Radio: Wie gut darf DAB+ klingen?

DAB+ kann viel bessere Klangqualität liefern als UKW - aber auch viel schlechtere. Und beides kann gewollt sein.

Artikel von Mathias Küfner veröffentlicht am
DAB+ macht digitales Radio flexibler.
DAB+ macht digitales Radio flexibler. (Bild: Joe007/Pixabay)

Obwohl gerade in den Haushalten immer noch mehr UKW-Empfänger stehen als DAB+ Empfänger, schreitet deren Verbreitung stetig voran. Das Wachstum im Jahr 2021 lag bei 30 Prozent, so dass mehr als 11 Millionen Haushalte inzwischen Radio über DAB+ empfangen. Über 90 Prozent aller Neuwagen haben bereits ein DAB+ Radio eingebaut. In vielen Regionen eröffnet sich durch die neue Technologie ein größeres Programmangebot. Doch wie sieht es mit der Klangqualität aus?

Als Vorteil von DAB+ gegenüber UKW wird die überlegene Klangqualität genannt. Dies ergibt sich aus zwei wesentlichen Gründen: Zum einen entfällt das Rauschen von UKW vollständig und zum anderen ist DAB+ in der Lage, hohe Qualität und Empfangsstabilität zu liefern. Neben Mono und Stereo wird auch Surround Sound ermöglicht.

Guckt man genauer hin, wird jedoch deutlich: DAB+ kann nicht nur besser, sondern auch schlechter klingen als UKW und beides kann wirtschaftlich sinnvoll sein. Denn DAB+ ist wesentlich flexibler und dies eröffnet für die Klangqualität eine große Bandbreite.

UKW: Ein analoges Übertragungsverfahren ohne Schutz gegen Störungen

Blickt man auf die 1950er Jahre und die Einführung von UKW zurück, so war die Situation der DAB+-Einführung von heute durchaus ähnlich. UKW (Ultrakurzwelle) wird auch nach der Modulationsart als Frequenzmodulation (FM) bezeichnet. Diese ist der noch älteren Amplitudenmodulation (AM) bei der Klangqualität und der Empfangsstabilität deutlich überlegen und ermöglichte erstmals die Übertragung von Stereosignalen. AM war in Deutschland eher unter den Abkürzungen der genutzten Frequenzbänder MW (Mittelwelle), LW (Langwelle) und KW (Kurzwelle) bekannt.

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In den 1980er Jahren wurde UKW durch das Radio Data System (RDS) ergänzt, das die Übertragung einer kleinen Menge digitaler Informationen neben dem weiterhin analogen Audiosignal ermöglicht. RDS wird für Programmnamen und die Signale von Verkehrsdurchsagen genutzt und, um per TMC (Traffic Message Channel) Navigationssysteme mit Verkehrsinformationen zu speisen.

Auch mit RDS bleibt UKW aber ein störanfälliges Übertragungsverfahren, das insbesondere mit Mehrwegeempfang und Interferenzen zu kämpfen hat. Das Phänomen, dass man an manchen Positionen einen sehr schlechten Radioempfang hat, an eng benachbarten Positionen aber einen fast störungsfreien Empfang, kennt fast jeder Radiohörer. Die Radiosignale werden an Objekten wie Häuserwenden reflektiert und erreichen den Empfänger auf mehreren Wegen mit abweichender Laufzeit. Je nach Phasenverschiebung der Wellen kommt es zu destruktiven oder konstruktiven Interferenzen, die den Empfang verschlechtern oder verbessern.

Würden zwei UKW-Sender im selben Gebiet auf der gleichen Frequenz senden, würden sie gegenseitig ihre Signale stören, weshalb für UKW-Sendernetze viele verschiedene Frequenzen benötigt werden. Und genau hier unterscheidet sich DAB+ grundlegend von UKW, denn der Mehrwegeempfang wurde bereits in das Grunddesign der Übertragung eingearbeitet und wird bewusst genutzt.

DAB+: Technik mit eingebautem Mehrwegeempfang

DAB+ wird in Gleichwellennetzen ausgesendet. Alle Sender eines Sendernetzes nutzen dann die gleiche Frequenz. Das funktioniert sowohl regional als auch quer durch Deutschland. Das Gleichwellenkonzept basiert darauf, statt einer einzelnen Trägerfrequenz ein ganzes Paket an Einzelträgern mit minimal unterschiedlichen Frequenzen durch jeden Sender ausstrahlen zu lassen. Man spricht hier auch von Frequenz-Diversität (Frequency Diversity).

Da sich die Wellenlängen jedes einzelnen Trägers damit leicht unterscheiden, ist auch die Phasenverschiebung bei Interferenzen leicht unterschiedlich, so dass es bei Interferenzen sowohl zu destruktiven als auch zu konstruktiven Interferenzen kommt und ein Teil der Signale damit in jedem Fall empfangbar bleibt. Man verteilt die zu übertragende Information redundant auf Einzelträger und stellt sicher, dass auch bei Interferenzen die Information weiterhin beim Empfänger ankommt. Der englische Fachbegriff dazu ist Single Frequency Network (SFN).

Mit Hilfe von Mathematik lassen sich also die Ausfälle bei destruktiver Interferenz auf manchen Trägern, durch die zusätzlichen Informationen auf anderen Trägern mit konstruktiver Interferenz ausgleichen.

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In der Häuserschlucht ist DAB+ im deutlichen Vorteil 
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radneuerfinder 19. Feb 2022

Mathias Küfner schreibt: "Ab dem Orientierungswert von etwa 64 kbit/s geht man von einer...

thecrew 17. Feb 2022

96kbit mit nem modernem codec wie ogg, kannste eher mit einer 192 kbit mp3 vergleichen...

/mecki78 16. Feb 2022

AAC ist auch OSS. Die AAC Implementierung vom Fraunhofer Institut liegt genauso im...

TheWesleyCrushers 16. Feb 2022

Es geht hier um was anderes. Das was du hörst, ist die Kompression, die hier niemand...



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