Raumfahrt: 2014 - das Jahr, in dem wir gelandet sind

Das war eine Meisterleistung: Über 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt haben sich im Sommer eine Sonde und ein Komet getroffen. Aber das war nicht das einzige Ereignis, das 2014 die Raumfahrt bewegt hat. Golem.de schaut zurück auf Erfolge und Unglücke.

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Komet Tschurjumow-Gerassimenko: zehn Jahre Anreise zur Gummiente
Komet Tschurjumow-Gerassimenko: zehn Jahre Anreise zur Gummiente (Bild: Esa/Rosetta/MPS for Osiris Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/Inta/UPM/DASP/Ida)

Trifft eine Sonde eine Kometen... - klingt wie ein Witz, ist aber eine der großartigen Leistung in der Raumfahrt: Erstmals hat es die Menschheit geschafft, eine Sonde in den Orbit eines Kometen zu bringen. Und nicht nur das: Sie hat auch noch ein Landefahrzeug abgesetzt. Die Landung wäre allerdings beinahe schief gegangen - so wie einiges anderes in der Raumfahrt 2014: Zwei Galileo-Satelliten etwa wurden falsch ausgesetzt, eine Rakete explodierte gleich nach dem Start. Andere Starts verzögerten sich, wurden dann aber zum Erfolg. Kurz: Es hat sich einiges getan im Weltraum - und an unserem Blick dorthin.

Riesenteleskop E-ELT wird gebaut

Dieser Blick ins Universum wird sich durch eine Entscheidung grundlegend ändern, die 2014 gefällt wurde: Die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory, Eso) hat kürzlich die Mittel für den Bau des European Extremely Large Telescope (E-ELT) genehmigt; - knapp ein halbes Jahr, nachdem im fernen Chile schon eine Bergspitze gesprengt wurde, um das Fundament für das Teleskop zu legen.

Das E-ELT wird das größte optische Teleskop der Welt. Mit seinem 39 Meter großen Spiegel wollen Astronomen nach Exoplaneten oder sehr weit entfernten Galaxien Ausschau halten. Das sollten sie auch recht häufig können: Das E-ELT wird in über 3.000 Metern Höhe in der Atacama errichtet. Die Wüste im Norden Chiles ist eine der trockensten Landschaften der Erde - im Schnitt gibt es 350 klare Nächte im Jahr.

Sofia kommt nach Hamburg...

Allerdings müssen die Forscher noch gut zehn Jahre warten, bis das Teleskop fertig ist. Weniger lang war die Wartezeit für die Astronomen, die ihre Forschung mit dem fliegenden Teleskop der US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (Nasa) und des Deutschen Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt betreiben: Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (Sofia) wurde mehrere Monate lang in Hamburg überholt - und wir durften einen Blick in das Forschungsflugzeug werfen.

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Sofia ist eine zum Teleskop umgebaute Boeing 747, mit der Forscher über 10 Kilometer hoch aufsteigen, um die Sterne zu beobachten. Das Teleskop fängt mit seinem 2,7 Meter großen Spiegel Infrarotlicht auf. Von dieser Strahlung kommt nur sehr wenig durch den Wasserdampf in der Atmosphäre. Sofia bringt die Astronomen deshalb über die Troposphäre, wo es kaum noch Wasserdampf gibt, der die Infrarotstrahlung absorbiert.

...und wird ausgeweidet

Nach einigen Jahren im Betrieb musste die Boeing 747SP mit dem Namen Clipper Lindbergh einer gründlichen Prüfung unterzogen werde. Das erledigten die Experten von Lufthansa Technik (LHT), die sonst Boeings oder Airbusse in Regierungsflugzeuge oder fliegende Luxussuiten verwandeln. Über mehrere Monate weideten sie das Flugzeug aus und unterzogen jedes Bauteil einer genauen Prüfung.

  • 28. Juni 2014: Sofia ist auf dem Hamburger Flughafen für den D-Check eingetroffen. (Foto: Jan Brandes/Lufthansa Technik)
  • Sofia ist eine zum Forschungsflugzeug umgebaute Boeing 747SP, die in Kalifornien stationiert ist. (Foto: Nasa)
  • Im Rumpf ist ein Infrarottelekop eingebaut, mit dem Forscher in 12 Kilometern Höhe den Himmel beobachten. (Foto: C. Thomas/Nasa)
  • Hinter dem Tor, das um den Rumpf herum aufgefahren wird, sitzt das Teleskop. (Foto: Tony Landis/Nasa)
  • Es ist an einem schweren Druckschott aufgehängt. (Foto: Tony Landis/Nasa)
  • Das Schott trennt die Teleskop-Cavity von der Kabine, in der sich Mannschaft und Wissenschaftler aufhalten. (Foto: Tom Tschida/Nasa)
  • Derzeit wird das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie in Hamburg generalüberholt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Betrieben wird das Forschungsflugzeug vom DLR und der Nasa. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Form des Rumpfes wurde für das Tor verändert - damit kein Ton wie bei einer Querflöte entstehe, sagt Heinz Hammes vom DLR. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Nicht auf den ersten Blick erkennbar: Das Gerüst umhüllt das Seitenleitwerk. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Boeing 747 lagert auf einem Gerüst. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Denn das Fahrwerk ist abmontiert, ebenso die Triebwerke. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Drinnen ist alles ausgeräumt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sie hätten abgemacht, was abgemacht werden könne, sagt Andreas Britz von Lufthansa Technik. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sogar das Cockpit wurde ausgeräumt - dort muss ein Spant ausgetauscht werden. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Im Rumpf: Hinter dem Gerüst ist das Druckschott zur Cavity zu erkennen. Es ist die runde blaue Struktur. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Teleskop - das "Allerheiligste des Sofia-Observatoriums", sagt Alfred Krabbe vom Deutschen Sofia Institut (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Blick von innen auf das Schiebetor (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Arbeiten sollen bis Mitte November 2014 andauern. Danach soll Sofia wieder fast wie neu sein. (Foto: Nasa)
28. Juni 2014: Sofia ist auf dem Hamburger Flughafen für den D-Check eingetroffen. (Foto: Jan Brandes/Lufthansa Technik)

Weit über 1.000 Mängel fanden die Techniker an der 1977 gebauten Boeing 747SP. Sie haben sie alle behoben - von Korrosionsschäden über Ermüdungsrisse bis zur ausgeschlagenen Aufhängung einer Tür. Über fünf Monate war Sofia in der Obhut von LHT. Inzwischen haben Nasa und DLR ihr Forschungsflugzeug wieder: Am 14. Dezember trat Sofia die Heimreise an, zum Dryden Flight Research Center im Süden des US-Bundesstaates Kalifornien. Ab Februar 2015 soll sie wieder aufsteigen, um das Teleskop auf schwarze Löcher, Sternennebel und Exoplaneten zu richten.

Manchmal aber reicht es nicht aus, sich ein paar Kilometer hoch über die Erde zu erheben. Dann wollen die Wissenschaftler ganz nahe an ein Objekt heran. Dafür schicken sie eine Sonde zum Objekt ihrer Begierde. Und wenn dieses weit weg ist, ist die Sonde auch lange unterwegs.

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Rosetta trifft einen Kometen 
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