@astroalex twittert aus dem All

Am 28. Mai 2014 startete Alexander Gerst vom Startplatz Baikonur in Kasachstan aus zur ISS. Knapp ein halbes Jahr lang erfreute er uns Erdgebundene mit grandiosen Fotos, die er aus dem Fenster der ISS schoss und auf seinem Twitter-Account @astroalex verbreitete. Er habe sich als Stellvertreter der Menschen im All gefühlt, sagte er nach seiner Rückkehr dem Hamburger Magazin Stern.

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In Gersts Zeit auf der ISS fiel auch der letzte Flug des autonomen europäischen Raumtransporters, des Automated Transfer Vehicle (ATV). Benannt ist das fünfte ATV nach dem belgischen Theologen und Astrophysiker Georges Lemaître.

Das ATV besteht aus zwei Modulen

Das ATV ist knapp über 10 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,5 Metern. Es besteht aus zwei Modulen: dem Service- und dem Nutzlastmodul, Integrated Cargo Carrier (ICC) genannt. Es bildet den vorderen Teil des ATV. Dort befindet sich auch der Mechanismus, mit dem der Transporter an das russische Swesda-Modul andockt.

  • Das ATV-2 Johannes Kepler, fotografiert von der ISS. Das zweite Automated Transfer Vehicle flog im Jahr 2011 zur ISS. (Foto: Esa)
  • ATV-2 Johannes Kepler kurz vor dem Andocken an der ISS am 24. Februar 2011 (Foto: Esa)
  • Spaceshuttle und ATV-2 an der ISS - der europäische Raumtransporter ist rechts unten zu erkennen. (Foto: Nasa)
  • Die ATVs bleiben jeweils mehrere Monate an der Station angedockt, bevor sie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Hier dockt ATV-4 am 28. Oktober 2013 von der ISS ab. (Foto: Nasa)
  • Ins All transportiert werden die ATVs von der europäischen Trägerrakete Ariane 5. (Foto: S. Corvaja/Esa)
  • Hier startet eine Ariane 5 am 5. Juni 2013 mit dem ATV-4 Albert Einstein an Bord. (Foto: S. Corvaja/Esa)
  • Der für den 24. Juli 2014 geplante Start des ATV-5 Georges Lemaître musste wegen eines Problems an der Rakete um einige Tage verschoben werden. Das Foto zeigt den Start von ATV-4. (Foto: S. Corvaja/Esa)
  • Das ATV-5 wird im April 2014 für den Start vorbereitet. (Foto: S. Corvaja/Esa)
  • Im hinteren Teil des Nutzlastmoduls befinden sich Tanks für Trinkwasser und Atemluft. Zu sehen ist ATV-1 Jules Verne. (Foto: Esa/CNES/Arianespace/Optique Video du CSG)
  • Im vorderen Teil des Nutzlastmoduls werden die Versorgungsgüter für die ISS verstaut - Alexander Gerst kann sich auf Käsespätzle freuen. (Foto: P. Baudon/Esa/CNES/Arianespace/Optique Video du CSG)
  • Dieser Teil des Nutzlastmoduls steht unter Druck - die Astronauten können ihn ohne Raumanzug betreten - wie der Nasa-Astronaut Chris Cassidy im ATV-4. (Foto: Nasa/Esa)
Das ATV-2 Johannes Kepler, fotografiert von der ISS. Das zweite Automated Transfer Vehicle flog im Jahr 2011 zur ISS. (Foto: Esa)

Im ICC werden die festen Güter für die ISS gelagert: Lebensmittel, Kleidung, Geräte, wissenschaftliche Ausrüstung. Das ATV-5 hat unter anderem einen Schmelzofen sowie das Bonusessen für Gerst in den Orbit gebracht: Der aus Baden-Württemberg stammende Raumfahrer hatte sich Käsespätzle gewünscht. 22 runde Tanks zwischen ICC und Servicemodul enthalten flüssiges Gut für die Station - darunter Wasser, Atemluft und Treibstoff.

Das ATV hebt die ISS an

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Das Servicemodul enthält den Antrieb, der aus vier Haupttriebwerken und 28 kleineren Korrekturdüsen sowie den Treibstofftanks besteht, vier Solarmodule und den Bordcomputer, der das Raumfahrzeug steuert. Es dient, während es an die Station angedockt ist, auch als deren Antrieb. Die ISS verliert durch den Widerstand der restlichen Atmosphäre ständig an Geschwindigkeit und sinkt deshalb ab. Um einen Wiedereintritt in die Atmosphäre und damit ein Verglühen zu verhindern, muss sie immer wieder mal angehoben werden. Das übernehmen die Triebwerke der ATVs.

Das Besondere an den europäischen Raumtransportern war, dass sie vollständig autonom flogen. Nicht einmal beim Andocken wurde die Besatzung gebraucht, um das ATV wie die US-Raumtransporter Dragon oder Cygnus mit Roboterarm Canadarm einzufangen und manuell mit der ISS zu verbinden. Das ATV machte das selbst. Mit seinen Sensoren konnte es die Station mit einer Präzision von weniger als 5 Zentimetern ansteuern. Ein ATV bleibt etwa ein halbes Jahr an der ISS angedockt und verglüht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Espresso im Orbit

Mit Gersts Nachfolgebesatzung, zu der die Italienerin Samantha Cristoforetti gehört, ist italienische Lebensart in den Orbit gekommen. Die Station hat jetzt ISSpresso. Das ist ein Kaffeevollautomat, den der Kaffeeröster Lavazza zusammen mit Argotec entwickelt hat. Argotec liefert Astronautennahrung an die Esa.

Praktischen Erwägungen ist eine andere Neuerung auf der Station zu verdanken: ein 3D-Drucker. Es ist ein Schmelzschichtungsdrucker, den das US-Unternehmen Made in Space für die Bedingungen in weitgehender Schwerelosigkeit angepasst hat. Er wurde im September zur ISS gebracht und im November in Betrieb genommen. Damit soll die Besatzung künftig bei Bedarf Teile vor Ort fertigen, statt darauf warten zu müssen, dass sie von der Erde geliefert werden. Außerdem ist es ein Test für kommende, lange Raumfahrtmissionen, etwa zum Mars, deren Besatzungen keinen Nachschub von der Erde bekommen können.

Die ISS wird zum Politikum

Dass Raumfahrt nur im Wortsinn im luftleeren Raum stattfindet, zeigte sich im Sommer, im eskalierenden Konflikt um die Ukraine. Anfang des Jahres hatten sich die 16 Betreiber darauf geeinigt, die Mission ISS bis ins Jahr 2024 zu verlängern. Wenige Monate später jedoch drohte der stellvertretende russische Premierminister Dmitri Rogosin, das Land werde die Verlängerung nicht mitmachen und stattdessen wie ursprünglich geplant 2020 aus dem Projekt aussteigen.

Das wollen die anderen Betreiber allerdings nicht hinnehmen: Die ISS sei ein Gemeinschaftsprojekt. Entscheidungen könnten deshalb auch nur gemeinsam und nicht im Alleingang getroffen werden, sagte Nasa-Chef Charles Bolden bei einer Podiumsdiskussion während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (Ila) in Berlin.

Erst einmal geht der Betrieb also weiter. Bolden ist es wichtig, dass die USA auch wieder eine größere Rolle bei der Versorgung der ISS spielen. Das gilt vor allem für den Transport der Astronauten auf die Station und wieder zurück. Das geht derzeit ausschließlich mit russischen Raumfähren.

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