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Rad des Schicksals: Indiana Jones und die Rückkehr des Erfolgsrezepts

Im letzten Indiana-Jones-Film mit Harrison Ford besinnt sich Disney auf alte Tugenden – mit Erfolg: Der Film ist ein würdiger Abschluss. Achtung, Spoiler!
/ Tobias Költzsch
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Harrison Ford und Phoebe Waller-Bridge spielen die Hauptrollen in dem neuen Indiana-Jones-Film. (Bild: Lucasfilm/Disney)
Harrison Ford und Phoebe Waller-Bridge spielen die Hauptrollen in dem neuen Indiana-Jones-Film. Bild: Lucasfilm/Disney

Achtung, Spoiler! Wir versuchen zwar, so wenig wie möglich von der konkreten Handlung von Indiana Jones: Das Rad des Schicksals zu verraten, müssen aber einige Details erwähnen. Wer den Film selbst schauen will und nichts vorab erfahren möchte, sollte ab hier nicht mehr weiterlesen!

Die Indiana-Jones-Filme aus den 1980er-Jahren zählen zu den prägendsten Filmreihen der Geschichte. Harrison Ford als Peitsche schwingender Abenteurer mit dem Hang zum Unkonventionellen sorgt immer noch dafür, dass sich erwachsene Menschen in zu enge Khakihemden zwängen und mehrere hundert britische Pfund für einen braunen Hut(öffnet im neuen Fenster) ausgeben.

So auch bei der Deutschlandpremiere des fünften Teils, Indiana Jones und das Rad des Schicksals, in Berlin. Golem.de schaute sich den Film an und hoffte, dass Disney mit dem letzten Teil der Filmreihe mit Harrison Ford ein würdiger Abschluss gelingt. Unsere Hoffnung wurde nicht enttäuscht – Indiana Jones ist in alter Stärke zurück.

Fokus auf altbewährte Elemente

Nach dem für einige Fans eher enttäuschenden vierten Teil mit starkem Fokus auf die 50er-Jahre spielt das Rad des Schicksals im Jahr 1969. Produzentin Kathleen Kennedy und Regisseur James Mangold, der erstmals anstelle von Steven Spielberg die Regie übernahm, setzen allerdings deutlich stärker auf Retro als der Vorgänger: Ein Teil der Handlung spielt in dem von den ersten drei Teilen gewohnten Setting in den 1940er Jahren.

Dabei wurde auf eine durch CGI verjüngte Version von Harrison Ford zurückgegriffen, der mit 80 Jahren ein letztes Mal Indiana Jones mimen wird – weitere Fortsetzungen mit ihm schloss er im Interview vor dem Film aus. Der jüngere Indy wurde allerdings nicht komplett mit dem Computer generiert.

Wie Co-Star Mads Mikkelsen, der den Antagonisten Jürgen Voller hervorragend darstellt, vor der Premiere im Gespräch mit Moderator Steven Gätjen erklärte, spielte Ford auch die Szenen mit dem jüngeren Indy selbst. Lediglich das Gesicht wurde anschließend ausgetauscht – und das sieht in weiten Teilen sehr überzeugend aus. Lediglich am Anfang gibt es kurz einen Uncanny-Valley-Moment, ansonsten macht die Gesichtsverfremdung einen guten Eindruck.

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CGI sinnvoll eingesetzt

Die Macher des Films haben es mit dem Einsatz des jüngeren Indy zudem nicht übertrieben, sondern den Retro-Effekt sinnvoll in die Gesamt-Story eingebaut. In der spielt Harrison Ford einen gealterten Indiana Jones, der nicht so ganz mit den modernen Zeiten klarzukommen scheint und in Teilen eine gescheiterte Existenz lebt. Auch diesen Aspekt übertreiben die Macher nicht, sondern bauen Indys Schwächen gut in die Gesamtstory ein.

Harrison Ford ist fast 81 – Indy auch

Harrison Ford betonte im Interview vor der Premiere, dass er Indiana Jones explizit als alten Mann spielte – das finden wir gelungen, die Einbindung seines Alters in die Gesamtstory ist subtil und sorgt an der einen oder anderen Stelle auch für Lacher. Grundsätzlich ist der Humor im Film sehr gut und wirkt nicht aufgesetzt; den Vibe der alten Filme fangen die Macher gut ein.

Dafür ist in weiten Teilen auch Phoebe Waller-Bridge verantwortlich, die Indiana Jones' Abenteuerpartnerin Helena Shaw spielt. Shaw ist schlagfertig, taff und haut auch gerne mal zu – in gewissen Charakterzügen erkennen wir eine Ähnlichkeit zur Figur der Marion Ravenwood aus Teil 1 und 4, was von den Produzenten durchaus beabsichtigt gewesen sein dürfte. Die Figur sorgt skurrilerweise dafür, dass sich der Film stärker nach den drei ersten Teilen anfühlt als Teil 4, in dem Karen Allen als Ravenwood selbst eine Hauptrolle spielte.

Die Macher von Rad des Schicksals setzen grundsätzlich auf eine Mischung aus Altbewährtem: Nazis, eine Schatzsuche, Nordafrika, der Mittelmeerraum – diese aus den ersten drei Teilen bekannten Aspekte setzen den Rahmen für die Handlung des neuen Films. Anstatt die alten Filme aber lediglich zu kopieren, werden die bekannten Rezepte verwendet, um die Story voranzutreiben. Zwischendrin werden immer wieder Elemente aus den 1960er-Jahren eingestreut, die Mischung finden wir insgesamt unterhaltsam.

Gute Unterhaltung mit Action und ein bisschen Tiefgang

Am Ende ist Rad des Schicksals auch ein Popcorn-Actionfilm – über mitunter wenig realistische Szenen sollten sich Zuschauer genauso wenig aufregen wie bei den Teilen aus den 80ern. Wir finden aber, dass die Actionszenen gut dosiert sind und den Film nicht dominieren; zwischendrin ist immer wieder Zeit für nachdenkliche Momente.

Die stärkere Fokussierung auf das, was vor allem die ersten drei Teile der Indiana-Jones-Serie so erfolgreich machte, dürfte auch bei Rad des Schicksals die Fans überzeugen. Das Publikum im Zoo Palast in Berlin war jedenfalls begeistert: Immer wieder gab es Szenenapplaus, beim Abspann zudem langes Klatschen.

Der Twist am Ende ist angesichts der Story in Grundzügen erwartbar, aber gut gemacht. Das ist vielleicht eine Aussage, die grundsätzlich über den Film gemacht werden kann – "erwartbar, aber gut gemacht" . Das ist absolut positiv gemeint, da es angesichts des Erbes aus den 1980er Jahren sicherlich nicht leicht ist, eine Reihe wie Indiana Jones würdig und auch für hartgesottene Fans zufriedenstellend weiterzuführen – und zu Ende.

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Würdiger Abschluss der Indiana-Jones-Reihe

Und ein würdiger Abschluss der Indiana-Jones Serie ist Rad des Schicksals unserer Meinung nach absolut. Gleichzeitig haben die Macher mit dem guten fünften Teil die Regel etabliert, dass Indiana-Jones-Filme mit ungeraden Nummern die besseren sind. Wer nach dem Königreich der Kristallschädel enttäuscht war, sollte dem neuen Film eine Chance geben – wir glauben, dass er das Zeug dazu hat, für die vorige Enttäuschung entschädigen zu können.

Am Ende konnte uns nicht einmal stören, dass es trotz des deutschen Titels im Film kein einziges Rad gab, außer der Räder an den Autos. Im Original heißt der Film "Dial of Destiny" , und "Scheibe" wäre unserer Meinung nach die bessere Übersetzung gewesen. Indiana Jones und das Rad des Schicksals läuft ab dem 29. Juni 2023 in Deutschland in den Kinos an.


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