Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Raspberry Pi: Streit um Open-Source-Treiber

Nach der Freigabe zumindest von Teilen des Grafiktreibers für das Raspberry Pi haben sich einige Open-Source-Entwickler zu Wort gemeldet. Es handele sich lediglich um einen Wrapper, kritisieren sie – in mitunter drastischen Worten.
/ Jörg Thoma
21 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Den Grafiktreiber für das Raspberry Pi hat Broadcom unter die BSD-Lizenz gestellt. (Bild: Raspberry Pi)
Den Grafiktreiber für das Raspberry Pi hat Broadcom unter die BSD-Lizenz gestellt. Bild: Raspberry Pi

Gestern hatte das Raspberry-Pi-Projekt bekanntgegeben, dass Broadcom seine Grafiktreiber für das im kleinen Rechner verbaute SoC unter einer BSD-Lizenz veröffentlicht hat. Zwar heißt es auf der Webseite, dass der User-Space-Teil des Treibers freigegeben worden sei, der Text verschweigt aber weitgehend, dass ein Binär-Blob beim Start geladen werden muss(öffnet im neuen Fenster) , damit der Treiber funktioniert.

Darüber haben sich einige Open-Source-Entwickler in Postings unter dem Eintrag beschwert. Sie werfen dem Projekt eine allzu positive Berichterstattung vor. Tatsächlich spart der Artikel nicht mit Lob für Broadcom dafür, als erste Firma ihre ARM-Treiber unter eine offene Lizenz zu stellen.

Nur zur Hälfte frei

Unrecht haben die Kritiker – darunter auch Luc Verhaegen(öffnet im neuen Fenster) – nicht. Denn Broadcom hält noch große Teile des Treibers unter Verschluss. Lediglich die Schnittstellen wurden freigegeben, die Firmware selbst kann nicht modifiziert werden – eine grundlegende Voraussetzung(öffnet im neuen Fenster) für einen wirklich freien Treiber.

Der Ton, in dem die Open-Source-Anhänger sich aber beschweren, ist alles andere als freundlich(öffnet im neuen Fenster) . Die Ehefrau des Mitbegründers Eben Upton Liz hatte alle Mühe, die teils aufgebrachten Kommentare zu beantworten. Sie betreut unter anderem die Pressearbeit auf der Webseite.

Auch der Chefentwickler Alex Bradbury, der das ursprüngliche Posting geschrieben hatte, konnte die entrüsteten Entwickler nicht beruhigen. Sein Argument, dass zumindest Projekte wie Wayland künftig für das Raspberry Pi angepasst werden könnten, fand kaum Beachtung.

Offener als andere

Im Vergleich hat Broadcom tatsächlich mehr Teile seines Treibers veröffentlicht als andere SoC-Hersteller. Für Verhaegen, der an dem Freedreno-Projekt(öffnet im neuen Fenster) arbeitet und mühsam einen freien Treiber per Reverse-Engineering für die GPU in Qualcomms Snapdragon SoCs entwickelt, dürfte der Lobgesang auf Broadcom jedoch wie Hohn klingen.

Aber auch die Entwickler freier Treiber mussten immer wieder Kompromisse eingehen. Anfangs kam selbst der quelloffene Nvidia-Treiber-Nachbau nicht ohne proprietäre Firmware aus .


Relevante Themen