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Quilter: KI-Assistent hat Linux-Computer aus zwei Platinen entworfen

Der Entwurf des SBC soll dank KI nur eine statt 13 Wochen gedauert haben. Die KI bedient sich dabei nur der Physik und ersetzt Menschen nicht.
/ Johannes Hiltscher
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Der per KI gelayoutete Linux-Computer (Bild: Quilter)
Der per KI gelayoutete Linux-Computer Bild: Quilter

Wer schon einmal eigene Platinen entworfen hat, weiß: Insbesondere die Verschaltung dauert oft ziemlich lange, und am Ende funktioniert der erste Prototyp aufgrund eines Fehlers doch nicht. Das Start-up Quilter will den Prozess mit KI nicht nur beschleunigen, sondern auch weniger fehleranfällig machen. Gezeigt wird das an einem zweiteiligen Linux-Computer(öffnet im neuen Fenster) (via Tom's Hardware(öffnet im neuen Fenster) ).

Auf der Grundlage von dessen Spezifikation entwarf die von Quilter entwickelte KI ein System on Module (SOM) mit i.MX 8M System-on-Chip (SoC) von NXP, LPDDR4-RAM und eMMC-Modul sowie eine passende Trägerplatine. Auf Letzterer befinden sich mit MIPI DSI/CSI sowie einem M.2-Slot mit PCIe-Anbindung mehrere differenzielle High-Speed-Verbinder. Beide Platinen sind achtlagig. Der Prototyp hat nach Angaben des Start-ups auf Anhieb funktioniert.

Perfekt war das Ergebnis nicht, einige Signale mussten noch manuell geroutet oder angepasst werden. Beim SOM gab der Entwickler der KI zudem Hilfestellung, indem alle Komponenten fest platziert und die Kontakte des SoC bereits teilweise herausgeführt wurden. Insgesamt sei der Arbeitsaufwand mit 38,5 Stunden aber deutlich geringer gewesen als die 428 Stunden, die professionelle Layouter veranschlagten.

Menschen entwickeln und bewerten Design

Quilter sieht seine KI dabei keineswegs als Ersatz für qualifizierte Entwickler: Sie müssen weiterhin die Design-Spezifikation entwickeln, die vorgeschlagenen Entwürfe prüfen und nachbearbeiten.

Denn die KI braucht einen guten Schaltplan(öffnet im neuen Fenster) , um gute Ergebnisse zu erzielen. Bei dem müssen Entwickler teilweise umdenken: So müssen etwa Stützkondensatoren im Schaltplan direkt an den zugehörigen Kontakten des jeweiligen Chips hängen, Leiter mit definierter Impedanz oder High-Speed-Busse mit Netzklassen markiert werden. Komponenten müssen zudem sinnvoll gruppiert, den Gruppen wiederum Bereiche auf der Platine zugewiesen werden.

Anhand des fertigen Schaltplans sowie der Form der Platine entwirft Quilter dann die Schaltung. Dabei werden die Bauteile platziert, sofern der Entwickler das noch nicht getan hat, und mit Leitern verbunden. Wie das funktioniert, hat die KI nach Angaben der Entwickler nicht anhand von Beispielen, also von Menschen entworfenen Platinen, gelernt. Vielmehr entwirft das System, indem es Millionen Varianten durchprobiert und auf ihre physikalischen Eigenschaften untersucht. Die besten Varianten werden dann vorgeschlagen.

Entwickelt über Jahre

Quilter ist kein neues Projekt. Das System wird seit Jahren entwickelt, die Entwickler haben ihre KI dabei mit immer anspruchsvolleren Aufgaben konfrontiert: 2023 ließen sie die KI einen Arduino Uno entwerfen (mit Atmel-Mikrocontroller im DIP-Gehäuse), 2024 eine Platine für einen FPGA und 32 Beschleunigungssensoren. Im Oktober 2025 konnte Quilter im Rahmen einer B-Serie-Finanzierung 25 Millionen US-Dollar einsammeln(öffnet im neuen Fenster) .

Die KI kann über die Homepage von Quilter ausprobiert werden, Privatanwender und Unternehmen mit weniger als 50.000 US-Dollar Umsatz können sie kostenlos nutzen(öffnet im neuen Fenster) .


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