Rätsel-App: Quizduell kommt bald ins Fernsehen
Das Wissensduell per Smartphone oder Tablet hält Deutschland derzeit im Bann: Im November hatte die App Quizduell eine Million registrierte Nutzer, jetzt sind es bald sechs Millionen. Hinter dem Spiel steckt eine Handvoll Entwickler des schwedischen Unternehmens Feo Media(öffnet im neuen Fenster). Firmenchef Robert Willstedt kann den Run auf das Spiel nicht recht fassen: "Wir ahnten nicht, dass das so lange so gut laufen könnte", sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online.
Die Idee des Spiels ist so einfach wie süchtig machend: In kurzen Duellen kann jeder Nutzer mit einem beliebigen Kontrahenten sein Wissen vergleichen. Sechs Kategorien mit drei Fragen und je vier Antwortmöglichkeiten. Es kann jederzeit und an jedem Ort gespielt werden – und die Fragen werden auch von Spielern eingereicht und sind daher oft sehr aktuell.
Der Erfolg hat auch Medienkonzerne angelockt. Ein Buch mit Fragen und witzigen Anekdoten rund um das Quizduell ist in Planung. Auch ins Fernsehen könnte das Spiel auf kurz oder lang kommen und womöglich zu einem "Wer wird Millionär"-Konkurrenten werden. Die skandinavische Tochter der TV-Produktionsfirma ITV(öffnet im neuen Fenster) hat einen Lizenzvertrag mit Feo Media abgeschlossen, bestätigt Willstedt gegenüber Handelsblatt Online. Zum Portfolio der TV-Macher gehört unter anderem die Dschungel-Show "Ich bin ein Star, holt mich hier raus". Auch die Rechte für Deutschland seien in dem Deal enthalten.
Dass die App ein solcher Erfolg werden könnte, hat der Schwede zwar lange gehofft, doch nicht wirklich erwartet. Seit 2009 hatte Willstedt mit seinem Bruder und einem befreundeten Bruderpaar in der Freizeit an Apps getüftelt. Damals war der heute 31-Jährige noch Lehrer für Geschichte und Sozialwissenschaften. In der Freizeit testete das Quartett schnell entwickelte Apps und hoffte auf den Durchbruch. Doch um unter einer Million Anwendungen im Apple- oder Google-Katalog aufzufallen, reichte das nicht. Erst als sie sich fest entschlossen, ein gelungenes Duell-Spiel zu entwickeln, sollte sich das ändern.
Sie legten in der Freizeit und ohne Startkapital los. Innerhalb von einem Jahr entwickelten sie Quizkampen und erklommen ohne Marketing in drei Wochen den Spitzenplatz im schwedischen App-Store. Dabei hatte es bange Momente während der Entwicklung gegeben: "Fünf Quizspiele mit Duellfunktion kamen währenddessen auf den Markt und wir dachten, wir hätten den Kampf verloren. Wir dachten, wir wären zu langsam", so Willstedt. Doch das feste Vertrauen in das eigene Produkt war letztlich stärker.
Wer zahlt, muss keine Werbung sehen
Mittlerweile ist Quizduell auf 5,5 Millionen Geräten installiert, laut Willstedt spielen vier Millionen Deutsche täglich. Geld verdient die Firma damit, Werbung in den kostenlosen Versionen von Quizduell zu verkaufen. Wer bis zu drei Euro (je nach Betriebssystem) zahlt, muss keine Werbung mehr ertragen und erhält Zugriff auf einige Statistiken. Anders als Kommunikationsanwendungen wie Whatsapp greift die schwedische Software keine Nutzer- oder Kontaktdaten außer dem Spitznamen des Nutzers ab. Selbst die E-Mail-Adresse ist optional.
Technisch hatte Feo Media seit dem Start mächtig aufrüsten müssen. Zunächst waren eigene Server mit der Abwicklung der Duelle beschäftigt, doch der gewaltige Boom unter schwedischen Nutzen brachte das Linux-System mit SQL-Datenbank an die Grenze. Vor der Expansion sattelte die Firma daher auf einen Cloud-Dienstleister um und ist mit der Performance zufrieden – "auch wenn das Spiel immer mal wieder etwas langsam ist", so Willstedt.
Die Einnahmen in Schweden reichten, um die Belegschaft auf zehn feste Beschäftigte aufzustocken und mehrere Dutzend freie Mitarbeiter einzustellen. Diese schufen einen Grundstock an Fragen, damit es nicht zu schnell zu Wiederholungen selbst bei vielfachem Spiel kommt. Nutzer können Vorschläge einschicken und so stehen mittlerweile mehr als 25.000 Fragen im Katalog. Jede Frage wird zufällig ausgespielt, sodass es zu Dopplungen innerhalb weniger Partien kommen kann. "Wir halten das nicht für ein größeres Problem", sagt Willstedt. Es gebe zwar die Möglichkeit, jede Spielrunde völlig individuell zu gestalten. Doch der technische Aufwand sei enorm.
Auch finanziell lohnt sich die App, doch Details plaudert der ehemalige Lehrer mit Webdesign-Erfahrung nicht aus. Das Auskommen sei "gut, aber wir sind keine Millionäre". Die Kosten seien hoch für Personal und Server. Der Cloud-Dienst sei wesentlich teurer als die eigenen Server – aber eben auch zuverlässiger.
Die Expansion nach Großbritannien und USA steht derzeit auf dem Programm, doch ein scharfer Rivale hat sich dort bereits etabliert – QuizUp. Die Konkurrenten hätten sich sicherlich von Quizkampen inspirieren lassen und hätten finanzstarke Investoren.
Auch ein Verkauf der jungen Firma sei denkbar, sagt Willstedt, "wenn der Preis stimmt". An dem Gründer der Kurznachrichten-App Snapchat, Evan Spiegel, will er sich jedenfalls nicht orientieren. Der hatte jüngst eine Drei-Milliarden-Dollar-Offerte von Facebook ausgeschlagen. "Da hat sich doch jeder an den Kopf gefasst", so Willstedt.
Den Autor dieses Texts können Sie unter dem Nutzernamen "mdquiz" zum Quizduell herausfordern.
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