Raketenstarts aus der Nordsee: Deutscher Weltraumbahnhof wird wohl ein Schlag ins Wasser

Es drohen hohe Kosten, unflexible Startmöglichkeiten für Raketen, schlechte Bedingungen für die Startvorbereitungen und Interessenskonflikte der Betreiber mit ihren Kunden.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Raketen sollen von einem Schiff auf der Nordsee aus starten.
Raketen sollen von einem Schiff auf der Nordsee aus starten. (Bild: German Offshore Spaceport Alliance)

Mitten in der Nordsee, am äußersten Rand der deutschen Wirtschaftszone, sollen ab 2023 Raketen starten. Das ist zumindest der diese Woche präsentierte Plan der German Offshore Spaceport Alliance. Aber die Argumentation von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zur Standortwahl, ein Blick auf die Nachteile der Nordsee beim Start von Raketen und die Verflechtungen der beteiligten Firmen werfen die Frage auf, ob der Bau eines möglichst gut geeigneten Weltraumbahnhofs für Deutschland überhaupt das Ziel der German Offshore Spaceport Alliance ist.

Inhalt:
  1. Raketenstarts aus der Nordsee: Deutscher Weltraumbahnhof wird wohl ein Schlag ins Wasser
  2. Interessenskonflikte mit Kundenfirmen beim Weltraumbahnhof

Zunächst stimmen einige Aussagen Altmaiers in seiner Rede zur Absichtserklärung skeptisch. So sagte der Wirtschaftsminister, er habe in Portugal wegen eines Weltraumbahnhofs angefragt, sei dort aber auf keinerlei Interesse gestoßen. Das ist kaum glaubwürdig. Denn Portugal bietet seit Jahren an, einen Weltraumbahnhof auf den Azoren einzurichten,, die als Europäischer Standort wesentlich flexibler und besser geeignet wären als ein Schiff im deutschen Wirtschaftsraum der Nordsee. Zumal die Raketen von festem Land aus starten würden.

Altmaier räumte auch ein, dass Starts von der Nordsee aus nicht die finanziell günstigste Option seien. Er verglich die Wahl eines Raketenstartplatzes mit der Batteriezellproduktion und sagte es sei "nicht das Ziel, den einfachsten und preisgünstigsten Startplatz zu finden, sondern einen anspruchsvollen, einen mit moderner Technologie."

Das ist eine sehr merkwürdige Aussage eines Wirtschaftsministers. Denn jedes wirtschaftlich orientierte Unternehmen würde dem einfachsten und preisgünstigen Standort selbstverständlich den Vorzug geben. Raketentechnik ist auch so schon Herausforderung genug. Die Aussage wirft auch ein schlechtes Licht auf die Konkurrenzfähigkeit der Batteriezellenproduktion in Deutschland. Sie wird im Kostenwettbewerb auf dem Massenmarkt nicht bestehen können, wenn sich das Bundeswirtschaftsministerium gezielt gegen die Förderung von einfacher und kostengünstiger Technik entschieden hat.

Neue Raketen explodieren häufig beim Start

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Der Start vom Meer führt zu schlechten Bedingungen bei den Startvorbereitungen. Selbst kleinere technische Probleme beim Start, wie sie bei neuen Raketen oft vorkommen, bedeuten durch den mehrfachen Schiffswechsel einen großen Aufwand bis zur Reparatur. Dabei sind die Mittel im Vergleich zum Festland stark begrenzt. Der Start einer Rakete aus dem Meer erfordert nach den Plänen fünf Schiffe: eins für den Start mit der Rakete, eine Fähre für die Crew, ein Kommandoschiff zu dem die Crew mit der Fähre vor dem Start evakuiert wird, ein Patrouillenschiff, um Schiffe aus dem Sperrgebiet fern zu halten und ein Bergungsschiff, falls eine Raketenstufe wiederverwendet werden soll.

Zudem ist das Hauptschiff durch die Raketen selbst gefährdet. Neu entwickelte Raketen neigen zu Fehlfunktionen und Explosionen beim Start, wie sich erst vor kurzem wieder zeigte. Selbst mit ausgereifter Raketentechnik kann eine Startplattform zerstört oder stark beschädigt werden, woran schon das Unternehmen Sea Launch scheiterte.

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Aber Sea Launch profitierte zumindest davon, in Äquatornähe im Pazifik jenseits allen Schiffsverkehrs starten zu können und damit die Nutzlast der Rakete zu maximieren. Aber bei derzeit geplanten Starts aus der Nordsee können Raketen nur über einen schmalen Korridor nach Norden fliegen, der für den Start abgesperrt werden muss. Dazu kommen die häufig starken Winde, wegen derer die Nordsee ein günstiges Gebiet für Offshore-Windfarmen ist. Der Standort hat alle Nachteile eines Starts von See, ohne jeden Vorteil an Flexibilität zu bieten. Ein Ausweichen auf andere Startorte würde zusätzliche Fahrtzeiten von mehreren Tagen pro Start bedeuten und die mögliche Startrate beschränken.

Noch mehr Fragen ergeben sich aus den Geschäftsverhältnissen der am Weltraumbahnhof beteiligten Firmen.

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Interessenskonflikte mit Kundenfirmen beim Weltraumbahnhof 
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maxule 10. Sep 2021 / Themenstart

Und bei einem gelungenen Start sind die "giftigen Stoffe" in der Luft?

fs01obelix 09. Sep 2021 / Themenstart

Genau, wozu einfach, wenns auch schwierig geht.

PanicMan 09. Sep 2021 / Themenstart

Na das ist doch der der bei dem aktuellen Video von Rezo so gut weg kommt und komplett...

Knuspermaus 09. Sep 2021 / Themenstart

Jupp, steht auch in dem verlinkten Wiki-Artikel drin... Was ich damit ausdrücken wollte...

Frank... 09. Sep 2021 / Themenstart

Das glit nur, wenn der Satellit in eine Umlaufbahn entlang des Äquators fliegen soll. Die...

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