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Radeon HD 7770 und 7750 im Test: Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

Nach dem High-End kommt die Mittelklasse – AMD dreht die Regeln der Markteinführung bei Grafikkarten diesmal um. Radeon HD 7770 und 7750 sind stark abgespeckt, aber dennoch attraktiv. Einen kleinen Rekord schafft das größere Modell schon in der Standardeinstellung.
/ Nico Ernst
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Referenzdesign der Radeon HD 7770 (Bild: AMD)
Referenzdesign der Radeon HD 7770 Bild: AMD

Die "1 GHz Edition" stellt die ­Radeon HD 7770 schon im vom Chiphersteller vorgegebenen Referenzdesign dar. Es ist damit die erste Grafikkarte mit diesem vom Hersteller empfohlenen Takt für die GPU. Ebenso wie die noch kleinere ­Radeon HD 7750 für 109 Euro sollen die neuen Karten laut AMD ab sofort verfügbar sein. Auch viele Grafikkartenersteller wollen sie mit eigenen Kühllösungen anbieten. Das Referenzdesign mit nur einem Lüfter bieten nach bisherigem Stand wohl nur ­Club ­3D und Powercolor an.

Wie die beiden High-End-Modelle für über 400 Euro, die Radeon HD 7970 und 7950 , basieren auch die beiden neuen Grafikkarten auf der Architektur Graphics Core Next (GCN) mit 28-Nanometer-Fertigung bei TSMC. Im Vergleich zu früheren Modellen mit einer 7 an zweiter Stelle der Produktbezeichnung hat AMD diesmal aber die GPUs der kleineren Modelle besonders stark beschnitten.

Statt aus 2.048 Rechenwerken wie bei der 7970 (Tahiti XT) besteht die CPU mit dem Codenamen Cape Verde bei der 7770 nur aus 640 Einheiten, und statt 128 Textureinheiten gibt es nur noch 40. Die 7770 ist also, wenn man so will, nicht nur eine "halbe" 7970, sondern nur ein Drittel des High-End-Modells. Dabei erbringt sie aber nicht nur ein Drittel der Leistung.

AMD stellt Radeon HD 7770 GHz und HD 7750 vor
AMD stellt Radeon HD 7770 GHz und HD 7750 vor (03:30)

Das liegt unter anderem am hohen Takt von 1.000 MHz, die 7970 kommt nur auf 925 MHz. Beide Grafikkarten haben aber auch in den Referenzdesigns ein hohes Potenzial für Übertaktungen, die sich dann proportional auswirken: Jeweils rund 20 Prozent mehr GPU-Takt sind nach unseren Erfahrungen meist zu erreichen.

Im folgenden Kurztest überprüfen wir je ein Exemplar der Radeon HD 7770 und 7750 von AMD im Referenzdesign auf unserer Testplattform für Grafikkarten mit einem Core i7-975.

Günstig, aber mit vielen Funktionen

Um die niedrigen Preise zu erreichen, hat AMD nicht nur bei den Grafikprozessoren selbst gespart. Auch die Platinen des Referenzdesigns sind mit nur vier Layern statt sechs bis acht bei High-End-Karten recht einfach gehalten. Das kommt den Kartenherstellern, auch Board-Partner genannt, zugute.

Da die 28-Nanometer-GPUs recht sparsam sind, konnten auch Stromversorgung und Kühlsystem auf das Notwendigste reduziert werden. So kommt die 7770 mit nur einem sechspoligen PCIe-Verbinder aus, die 7750 braucht gar keine eigene Stromversorgung. Sie ist zudem auch nur einen Slot breit, braucht dafür aber zumindest im Referenzdesign einen recht lauten Lüfter. Die 7770 ist auch unter Last leise.

Alle wesentlichen Funktionen der GCN-Grafikkarten sind auch bei den Cape-Verde-Modellen vorhanden. Die volle Zahl der per Eyefinity möglichen sechs Monitore lässt sich jedoch mit den vorliegenden Karten nicht nutzen, die 7770 hat immerhin vier Anschlüsse, die 7750 nur drei. Alle anderen Videofunktionen sind vorhanden.

Die fast vollständige Abschaltung der Karte per Zerocore ist auf beiden Modellen vorhanden, was jedoch beiden fehlt, ist das umschaltbare Bios. Das behält AMD den größeren 7000er Karten vor. Modifizierte Bios-Versionen wie zur Spannungserhöhung scheiden so fürs Tuning aus.

Ein kleiner Blender ist die 7770, denn die Verkleidung ihres Kühlkörpers sieht nur so aus, als würde sie die Karte vollständig kapseln. In Wirklichkeit gibt es an der Rückseite Auslässe, die warme Luft ins Gehäuse befördern. Bei der 7750 ist der Kühlkörper ohnehin an beiden Seiten offen.

Dabei verwundert es umso mehr, dass der Lüfter auf dieser Grafikkarte in der Werkeinstellung stets mit 38 Prozent seiner Maximalgeschwindigkeit dreht und so auch aus geschlossenen Gehäusen herauszuhören ist. Unter Last wird er noch lauter, was diese Karte beispielsweise für Media-Center-PCs disqualifiziert. Mit einem anderen Bios und erst recht den Partnerdesigns kann sich das aber ändern.

Hohes Tempo mit einem Full-HD-Monitor

7.692 Punkte erreichte eine Radeon HD 7970 in unserer Konfiguration mit 3DMark 11 im Performance-Profil, bei der Radeon HD 7770 sind es 3.491 Punkte und damit weniger als die Hälfte. Das deckt sich mit der technischen Ausstattung. Die stark verringerten Rechenwerke wirken sich auch bei Heaven 2.0 mit 1.920 x 1.080 Pixeln aus.

Hier kommt die 7770 auf 33,7 Bilder pro Sekunde, bei der 7970 sind es 86,2 fps – wieder ist die Karte um mehr als die Hälfte langsamer. Die 7750, vor allem durch ihre 32 statt 40 Textureinheiten gegenüber der 7770, kommt in diesem Test nur auf 28,8 Bilder pro Sekunde.

Das relativiert sich bei Spielen mit 1.920 x 1080 Pixeln. Mit Skyrim sind mit vollen Details in der Vorgabe "Sehr Hoch" mit der 7770 noch 38,7 Bilder pro Sekunde zu erreichen, was recht flüssig wirkt. In besonders komplexen Szenen kann aber auch das schon ruckeln. Die 7750 ist mit 32,6 fps nur unwesentlich langsamer – das liegt in diesem Fall nicht alleine an den Rechenwerken.

Skyrim sieht aber bei seinen Vorgaben auch 16fache anisotrope Filterung und 8faches Anti-Aliasing vor – das sollte man AMDs neuen Karten mit aktuellen Spielen nicht zumuten. Beide sind nur mit 1 GByte GDDR5-Speicher bestückt. Die Filterfunktionen brauchen viel Speicher, was besonders bei der 7770 auch 2-GByte-Karten von Board-Partnern interessant macht.

Reduziert man nämlich in unserem Test die Einstellungen von Skyrim auf 4xAA und 8xAF, sind auf beiden Karten Bildraten über 40 fps möglich, je nach Szene und anderen Detaileinstellungen auch mehr. Bei unseren Kollegen von PC Games Hardware(öffnet im neuen Fenster) finden sich Tests mit zahlreichen weiteren Spielen.

Leistungsaufnahme und Lautstärke

Alle Radeon HD 7000 sind auf dem Windows-Desktop gleich sparsam – das zeigte sich auch mit den beiden bisher kleinsten Modellen. Die 7770 und 7750 brauchen auf unserer Testplattform mit dem Core i7-975 und dem energiehungrigen X58-Chipsatz 94 Watt. Auf dem sparsamen Intel-Mainboard (DP67BG, Burrage, mit Core i7-2600) erreichen die Karten Leistungsaufnahmen unter 60 Watt. Alle Werte beziehen sich auf das Gesamtsystem.

Unter Volllast zeigen die neuen Grafikkarten das, was AMD als "Board Power" angibt: Mit Furmark 1.80 kommt die 7770 auf 197 Watt, also gut 100 Watt mehr als in Ruhe. AMD nennt als Board Power 80 Watt, der nur auf maximale Leistungsaufnahme getrimmte Benchmark kitzelt noch 20 Prozent mehr aus der Radeon HD 7770. Beim Spielen ergaben sich für den kompletten Rechner Werte um 170 Watt.

Die Radeon HD 7750 ist nicht nur langsamer, sondern dafür auch sparsamer: Mit Furmark erreicht der PC damit 160 Watt, beim Spielen rund 140 Watt. Der Haken: Zumindest das Testexemplar im Referenzdesign mit Ein-Slot-Kühler ist dabei recht laut, auch schon ohne Last.

Die Radeon HD 7770 gibt dagegen nur ein leises Rauschen von sich, das sich kontinuierlich mit den Anforderungen steigert. Ohne Last ist die Karte – anders als die 7750 – aus einem geschlossenen PC nicht herauszuhören.

Dass alle GCN-Karten von AMD im 2D-Betrieb ähnlich sparsam sind, macht die Entscheidung leichter: Wer viel spielt, kann beruhigt auch zu einem größeren Modell greifen, ohne beim Surfen und anderen Alltagsaufgaben Strom zu verschwenden.

Benutzer von mehreren Monitoren müssen dabei aber jedes Display außer dem ersten mit 15 bis 20 Watt je nach Auflösung bezahlen. Auch die Radeon 7700 sind hier nicht sparsamer als die größeren Versionen.

Fazit

Mit Preisen von nur 159 Euro für die Radeon HD 7770 und 109 Euro für die 7750 – beides sind die Empfehlungen für das Referenzdesign – nimmt AMD die Markteinführung der kleinen Modelle von Nvidias GTX 600 preislich schon vorweg. Höhere Tarife wären auch nicht angebracht, denn klassische 200-Euro-Grafikkarten sind die neuen Modelle nicht. Das sind derzeit vor allem noch die Modelle der Serie Radeon HD 6800, die aber bald durch neue GPU Pitcairn alias Radeon HD 7870 und 7850 abgelöst werden sollen – vermutlich zur Cebit .

Für Spieler, die nicht mit mehr als 1.920 x 1.080 Pixeln arbeiten wollen, sind die neuen Mittelklassegrafikkarten dennoch sinnvoll – aber nur dann, wenn nur eine zur Markteinführung vergleichbare Karte mit einem Alter von rund zwei Jahren ersetzt werden soll. Den angepeilten Nachfolger der erfolgreichen Radeon HD 5770 stellt die 7770 durchaus dar.

Das gilt nicht ganz für die 7750. Für 109 Euro gibt es zwar kaum eine schnellere Grafikkarte, die Sparmaßnahmen sind bei diesem Modell aber so stark ausgefallen, dass man bei Full-HD Details reduzieren oder Filterfunktionen ganz abschalten muss, um akzeptable Bildraten zu erreichen. Zudem ist der Lüfter auf dem Referenzdesign schlicht zu laut.

Die 7770 ist zudem mit ihrem hohen Takt bei noch bestehenden Reserven fürs Übertakten ein bezahlbares Overclocking-Spielzeug. 1.220 MHz erreichte unser Exemplar stabil. Besonders positiv ist, dass AMD alle Funktionen von Eyefinity bis Zerocore auch bei seinen günstigen Modellen beibehalten hat. Für Arbeitsplätze mit mehreren Monitoren, wo nicht gespielt wird, sind damit Versionen der 7750 mit drei Displayausgängen ebenso ein Tipp. Mehr Ports wären möglich, doch leider bietet die noch keiner von AMDs Board-Partnern an.

Nachtrag vom 15. Februar 2012, 12:15 Uhr

Entgegen AMDs Versprechungen sind weder die Radeon HD 7770 noch die 7750 bisher bei deutschen Hardwareversendern verfügbar. Manche Anbieter, wie beispielsweise bei Alternate zu sehen, führen sie noch nicht einmal in ihren Preislisten auf. Eine Anfrage bei AMD zur tatsächlichen Verfügbarkeit ist gestellt.

Nachtrag vom 15. Februar 2012, 18:15 Uhr

Am Nachmittag des Launchtages tauchten beide Modelle nach und nach in Preisvergleichen und auf den Webseiten von Hardwarehändlern auf. Die Versionen im Referenzdesign sind durchweg rund 10 Euro billiger als AMDs Empfehlungen, so dass die Radeon HD 7770 schon unter 150 Euro zu haben ist. Übertaktete Versionen mit mehreren Lüftern kosten bis zu 170 Euro. AMD bestätigte Golem.de, dass die Grafikkarten ab sofort kontinuierlich ausgeliefert werden. Den Händlerangeboten zufolge ist auch die erste Charge noch nicht ausverkauft, wie das bei neuen Grafikkarten häufig vorkommt.


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