Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Radioastronomie: Nahes schwarzes Loch strahlt ungewöhnlich hell

Ein 1,8 Milliarden Lichtjahre entferntes schwarzes Loch gibt seit mehreren Jahren starke Radiostrahlung ab. Dank seiner relativen Nähe erlaubt es Einblicke in die Entstehung des Phänomens.
/ Mario Petzold
4 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Aufnahme der Galaxie SDSS J110546.07+145202.4 mit gut erkennbaren Spiralarmen (Bild: DESI Legacy Survey)
Aufnahme der Galaxie SDSS J110546.07+145202.4 mit gut erkennbaren Spiralarmen Bild: DESI Legacy Survey

Eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Radioastronomie(öffnet im neuen Fenster) in Bonn hat ein in vergleichsweise leichtes schwarzes Loch im Zentrum der Spiralgalaxie SDSS J110546.07+145202.4 anhand von Archivdaten und neuen Beobachtungen genauer analysiert. Es ist mit einer Entfernung von 1,8 Milliarden Lichtjahren nah genug, um sehr genau untersucht zu werden und besitzt bisher nie gesehene Eigenschaften.

Das schwarze Loch im Zentrum der Spiralgalaxie hat eine geringe Masse, die im Bereich wesentlich älterer Objekte dieser Art liegt. Ähnlich intensiv strahlende, leichte schwarze Löcher sind bisher nur aus der Zeit kurz nach dem Urknall bekannt. Diese befinden entsprechend einer Entfernung von mehr als 13 Milliarden Lichtjahren, was die Beobachtung erschwert.

Zudem war ein derart helles Leuchten im Radiospektrum bisher nur über Zeiträume von Tagen und Wochen zu beobachten. Die untersuchte Radiolichtquelle strahlt hingegen seit acht Jahren und die Intensität erhöhte sich in letzter Zeit noch einmal um das 20-Fache. Sie liegt aktuell 16 Zehnerpotenzen über der Strahlungsintensität unserer Sonne.

Verständnis des frühen Universums und schwarzer Löcher

Durch die intensive Strahlung und die verhältnismäßig kurze Distanz erhofft sich das Forschungsteam, die physikalischen Prozesse bei der Entstehung schwarzer Löcher besser zu verstehen. Weil die vorgefundenen Eigenschaften bisher nur im frühen Universum beobachtet wurden, könnte auch dessen Entwicklung anhand der Galaxie SDSS J110546.07+145202.4 untersucht werden.

Der große Datensatz zeigt zudem, dass die Menge an Materie, die vom schwarzen Loch absorbiert wird, weiter zunimmt. Dadurch bildete sich mittlerweile ein Jet, der große Mengen an Teilchen annähernd mit Lichtgeschwindigkeit wegschleudert.

Mit dem Square Kilometre Array(öffnet im neuen Fenster), einer Anlage, die mehrere Radioantennenanordnungen weltweit kombiniert und 2029 in Betrieb gehen soll, könnten noch genauere Messungen durchgeführt werden und weitere helle Radiolichtquellen entdeckt werden. Die Studie zur Untersuchung des relativ leichten, hell strahlenden schwarzen Lochs wurde in The Astrophysical Journal(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht.


Relevante Themen