Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Rapid Prototyping: US-Armee steckt 3D-Druckereien in Container

Die US-Armee hat mobile 3D-Druckwerkstätten eingerichtet, die nach Afghanistan geschickt werden. Die Idee ist, dass Soldaten dort Ausrüstungsgegenstände, die sie brauchen, schnell anfertigen lassen können.
/ Werner Pluta
17 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Techniker der US-Armee in Rapid Prototyping Facility: 3D-Druckerei im Container (Bild: Steve Rochette/US Army)
Techniker der US-Armee in Rapid Prototyping Facility: 3D-Druckerei im Container Bild: Steve Rochette/US Army

Schnell einen Gegenstand anzufertigen, wenn er gebraucht wird – das ist der Vorteil von 3D-Druck. Das hat auch die US-Armee erkannt. Sie hat die entsprechende Ausstattung angeschafft und nach Afghanistan verschifft.

Idee verloren

Die Idee ist, dass Soldaten unmittelbar vor Ort in Afghanistan die Ausrüstung bekommen können, die sie brauchen. Bislang mussten sie dafür einen Antrag stellen, der an die entsprechende Stelle bei der Armee ging. Dort wurde das Teil dann angeschafft oder angefertigt. Dabei konnte dann auch schon mal die Ausgangsidee verloren gehen, wie Oberst Pete Newell, der Kommandant der Rapid Equipping Force(öffnet im neuen Fenster) (REF) in Fort Belvoir im US-Bundesstaat Virginia, dem US-Angebot Military.com erklärte.

Expeditionary Lab
Expeditionary Lab (03:36)

Das will die REF ändern: Sie hat mobile 3D-Druckwerkstätten eingerichtet, bei denen die Soldaten Ausrüstungsgegenstände, die sie brauchen, direkt anfertigen lassen. Eine solche 3D-Druckerei, Expeditionary Lab genannt, verfügt über aktuelle Rapid-Prototyping- und Rapid-Manufacturing-Technik, darunter ein 3D-Drucker, der Gegenstände aus Kunststoff aufbaut, und eine CNC-Maschine(öffnet im neuen Fenster) , mit der Teile aus Metall gefertigt werden können. Außerdem verfügt sie über herkömmliche Werkzeuge wie Plasmaschneider, Schweißgeräte, Bohrer und verschiedene Sägen.

Container-Werkstatt

Damit die Werkstatt mobil ist, wird sie in einen 20-Fuß-Container gepackt. Der erhält zudem noch eine Satellitenkommunikationsanlage, einen eigenen Generator sowie ein System zum Kühlen oder Heizen. Diese Werkstatt kann vor Ort per Lkw oder Transporthubschrauber zu einem beliebigen Einsatzort an der Front gebracht werden. Zu einem mobilen Labor gehören zwei Techniker als Besatzung, die alle vier Monate abgelöst werden.

Die sollen allerdings weniger neue Ausrüstung entwickeln, sondern vielmehr vorhandene verbessern oder so verändern, dass sie anderweitig einsetzbar ist. Die US-Armee unterhält schon seit einigen Jahren Rapid-Manufacturing-Einrichtungen in Bagram und Kandahar. Diese hätten schon einige nützliche Gegenstände für die Soldaten produziert, etwa einen Adapter, der es ermöglichte, ein mobiles Bodenradar mit einem anderen Akku auszustatten, erzählt der REF-Offizier. Dem Originalakku setzte das Klima in Afghanistan derart zu, dass sich die Laufzeit von acht Stunden im Nu auf weniger als eine Stunde reduzierte. Die REF-Techniker hätten daraufhin einen Adapter konstruiert, der es ermögliche, das Bodenradar mit einem Standardakku der US-Armee mit einer Laufzeit von neun Stunden zu betreiben.

Drei mobile 3D-Druckereien

Allerdings habe sich die Lösung mit den stationären Werkstätten noch als zu langsam erwiesen, sagte Newell. Deshalb sei die Idee entstanden, die mobilen einzurichten. 2,8 Millionen US-Dollar kostet so eine Werkstatt im Container. Drei Stück hat die REF vom US-Unternehmen Exponent(öffnet im neuen Fenster) einrichten lassen. Die erste ist seit vergangenem Monat im Süden Afghanistans im Einsatz. Die Zweite soll im Herbst im Osten des Landes eintreffen. Die Dritte wird in den USA verbleiben.

Die mobilen 3D-Druckereien seien allerdings nicht nur für den Kriegseinsatz geeignet, sagte Newell. Sie könnten sich aber auch bei Katastrophen wie nach dem Wirbelsturm Katrina im Jahr 2005 oder nach dem Tsunami in Japan im vergangenen Jahr als nützlich erweisen.


Relevante Themen