Rakuten: "Wir bauen viertes deutsches Netz mit x86-Standard-Hardware"
Der japanische Ausrüster Rakuten errichtet das neue Mobilfunknetz von 1&1 United Internet in Deutschland auf Basis von x86-Standard-Hardware. Das sagte Raimund Winkler, Managing Director Rakuten Deutschland, am 27. Oktober 2021 während der 5GMasters-Veranstaltung der Branchenorganisation VATM. "Wir bauen das vierte deutsches Netz mit x86-Standard-Hardware. Wir haben den Anspruch, bei Open RAN mit x86-Standard-Hardware führend zu sein. Wir setzen dabei auf Dell-Server, können aber auch beliebige andere Hardware nutzen." Rakuten ist Generalunternehmer für das 1&1-Mobilfunknetz.
Das japanische Unternehmen, dessen Kerngeschäft eigentlich E-Commerce ist, schaltete im April 2020 sein LTE-Netz live, im September 2020 folgte 5G. Bisher hat Rakuten nur 1 Million Kunden in einem Land mit mehr als 126 Millionen Einwohnern. Der neue Netzbetreiber ist weiter stark auf die Nutzung des Netzwerks des Konkurrenten KDDI angewiesen.
Rakuten beharrt laut Winkler darauf, dass sein Geschäftsmodell eine Transformation oder sogar eine Demokratisierung beim Mobilnetzausbau sei und deutlich geringere Kosten verursache. "Wir bringen Mobilfunknetzwerke nach Indien, wo 1 US-Dollar pro Kunde im Monat der Regelfall sind" , sagte Winkler. Rakuten habe 1.500 Softwareentwickler. Durch die Übernahme von Altiostar, einem Entwickler von Virtualisierungssoftware, habe man sich stärken können.
Kritische Fragen werden nicht beantwortet
Tatsächlich waren die Kosten für das Open-RAN-Netzwerk von Rakuten in Japan viel höher als erwartet. Bis zum Beginn des Jahres 2021 hatte das Unternehmen damit gerechnet, dass 28.000 4G-Basisstationen für eine Bevölkerungsabdeckung von 96 Prozent ausreichen würden. Aber die Zahl wurde im Februar auf 44.000 erhöht, was die Kosten von Rakuten um rund 2 Milliarden US-Dollar steigert. Insgesamt haben die Kosten für den Aufbau des Netzes sich auf 5 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Eine Frage von Golem.de zu den Ausgaben wollten weder der VATM noch Rakuten Deutschland beantworten.
Open RAN bedeutet Cloud, virtualisierte Netzwerkelemente, einfache Standard-Hardware, Open-Source-Software und standardisierte Schnittstellen, wobei auf proprietäre, hochentwickelte Chips und Software der etablierten Netzausrüster jedoch verzichtet werden muss. Durch den einfachen Ansatz sei das Einbuchen neuer Mobilfunkstationen im Netz über das Scannen des Barcodes möglich, erklärte Winkler. "Wir brauchen dafür nur wenige Minuten" , sagte er.
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