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Radian One: Revolutionäres Spaceshuttle einer neuen Generation?

Die Raumfahrtfirma Radian konnte sich einen Millionenbetrag für die Entwicklung ihres Raumgleiters sichern. Dieser soll horizontal starten.
/ Patrick Klapetz
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Eine künstlerische Darstellung des vollständig wiederverwendbaren, horizontal startenden und landenden einstufigen Raumflugzeugs von Radian Aerospace, das die Erde überfliegt (Bild: Radian Aerospace)
Eine künstlerische Darstellung des vollständig wiederverwendbaren, horizontal startenden und landenden einstufigen Raumflugzeugs von Radian Aerospace, das die Erde überfliegt Bild: Radian Aerospace

Einige Unternehmen arbeiten an neuen und kleineren Ausführungen des Spaceshuttles, die in Zukunft Fracht und Menschen ins Weltall transportieren sollen. Das private amerikanische Startup Radian Aerospace(öffnet im neuen Fenster) gehört ebenfalls dazu und will seinen Raumgleiter Radian One sogar horizontal ins Weltall aufsteigen lassen.

Bisher sind nur drei Typen von Raumflugzeugen erfolgreich in den Weltraum geflogen: die Spaceshuttles der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, das sowjetische Buran-Raumflugzeug sowie der X-37B von Boeing . Sie alle wurden jedoch mit Raketen und somit senkrecht ins All befördert.

Für das neue ehrgeizige Projekt konnte sich das Startup in einer kürzlichen Finanzierungsrunde knapp 25 Millionen Euro (27,5 Millionen US-Dollar) durch verschiedene Investoren sichern. Dies teilte das Radian Aerospace am 19. Januar 2022 via Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) mit. Bisher hat das Startup bereits knapp 30 Millionen Euro(öffnet im neuen Fenster) eingenommen.

Das Konzept von Radian

Radian One soll das erste bemannte einstufige Raumfahrzeug der Welt werden, das über eine Start- und Landebahn wie ein Flugzeug in die Lüfte steigen und auf ihr wieder landen soll. Dafür soll ein raketengetriebener Schlitten es auf einer Startbahn beschleunigen, bevor sich das Radian One abkoppelt und abhebt. Durch dieses Verfahren muss der Raumgleiter keinen an Bord befindlichen Treibstoff verbrauchen.

Einmal in der Luft angekommen, soll das Triebwerk zünden und das Raumflugzeug in eine niedrige Erdumlaufbahn (LEO) befördern. Dort soll es bis zu fünf Tage operieren können, bevor es zurück zur Erde muss. Der Raumgleiter soll Platz für fünf Besatzungsmitglieder bieten und Fracht mit einem Gesamtgewicht von rund 2.250 kg in den Orbit bringen können.

Für die Landung benötigt der Raumgleiter eine circa 3 km lange Landebahn. Die Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens (FRA)(öffnet im neuen Fenster) beträgt beispielsweise 2,8 km Länge und die der Nordsüd-Start- und Landebahnen misst 4 km Länge. Somit wäre das Radion One nicht auf abgelegene Orte wie Landeplattformen im Ozean oder Wüsten angewiesen – anders als beispielsweise die Erststufen von wiederverwendbaren Raketen. Außerdem soll es 48 Stunden nach der Landung wieder einsatzfähig sein – zumindest verspricht das Startup dies.

Erste Tests abgeschlossen und ein langer Weg steht noch bevor

Ein erstes "vollwertiges" Triebwerk habe das Startup laut seinem CEO Richard Humphrey bereits gebaut und getestet. Laut der Pressemitteilung hat das Unternehmen auch Startdienstvereinbarungen mit Herstellern von Raumfahrtprodukten, Satelliten und Frachtunternehmen sowie Vereinbarungen mit der US-Regierung und ausgewählten ausländischen Regierungen getroffen. Vereinbarungen mit kommerziellen Raumstationen wurden ebenfalls getroffen, wobei diese erst noch gebaut werden müssen.

Um tatsächlich in den Orbit aufzubrechen, braucht das Unternehmen jedoch viel mehr Geld und weitere Entwicklungsarbeit. Falls dem Unternehmen dieses Unterfangen gelingt, könnte es Fracht und Menschen kostengünstig und mit einer hohen Startrate in den Orbit bringen – einfach wird das nicht.

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Bis 2030 möchte die Nasa zudem den Ausbau von kommerziellen Raumstationen im niedrigen Erdorbit voranbringen. Unternehmen wie Radian oder die Sierra Nevada Corporation mit ihrem Raumgleiter Dream Chase könnten die nötige Besatzung und Fracht zu diesen Stationen bringen. Der erste unbemannte Flug zur Internationalen Raumstation ISS soll das Dream-Chaser -Raumflugzeug noch im Jahr 2022 vollbringen. Im Gegensatz zum Radian One wird der Dream Chaser aber senkrecht mit einer Rakete ins All befördert.

Der Raumgleiter Radian One soll vor Ende der 2020er Jahre einsatzbereit sein, erklärte Humphrey der Nachrichtenseite Ars Technica. Eine Sache sei dabei nicht wichtig, so der CEO: "Wir konzentrieren uns nicht auf den Tourismus, sondern auf Missionen, die das Leben auf unserem eigenen Planeten verbessern." Dazu gehören beispielsweise Forschungen, Erdbeobachtung und die zukünftige Produktion von Gütern im Weltraum. Bis dahin muss der Raumgleiter erst einmal abheben.


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