiff unternehmen , im März gefolgt vom CST-100 Starliner von Boeing. Die ersten Flüge mit einer Crew an Bord sind bei SpaceX für Juni und bei Boeing im August geplant.
Startschuss für das Satelliteninternet und viele kleine Raketen
Auch nicht weit von der Erde entfernt soll die Internetsatellitenkonstellation Oneweb aufgebaut werden . Die ersten zehn Satelliten sollen im Februar mit einer Sojus-Rakete von Französisch-Guayana aus starten. Insgesamt soll die Konstellation nur noch aus 600 Satelliten bestehen, inklusive Reserve. Das sind 300 Satelliten weniger als anfangs geplant . Das Unternehmen musste zugeben, dass der ursprünglich geplante Stückpreis von 500.000 US-Dollar auf "weniger als eine Million" US-Dollar gestiegen ist.
Die ersten Satelliten für den Aufbau der Starlink-Satellitenkonstellation von SpaceX sollen im Juni starten. In der ersten Phase soll Starlink aus rund 1.600 Satelliten in 550 Kilometer hohen Orbits(öffnet im neuen Fenster) bestehen. Die Höhe der Orbits wurde im Vergleich zu früheren Plänen auf die Hälfte abgesenkt. Defekte Satelliten in dem niedrigen Orbit stürzen innerhalb von fünf Jahren auf die Erde. Auf der ursprünglich geplanten Höhe von 1.100 Kilometern, wo sich auch die Oneweb-Konstellation befinden wird, bleiben Orbits für Jahrhunderte oder Jahrtausende stabil, was defekte Satelliten zu einem Weltraummüllproblem macht .
Kleine Raketen kommen ganz groß raus
Das nächste Jahr wird nicht nur den Start vieler kleiner Satelliten mit sich bringen, sondern auch vieler kleine Raketen. Die Electron-Rakete soll nächstes Jahr jeden Monat einmal starten . Das Ziel ist realistisch, die letzten beiden Starts einer Electron erfolgten im November und im Dezember. Das Ziel der Firma ist ein Raketenstart pro Woche.
Virgin Orbit muss hingegen erst noch beweisen, dass ihre Launcher-One-Rakete wie geplant funktioniert. Sie soll im Februar erstmal von einer eigens umgebauten Boeing 747 namens Cosmic Girl gestartet werden. Die ersten Flüge mit der Rakete an Bord des Flugzeugs fanden bereits statt. Die Rakete soll eine Nutzlast von 300 kg in einen sonnensynchronen Orbit bringen können. Das ist die doppelte Nutzlast der Electron. Allerdings ist ein Flug der Launcher One mit 12 Millionen US-Dollar mehr als doppelt so teuer wie ein 4,9 Millionen US-Dollar teurer Start der Electron.
Die Falcon Heavy fliegt ohne Auto an Bord
Die größte der kleinen Raketen, die nächstes Jahr erstmals fliegen soll, ist die Vega C, der Nachfolger der europäischen Vega-Rakete. Sie ist gleichzeitig ein erster Test für die Ariane-6-Rakete, deren Debüt 2020 geplant ist. Die erste Stufe der Vega C ist ein P120 Feststoffbooster, wie er 2018 erfolgreich getestet wurde. Die Ariane 6 wird beim Start je nach Bedarf zwei oder vier dieser Booster nutzen.
Und schließlich wird auch die größte der großen Raketen im nächsten Jahr wieder fliegen. Die Falcon Heavy wurde auf die Nutzung Block-5-Technik der Falcon 9 umgerüstet. Mit mehr Schub und größerer Leistung soll sie im neuen Jahr den Satelliten GSAT-6 und eine Demonstrationsmission für die US Airforce starten. Dabei sollen nach dem Start von GSAT-6 alle drei Raketenstufen landen und innerhalb von einem Monat ein zweites Mal fliegen.
Unausweichlich ist hingegen die Feststellung, dass im Jahr 50 nach der ersten bemannten Landung kein Mensch auf dem Mond stehen wird und die nächste Mondlandung mit menschlicher Crew kaum abzusehen ist.