Das NR-850 als Beispiel für das Niedrigpreissegment

Da es sich bei vielen Geräten im niedrigen Preissegment um billige Massenware handelt, die direkt aus China importiert wird, erhöht sich das Risiko, dass schon beim Transport etwas schiefgehen kann. Eine Reparatur lohnt sich meist nicht und teils noch nicht einmal ein Rückversand.

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Ist das Geiger-Müller-Zählrohr zerbrochen, wie das bei einem der für den Test beschafften Geräte tatsächlich passiert ist, ist die Kernfunktion des Gerätes zerstört und lässt sich nur durch den Einbau eines neuen kompatiblen Zählrohres beheben. Da es sich dabei aber um den teuersten Bestandteil des Gerätes handelt, lohnt die Reparatur nur, wenn man selbst Hand anlegen will und es gelingt, ein passendes Ersatzteil zu identifizieren und zu besorgen.

Konkret ging es hier um das NR-850, das für 75 bis 115 Euro im Onlinehandel zu bekommen ist. Mit dem NR-750 gibt es hierzu auch eine etwas günstigere Alternative, bei der allerdings ein paar Grundfunktionen weggelassen wurden, wie die Anzeige von originären Zählimpulsen. Das NR-750 enthält also die Counts per Minute, kurz: CPM (zu den Einheiten später mehr), die es intern mit Sicherheit als Basis nutzt, bewusst vor und präsentiert direkt die umgerechneten und abgeschätzten Werte in Sievert.

Das getestete NR-850 beherrscht sowohl Sievert als auch CPM und weitere Maßeinheiten. Es hat laut Beschreibung eine etwas bessere Genauigkeit und einen geringeren Stromverbrauch, aber ob dies wirklich zutrifft, kann man zumindest anzweifeln und spielt in der Praxis ohnehin eine untergeordnete Rolle. Das formal nochmal bessere NR-950 unterscheidet sich vom NR-850 nur noch durch einen angeblich weiter optimierten Stromverbrauch und eine bessere Zählgenauigkeit - was etwas vage wirkt, so dass aus dieser Gerätefamilie das NR-850 zu bevorzugen ist.

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Wunder darf man hier nicht erwarten. Der Preis ist für einen Geigerzähler eher niedrig und das Gerät, die Verpackung und das Zubehör wirken insgesamt billig, erfüllen aber ihren Zweck. Immerhin bekommt man ein komplettes Handbuch im Miniaturformat, allerdings nur auf Chinesisch und Englisch.

In einem einfachen Gehäuse mit einem Tastenfeld, das so generisch ist, dass es vermutlich auch in völlig anderen Gerätetypen zum Einsatz kommt, sind noch ein einfaches LCD-Display, ein wenig Elektronik und als Kernstück das Zählrohr aus Glas verbaut. Die Stromversorgung erfolgt über zwei AA-Batterien, die nicht mitgeliefert werden.

Die Funktionen und Menüoptionen sind überschaubar und an den Grundfunktionen ausgerichtet. Anschlüsse hat das Gerät keine. Es kann grundlegende aktuelle Messwerte anzeigen und eine Dosis zählen. Für beides lassen sich Alarme konfigurieren. Sowohl bei Überschreiten der Alarm-Schwellwerte als auch im Fehlerfall (wie etwa dem zerbrochenen Zählrohr) kann sich das Gerät über einfaches Piepen bemerkbar machen.

Eine optische oder akustische Ausgabe der gezählten Ionisierungsimpulse erfolgt hier jedoch nicht. Man bekommt als Information also nur die stetig schwankenden Messwerte im Display. Das oft in Filmen oder Serien zu hörende Klicken und Knattern fehlt als direkte Rückmeldung bei dem Gerät. Es ist in der Realität aber ohnehin meist weit weniger spektakulär und bei weitem nicht so notwendig, wie es manche Filme suggerieren.

Bei den angezeigten Werten und Einheiten sollte Nutzern der Unterschied zwischen Dosis und Rate bewusst sein. Hier gibt es eine Reihe von synonym verwendeten und teils leicht verwirrenden Begriffen.

Die Rate (auch Dosisrate, Strahlendosisrate oder Dosisleistung) ist der aktuell gemessene Wert, also die Anzahl an gemessenen Ionisierungsereignissen pro Zeiteinheit, zum Beispiel Counts per Minute (CPM).

Die Dosis (auch Strahlendosis) ist die akkumulierte Gesamtmenge über eine längere Zeiteinheit. Mathematisch gesehen ist sie also das Integral der Dosisrate über die Zeit. Es ist die Summe an Strahlung, die insgesamt ermittelt wurde. Je länger man Strahlung ausgesetzt ist, umso weiter steigt diese und wird nie weniger, sondern immer nur mehr.

Etwa 5 bis 50 CPM gelten bei uns als normal und in diesem Bereich schwanken die Werte von Minute zu Minute. Eine sinnvolle Aussage ist deshalb nicht binnen weniger Sekunden möglich, außer die Messwerte liegen plötzlich um Größenordnungen höher.

Recht schlicht, dafür aber günstig

Solche gefährlich hohen Raten, wie man sie aus Katastrophenfilmen kennt, sind bei uns aber aktuell nicht zu erwarten, so dass man bei Messungen viel Geduld braucht und Werte über viele Minuten oder gar Stunden mitteln sollte.

Das NR-850 bietet keine Funktion, die Rate hier langfristig zu mitteln. Man kann jedoch über die kumulierte Dosis arbeiten. Dazu ist es hilfreich, die Uhrzeit im Gerät korrekt zu konfigurieren, da es sich merkt, wann man die Dosis zurückgesetzt hat und mit der Messung begonnen hat. Daraus kann man dann das Zeitintervall ermitteln und damit von der Dosis auf die gemittelte Rate zurückrechnen. Das funktioniert technisch und mathematisch gut, ist aber ein wenig umständlich.

  • Das NR-850 wird in einer einfachen Pappschachtel geliefert und lässt deutlich den chinesischen Ursprung erkennen. (Bild: Mathias Küfner)
  • Das Innere der Pappschachtel wirkt ebenso einfach und schlicht. Zumindest ist ein komplettesMiniatur-Handbuch beigelegt, das neben einem chinesischen auch einen englischsprachigen Teilenthält. (Bild: Mathias Küfner)
  • Die Anzeige des NR-850 bietet wenig Variationsmöglichkeiten. Datum und Uhrzeit sind nicht vorkonfiguriert. (Bild: Mathias Küfner)
  • Hier das Innenleben des NR-850 mit dem zerbrochenen Zählrohr aus Glas, das einfach auf der Unterseite mit der Platine verbunden ist und weitgehend frei im Gerät hängt. (Bild: Mathias Küfner)
  • Die weiteren Komponenten des NR-850, mit dem Display auf der Vorderseite der Platine und dem Flachkabel zur Tastatur, die im Gehäuse integriert ist. (Bild: Mathias Küfner)
  • Das GQ-GMC500+ kommt zwar auch nur in einer einfachen Pappschachtel, jedoch findet sich darin ein USB-Kabel und das Gerät ist in der mitgelieferten Tasche verpackt. Es macht insgesamt einen besseren Eindruck als das NR-850. (Bild: Mathias Küfner)
  • Der Lithium-Ionen-Akku ist bereits eingebaut und vorgeladen, lässt sich aber tauschen und auch im Gerät aufladen. (Bild: Mathias Küfner)
  • Die einfachste Anzeigeoption des Gerätes gibt eine gut erkennbare Bewertung zurück. (Bild: Mathias Küfner)
  • Weitere Anzeige-Modi sind etwas komplexer und enthalten mehr Details. Man hat viele Variationsmöglichkeiten. Sinnvoll ist hier die Anzeige von gemittelten Werten, die aussagekräftiger sind. (Bild: Mathias Küfner)
  • Die Auswertung der besonders nützlichen Differenzmessung stellt die Einzelmessungen und deren Unterschied gegenüber. (Bild: Mathias Küfner)
  • Das GQ-GMC500+ hat umfangreiche weitere Funktionen. Dazu gehört auch das langfristige Speichern von Messwerten für eine spätere Auswertung. (Bild: Mathias Küfner)
Das NR-850 wird in einer einfachen Pappschachtel geliefert und lässt deutlich den chinesischen Ursprung erkennen. (Bild: Mathias Küfner)

Insgesamt ist das Gerät relativ einfach und nützliche Komfortfunktionen fehlen, dafür ist es erschwinglich. Andere Geräte in diesem Preissegment weisen Ähnlichkeiten bei verbauten Komponenten wie Tastatur und Display auf und dürften sich bezüglich Funktion und Messgenauigkeit kaum unterscheiden. Dazu gehört das FS2011. Auch das FD-600, das sowohl unter der Marke Hancaner als auch unter Vindor zu finden ist, hat eine Reihe offensichtlicher Gemeinsamkeiten.

Kommen wir jetzt zu einem etwas teureren Gerät, dem GQ GMC-500+.

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 Radioaktivität selbst messen: Was man zu Geräten und Einheiten unbedingt wissen sollteDas GQ GMC-500+ als Vertreter des Mittelfeldes 
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