• IT-Karriere:
  • Services:

Forschung und Verteidigung: zwei ganz unterschiedliche Perspektiven

Zwischen wissenschaftlichen Projekten und Behördenvorgängen liegen allerdings oftmals Welten, nicht zuletzt aufgrund der Zugriffsmöglichkeiten, die ausschließlich Staatsorgane haben. Das Live-Mithören einer VoIP-Telco, das Mitlesen eines Chats von Schmugglern in einem gerade stattfindenden Onlinespiel oder eine Funkzellenauswertung - das sind Analysemöglichkeiten, die Forschern kaum zur Verfügung stehen, meistens sogar nicht einmal als Beobachter innerhalb einer Behörde.

Stellenmarkt
  1. Evotec SE, Hamburg
  2. Leopold Kostal GmbH & Co. KG, Lüdenscheid

Deshalb müssen sie sich in solchen Fällen oftmals auf retrograde Alternativen wie die Analyse von Gerichts- unde freigegebenen Fallakten oder Interviews mit den Tätern konzentrieren, um festzustellen, welche Rolle das Internet bei der Radikalisierung gespielt hat. Dass es hier zu entsprechenden Informationsverlusten kommen kann, die auch die wissenschaftliche Analyse entsprechend beeinflussen, ist naheliegend.

Die Wissenschaft stößt allerdings nicht nur an rechtliche und methodische, sondern sehr oft auch an ethische Grenzen. Aus polizeilicher Sicht ist ein Lauschangriff nicht verwerflich, sondern notwendig und auch unumstritten, da parlamentarisch legitimiert und in Gesetzesform festgehalten. Auf wissenschaftlicher Ebene sieht das jedoch ganz anders aus. Wenn man beispielsweise in einem öffentlichen Chat eine Sollbruchstelle entdeckt, an der man intervenieren und die Diskussion ins Positive, also in eine demokratische Richtung, drehen könnte, beispielsweise auch, um beim polizeilichen Pendant zu bleiben, zwecks Verhinderung einer Straftat, stellt sich schnell die Frage: Ist solches Social Engineering überhaupt vertretbar?

Wissenschaftler diskutieren, Behörden schaffen Fakten

Doch während Wissenschaftler weltweit intensiv über eine Cyber(forschungs)ethik diskutieren und sich an der Vielfalt des Internet of Everything und seinen zahllosen Verwebungen abarbeiten, schaffen Behörden in manchen Ländern knallharte Fakten: In China arbeiten angeblich zwei Millionen Analysten am Public Opinion Policing, eine für europäische Verhältnisse ungeheure Einmischung in die Meinungsfreiheit.

In Europa wird hingegen die Stärkung der Zivilgesellschaft bevorzugt, auch im Bereich Social Media: Wissenschaftler und Praktiker, beispielsweise aus der Aussteigerhilfe, empfehlen häufig, sich die Netzwerke so zunutze machen, wie es die Extremisten tun. Aktiv werden sollen also die Bürgerinnen und Bürger. Die Wissenschaft soll diese inhaltlich unterstützen, und Behörden sollen nur als letzte Instanz tätig werden und auch nur mit Maßnahmen, die ihnen allein aufgrund der rechtlichen Lage zur Verfügung stehen, also in Form von Datenlöschungen (wie im bereits erwähnten Falle der Radikal) und Strafverfolgungen.

Wo beginnt die Meinungsfreiheit?

Denn wo Meinungsfreiheit anfängt und ab wann man eingreifen kann oder sogar muss, um Hass kein Forum zu bieten, ist eine hochgradig sensible und zugleich stark umstrittene Frage. Etliche Forscher diskutieren beispielsweise anhand der Repräsentation von Extremismus in den klassischen Medien, wo hier eventuell Grenzen zu ziehen sind.

In den deutschen Medien war dies in der jüngsten Vergangenheit an der Diskussion über die Präsentation des Enthauptungsvideos von James Foley zu beobachten. Darf man ein solches Video zeigen? Oder muss man hier bildtechnisch eingreifen? Reicht ein Kommentar anstelle des Videos, vielleicht zusammen mit einem Screenshot und Verpixelung des Opfers vor seiner Enthauptung? Oder hat dies alles ohnehin keinen Zweck, da jedermann das Video innerhalb weniger Minuten online finden kann, ungeschnitten und unkommentiert? Wo beginnt das legitime Interesse der Öffentlichkeit und ab wann fördert man nur die Propaganda der Extremisten?

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Professionalisierung der NetzpropagandaBisher war alles erfolglos 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 11,99€
  2. für PC, PS4/PS5, Xbox und Switch
  3. 4,99€

Anonymer Nutzer 30. Sep 2014

Lesenswert dazu http://www.washingtonpost.com/opinions/why-do-we-ignore-the-civilians...

Anonymer Nutzer 30. Sep 2014

An Deinem Argument ist was dran :)

cry88 29. Sep 2014

Oder einfach mit Flüchtlingen reden ... Ja, das ist echt und nein, in Echt ist es noch...

Paykz0r 27. Sep 2014

Ein etwas weitreicherenden Bericht hätte ich mir gewünscht. Wie schauts bsw. mit die von...

tKahner 27. Sep 2014

JEHOVA


Folgen Sie uns
       


Warum Intels erste CPU nicht Intel gehörte - (Golem Geschichte)

Intel leistete in den 70ern Pionierarbeit und wäre dennoch fast gescheitert. Denn ihren bahnbrechenden 4-Bit-Mikroprozessor wurden sie erst gar nicht los.

Warum Intels erste CPU nicht Intel gehörte - (Golem Geschichte) Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /