Raspberry Pi Display: Die Bedienkonsole
Es hat bis September 2015 gedauert, bis ein Display für den DSI-Anschluss des Raspberry Pi offiziell verfügbar(öffnet im neuen Fenster) war. Bereits das erste Raspberry Pi hatte zwar neben der HDMI-Buchse einen DSI-Anschluss, um einen Monitor ansteuern zu können – doch lange Zeit blieb diese Schnittstelle ungenutzt. Erstmals wurde im Februar 2014 ein Prototyp(öffnet im neuen Fenster) eines Displays für den DSI-Anschluss gezeigt.
Das berührungsempfindliche Display besitzt eine Diagonale von 7 Zoll (rund 18 cm). Der Rahmen um das eigentliche Display ist recht breit, deshalb beträgt die Gesamtgröße der Front 19,4 cm x 11,0 cm. Die Auflösung liegt bei 800 x 480 Pixel, das entspricht einem Bildformat von 10:6. Die Touch-Oberfläche arbeitet kapazitiv und kann zehn Finger unterscheiden.

Ein wenig basteln nach dem Auspacken
Das offizielle Display-Kit besteht aus dem Display, einer Adapterplatine und Montagematerial. Eine Rahmenkonstruktion und Standfüße aus Acrylglas können separat gekauft werden.
Die Adapterplatine dient dazu, die DSI-Signale für das Display umzusetzen, aber auch dazu, die Touch-Informationen an das Raspberry Pi zu übermitteln. Neben dem DSI-Anschluss selbst besitzt die Platine eine USB-2.0-Host- und OTG-Buchse sowie einige Pins und Anschlüsse für das eigentliche Display.
Das Display wie auch das Raspberry Pi können über die USB-OTG-Buchse der Adapterplatine mit Strom versorgt werden. Das Netzteil sollte auf jeden Fall 2 Ampere liefern können. Vor dem Aufbau sollte klar sein, wie die Stromversorgung erfolgen soll. Entweder wird das Raspberry Pi über GPIO-Pins mit Strom versorgt oder die USB-Host-Buchse der Adapterplatine wird mit der OTG-Buchse des Pi verbunden. Letztere Variante kann allerdings aus Platzgründen mit der Rahmenkonstruktion kollidieren. Wir entscheiden uns für die GPIO-Variante.
Vorsicht beim Einstecken der Kabel
Der Zusammenbau ist nicht kompliziert, verlangt aber Sorgfalt. Die Flachbandkabel des Displays werden mit der Adapterplatine verbunden, diese wird dann am Display angeschraubt. Ein weiteres, weißes Flachbandkabel wird an die Adapterplatine angesteckt. Damit kann das Raspberry Pi auf die Adapterplatine aufgesetzt werden, und das weiße Flachbandkabel wird in den DSI-Anschluss des Pi gesteckt.
Bei den Flachbandkabeln handelt es sich um Exemplare, wie sie in jedem Elektronikgerät zu finden sind. Sie sind dementsprechend empfindlich und vertragen zwar vorsichtiges Biegen, aber keine Knicke oder seitlichen Bewegungen.
So praktisch es sein kann, die gesamte Elektronik am Display zu verschrauben: Die gesamte Konstruktion erhält dadurch eine Tiefe von gut 3,5 cm. Je nach Einsatzzweck kann das deutlich zu viel sein. Leider sind die Flachbandkabel recht kurz, so dass alternative Konstruktionsszenarien mit geringerer Tiefe bastlerischen Aufwand erfordern.
Loslegen ohne Hürden
Wer keine zwei linken Hände hat, sollte für den Zusammenbau nicht mehr als zehn Minuten benötigen. Wird die Adapterplatine mit Strom versorgt, bootet das Raspberry Pi und verwendet automatisch das Display. Allerdings funktioniert mit älteren Rasbian-Versionen die Touch-Funktion noch nicht. Dafür ist ein apt-get update und upgrade erforderlich. Danach können wir den Mauszeiger per Finger umherscheuchen.
Was uns bei unseren ersten Experimenten allerdings schnell auffällt, ist die Blickwinkelabhängigkeit des Bildes sowie ein im Vergleich mit anderen Monitoren im Büro dunkleres Bild. Das ist vermutlich der Touch-Oberfläche geschuldet. Leider bietet das Display keine Möglichkeit, die Helligkeit zu erhöhen.
Die Leuchtbegrenzung hält allerdings auch den Strombedarf in Grenzen. Die Kombination aus Raspberry Pi 2 und Display benötigt zirka 3,7 Watt, der Pi alleine begnügt sich mit 1,3 Watt.
Mit dem Zweiten sieht man besser
Auch wenn das Display per DSI genutzt wird, kann über HDMI weiterhin ein weiterer Monitor oder Fernseher angesprochen und darüber auch Audio ausgegeben werden. Leider funktioniert das aber nicht wie bei Laptops oder modernen Grafikkarten mit mehreren Ausgängen. Weder kann der Desktop erweitert werden, noch ist ein Duplikat möglich. Stattdessen müssen Programme selbst die Ausgabe über einen anderen Videoausgang unterstützen.
Beim Einstecken des HDMI-Steckers stehen wir außerdem vor einem weiteren Problem: Unser Stecker ist zu lang. Standardmäßig sieht die Konstruktion vor, dass die HDMI-Buchse nach unten zeigt. Dort ist aber dann zu wenig Platz für unseren Stecker, und er ragt an der Unterseite des Rahmens heraus.
Wer keinen Winkelstecker hat, kann auch das Display herumdrehen, muss dann aber auch das Raspberry Pi umkonfigurieren, so dass das Bild nicht auf dem Kopf steht. Das geht in der Config.txt innerhalb der Fat-Partition der Micro-SD-Karte:
So gewappnet kann das Raspberry Pi aber seine Stärke zeigen. Wir haben auf dem Display und einem angeschlossenen Fernseher je einen Film in 1080p abspielen lassen – das Raspberry Pi kam dabei nicht in Bedrängnis.
Display erfordert vorausschauenden Kauf und Verwendung
Die Position des HDMI-Steckers ist aber nicht der einzige "Konstruktionsfehler" beim Raspberry Pi. Aufgrund der Position des DSI-Anschlusses auf dem Pi führt das Flachbandkabel vor dem Micro-SD-Kartenslot vorbei. Kartenwechsel sind zwar noch möglich, erfordern aber Vorsicht, um Schäden am Kabel zu vermeiden.
Auch bei den USB-Ports des Raspberry Pi können durch die separat erhältlichen Displayfüße Platzprobleme auftreten. Positiv zu vermerken ist aber, dass durch das Eigengewicht des Displays und Rahmens die Konstruktion kaum noch zum Spielball der angeschlossenen Kabel wird.
Verfügbarkeit
Das Display-Kit kostet zwischen 60 bis 70 Euro je nach Händler. Es kann bei einer Vielzahl von Händlern bestellt werden, allerdings war es bei einigen bereits innerhalb eines Tages nach dem Erscheinen ausverkauft. Der Rahmen inklusive Standfüße kostet noch einmal rund 15 Euro.
Fazit
Das Display hinterlässt einen gemischten Eindruck. Anstecken und Loslegen funktioniert, das kleine Update für den Touch-Treiber stört nicht. Der Rahmen ist stabil und sieht hübsch aus. Die Möglichkeit, einen zweiten Bildschirm per HDMI anzuschließen, ist praktisch. Der Stromverbrauch hält sich in Grenzen. Und der Display-Betrieb benötigt keine Systemressourcen, im Gegensatz zu den bislang verbreiteten Aufsteck-Displays für das Raspberry Pi.
Das durch die Touch-Oberfläche verdunkelte Bild, die Blickwinkelabhängigkeit und die Auflösung von 800 x 480 Pixeln auf 7 Zoll wirken allerdings nicht mehr zeitgemäß. Die unflexible Kabelführung und die vergleichsweise große Tiefe des Aufbaus dürften manche Baupläne und Ideen zunichtemachen. Wer gehofft hat, endlich ohne viel Aufwand ein Laptop-Pi bauen zu können, dürfte enttäuscht sein. Hauptsächlich dürfte sich das Display als berührungsempfindliches Bedienterminal einsetzen lassen.
- Anzeige Hier geht es zu den besten Monitoren bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



