Rabatte lenken Einkaufsverhalten: Supermarkt-Apps verleiten zu Zusatzkäufen

Eine aktuelle Studie zu Supermarkt-Apps zeigt, wie sich damit das Einkaufsverhalten der Kundschaft verändert. Ein Großteil der Befragten nutzt bereits Supermarkt-Apps auf dem Smartphone (78 Prozent) und 67 Prozent davon bemerken, dass sie sich zu zusätzlichen Käufen verleiten lassen, um Vergünstigungen zu erhalten. Sie geben damit mehr Geld in den entsprechenden Supermärkten aus.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat die repräsentative Befragung in Auftrag gegeben, um mehr über die Verbreitung und Akzeptanz solcher Apps zu erfahren. 80 Prozent der App-Nutzer stellten fest, dass die Apps ihr bisheriges Kaufverhalten veränderten.
93 Prozent der Befragten haben demnach das Gefühl, dass sie durch die Verwendung von Supermarkt-Apps Geld beim Einkauf sparen. 24 Prozent davon erlebt nach eigenen Angaben eine solche Ersparnis bei jedem Einkauf. Dabei zeigen sich 75 Prozent der Befragten mit den Preisangaben in den Supermarkt-Apps unzufrieden, sie wünschen sich, dass in den Apps auch immer der Grundpreis angegeben wird.
Kunden wissen, dass es um Sammeln von Daten geht
95 Prozent der Kunden mit Supermarkt-Apps ist bewusst, dass sie die Rabatte im Tausch gegen persönliche Daten wie E-Mail-Adresse, Alter und Einkaufsverhalten erhalten.
Wenn keine Supermarkt-App genutzt wird, begründen das 42 Prozent damit, dass sie sich nicht mit den Inhalten einer solchen App befassen wollen. 35 Prozent ist es wichtig, auf alle nicht unbedingt nötigen Apps zu verzichten und 29 Prozent entschieden sich gegen den Einsatz einer solchen App, weil sie keine persönlichen Daten freigeben wollen.
Kritik an Supermarkt-Apps
Verbraucherschützer sehen den Einsatz von Supermarkt-Apps kritisch. Die Verbraucherzentrale fordert, dass Daten der Nutzer nicht zu Werbeprofilen zusammengefasst werden dürfen. Zudem soll der Einsatz manipulativer Designs verboten werden, die Menschen dazu verleiten, möglichst viel Zeit in der App zu verbringen oder mehr Geld auszugeben.
"Supermarkt-Apps ermöglichen Zugang zu Rabatten und Bonusaktionen. Gleichzeitig sollen die Apps Verbraucherinnen und Verbraucher noch näher an die Märkte binden und verleiten dazu, mehr Geld auszugeben" , erklärt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. App-Nutzer gäben persönliche Daten preis. "Supermärkte können so gezielt das Einkaufs- und Ernährungsverhalten beeinflussen. Das sehen wir kritisch."
Nach Auffassung der Verbraucherzentrale sollten Supermärkte ihre Apps so gestalten, dass weder eine verpflichtende Registrierung erforderlich ist noch personenbezogene Daten an Dritte weitergegeben werden. "Rabatte dürfen nicht von der App-Nutzung abhängen. Alle Verbraucherinnen und Verbraucher müssen fairen Zugang zu Angeboten haben – ohne Zwang zur Datenpreisgabe" , meint Pop.
Die repräsentative Onlinebefragung wurde vom 29. Oktober 2025 bis 3. November 2025 von Eye Square im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands(öffnet im neuen Fenster) durchgeführt. Dabei wurden 1.000 Personen ab einem Alter von 16 Jahren befragt. 787 der Befragten setzten bereits Supermarkt-Apps ein.



