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Radeon RX 7900 Vergleichstest: Lohnen sich Grafikkarten mit Riesen-Kühler?

Vier Slots und drei 8-Pin-Stromstecker für die gleiche GPU ? Wir schauen uns an, ob die großen Kühler das Versprechen von mehr Laufruhe und Performance auch halten.
/ Martin Böckmann
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Statt einer Dual-Slot-Grafikkarte doch lieber eine 3,5-Slot-Karte mit drei 8-Pin-Anschlüssen? Das kann sinnvoll sein, muss es aber nicht. (Bild: Martin Böckmann/Golem.de)
Statt einer Dual-Slot-Grafikkarte doch lieber eine 3,5-Slot-Karte mit drei 8-Pin-Anschlüssen? Das kann sinnvoll sein, muss es aber nicht. Bild: Martin Böckmann/Golem.de

Zur Vorstellung neuer Grafikkarten liefern Hersteller wie AMD, Intel und Nvidia zu den meisten Modellen auch selbst produzierte Editionen. Ehemals schlicht als Referenzmodell bezeichnet, hat es sich mittlerweile etabliert, etwas höherwertige Karten zu produzieren, um den Anspruch der Marke nach außen zu kommunizieren. Wir testen, ob die meistens etwas teureren Partnerkarten für den Preis auch einen Mehrwert liefern.

Das Design der Grafikkarten hat sich in den letzten zwei Generationen deutlich geändert. Fast alle Modelle sind viel größer geworden, besonders in der Nvidia-Ada-Reihe gibt es diverse Monster-Karten, die den ein oder anderen Kunden zu einem neuen Gehäuse zwingen würden. Während bei Nvidia auch die Founders Edition mitgewachsen ist, hat AMD sich bewusst für hohe Kompatibilität entschieden. Die Boardpartner folgen hingegen dem Trend zu ausladenden Kühlerdesigns.

Wir testen die Referenzmodelle der AMD Radeon RX 7900 XT und XTX gegen drei Herstellermodelle. Wir schauen uns dabei vor allem an, ob die Partnermodelle wirklich hörbar leiser sind, und probieren aus, ob es auch einen Leistungsvorteil gibt. Als Vergleich zur AMD Edition haben wir eine Sapphire Nitro+ Radeon RX 7900 XTX(öffnet im neuen Fenster) erhalten, sie kostet rund 100 Euro mehr als das AMD-Design. Ebenfalls von Sapphire haben wir die Radeon RX 7900 XT Pulse(öffnet im neuen Fenster) erhalten, welche mit rund 850 Euro nicht teurer ist, als Grafikkarten im AMD Referenzdesign. Als Premium-Karte testen wir in diesem Fall die Asus Tuf RX 7900 XT(öffnet im neuen Fenster) , sie kostet mit Preisen um 950 Euro rund 100 Euro mehr als die beiden anderen GPUs.

Bis zu vier Slots werden durch die großen GPUs blockiert

Schon bei der Gegenüberstellung ist klar: Die teureren Premium-Grafikkarten haben größere Kühlkörper und einen größeren Abstand zwischen den einzelnen Finnen als die AMD-Editionen, es braucht also weniger statischen Druck, um Luft hindurchzubewegen. Beide GPUs haben außerdem RGB-Beleuchtung verbaut, die sich per mitgelieferter Software steuern lässt. Zudem sind per kleinem Schalter an der Oberseite mehrere Bios-Versionen wählbar. Die Asus Tuf Radeon RX 7900 XT erlaubt im Performance BIOS 330 Watt Leistungsaufnahme, per OC sogar bis zu 380 Watt. Sapphires Nitro+ RX 7900 XTX geht einen Schritt weiter, im OC-Bios sind standardmäßig 400 Watt freigegeben, per Software maximal 460 Watt.

Die Sapphire Radeon RX 7900 XT Pulse ist sowohl Preislich als auch bei der Ausstattung nahe an der AMD Edition. Der Kühler ist etwas größer, ansonsten ist das Design eher unauffällig. Mehrere Bios-Modi gibt es nicht zu Auswahl. Die Grafikkarte erlaubt jeweils 10 Watt mehr als die AMD Edition. Die Benchmarks zeigen allerdings, dass das ein Schritt in die falsche Richtung war.

Lautstärke und Performance-Vergleich

Um zu sehen, wie gut die Kühler sind, testen wir die Karten im vom Hersteller vorausgewählten Bios und bei 115 Prozent Powertarget über 30 Minuten mit Furmark. Dann notieren wir uns jeweils die Maximaltemperatur und das Betriebsgeräusch der Grafikkarte aus 20 cm Entfernung. Mit der bereits aufgewärmten GPU führen wir anschließend die restlichen Tests durch.

Die absoluten Lautstärke-Messwerte sind für einen Vergleich durch weitere im Raum laufende Geräte nicht gut geeignet, für einen Vergleich untereinander eignen sie sich aber dennoch. Unter den Radeon RX-7900-XTX-Modellen entscheidet die Sapphire-Karte diesen Vergleich klar für sich. Nicht nur ist sie bedeutend leiser, das Lüftergeräusch beschränkt sich eher auf das Luftrauschen, während die AMD-Karte auch ein Surren der Motoren von sich gibt.

Bei der Radeon RX 7900 XT ist die Asus-Karte leiser, durch die geringere Leistungsaufnahme arbeiten ohnehin alle drei Modelle ruhiger als die größeren XTX-GPUs. Besonders die niedrigere Hotspot-Temperatur der Asus Tuf sowie Sapphire Nitro+ wird Overclocker gefallen. Praktischerweise liefern die Karten bereits ein Profil mit Werks-OC mit, was einen Teil der Arbeit abnimmt.

Großer Unterschied im OC-Profil

Im Gaming-Benchmark zeigen sich deutlichere Unterschiede, als wir erwartet hätten. Wir haben uns die Performance in 3DMark Timespy Extreme und in Hunt: Showdown mit maximalen Details in 4K-Auflösung angesehen. Während die AMD Radeon RX 7900 XTX es mit Standardeinstellungen dauerhaft auf knapp 2.400 MHz schafft, liegt die Sapphire-Karte mit 2.500 MHz nur knapp darüber. 106 statt 103-Fps sind das Resultat.

Deutlicher wird der Unterschied, wenn wir den Karten mit maximalem Powertarget freien Lauf lassen. Während das AMD-Referenzmodell mit 2.500 MHz nur unwesentlich schneller wird und durch die Kühler stark eingeschränkt wird, schafft die Sapphire RX 7900 XTX über 2.850 MHz, wohlgemerkt ohne Änderung der Taktkurve. Im Spiel bringt dies 117 fps gegenüber 106 als Ausgangswert, also eine Verbesserung um 10,4 Prozent. Bei gleichzeitig niedrigerem Betriebsgeräusch.

Für alle GPUs lässt sich sagen, dass im OC-Bios zusätzliche Performance durch höhere Leistungsaufnahme erkauft wird. Bei den beiden gut ausgestatteten OC-Grafikkarten auch erfolgreich, während die günstigere Sapphire Radeon RX 7900 XT Pulse trotz 10 Watt mehr Leistungsaufnahme im Rahmen der Messtoleranz liegt. Die größeren Kühler schaffen es aber bei allen drei Karten, Temperatur und die Lautstärke unter den Werten der AMD-Editionen zu halten. Wer per Undervolting die Leistungsaufnahme reduzieren will, kann die Kaufentscheidung vor allem vom Preis abhängig machen. Mehrleistung durch OC-Modelle gibt es dann nicht.

Fazit – Es gibt auch Gründe für Referenzkarten

Kombiniert mit der geringeren Lautstärke finden wir, dass der Unterschied durchaus einen Blick auf Partnermodelle rechtfertigt, obwohl man für die bessere Leistung auch zur Kasse gebeten wird. Der höhere Performance-Unterschied im OC-Modus bestätigt außerdem die Aussagen der Hersteller, dass die größeren Kühler besser für Übertaktungsversuche geeignet sind.

Bei einer Custom-Wasserkühlung ist das nicht so klar. Im Gegenteil kann es für Käufer sogar hilfreich sein, ganz bewusst ein Modell vom GPU-Hersteller selbst zu wählen, da es praktisch immer kompatible Wasserkühler für diese Modelle gibt. Die gibt es für andere Hersteller nur teilweise und meistens auch mit etwas Verzögerung. Da die Temperaturen in diesem Fall ohnehin identisch sind, kann man mit etwas Pech durch Fertigungstoleranzen am GPU-Chip selbst am Ende nicht vorherbestimmen, welche GPU besser übertaktbar ist.

Auch ein wichtiges Kaufkriterium sind die Garantiebedingungen der Hersteller sowie eventuelle Soforttauschprogramme der Händler im Rahmen der Gewährleistung. Kein Nutzer möchte lange ohne seine GPU auskommen müssen, falls diese einmal einen Defekt erleidet. Neben großen Kühlern sollte man daher genauso darauf achten, wie lange man im Schadensfall ohne GPU auskommen muss und sich entsprechende Bewertungen zu Garantiefällen vorher ansehen.

Fazit

High-End-Grafikkarten mit mehr als 300 Watt Verlustleistung brauchen starke Kühler, um die Wärme abzuführen. Wer ausreichend Platz im Gehäuse hat, sollte diesen auch nutzen und zu einer Grafikkarte mit großem Kühler greifen. Da der Unterschied aber insbesondere mit Standardeinstellungen nicht riesig ist, haben in engeren Gehäusen und SFF-Builds auch die Modelle der GPU-Hersteller ihre Daseinsberechtigung. Für gute Belüftung sollte man in jedem Fall sorgen.


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