Quibi: Mobile-Streaming-Dienst nach einem halben Jahr dicht

Das Ende von Quibi ist wohl einer der spektakulärsten Fehlschläge des Jahres 2020. Das Experiment hat rund 1,4 Milliarden US-Dollar gekostet.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Quibi beendet seinen Dienst mit massiven Verlusten für die Investoren.
Quibi beendet seinen Dienst mit massiven Verlusten für die Investoren. (Bild: Chris Delmas/AFP via Getty Images)

Der mit Milliarden-Investitionen gestartete Videodienst Quibi gibt nach nur einem halben Jahr auf. Man habe beschlossen, den Betrieb einzustellen und das verbliebene Geld den Investoren zurückzuzahlen, teilten die Gründer Jeffrey Katzenberg und Meg Whitman am Mittwoch, dem 21. Oktober 2020, mit. Quibi war mit dem Versprechen angetreten, Hollywood und neue Technologien aus dem Silicon Valley zusammenzubringen. Katzenberg war einst unter anderem Chef der Disney-Studios, Whitman machte die Handelsplattform Ebay erfolgreich.

Das Konzept bei Quibi war, professionell produzierte Videos in fünf bis zehn Minuten langen Clips ausschließlich für Smartphone-Nutzer zu liefern. Diese sollten sich sowohl horizontal als auch vertikal auf einem Smartphone anschauen lassen. Katzenberg hatte bereits im Mai die Coronakrise für den schwachen Start des Dienstes verantwortlich gemacht - weil die Leute nicht so viel Zeit wie zuvor unterwegs mit ihren Smartphones verbrachten.

1,4 Milliarden US-Dollar ausgegeben

Von den ursprünglich eingesammelten 1,75 Milliarden Dollar seien noch 350 Millionen übrig, die zurückgezahlt würden, berichtete das Wall Street Journal nach einer Telefonkonferenz der Quibi-Spitze mit Investoren. Unter den Geldgebern waren große Hollywood-Unternehmen wie Disney und NBCUniversal.

Katzenberg und Whitman nannten in einem Blogeintrag keine Beträge. Man werde nie mit Sicherheit erfahren, ob die Idee hinter Quibi nicht gut genug gewesen sei oder man den Dienst zum falschen Zeitpunkt gestartet habe, erklärten sie. "Wir vermuten, es war eine Kombination aus beidem."

Die Gründer waren so überzeugt von dem Konzept, dass sie gar keine Möglichkeit einplanten, die Videos auf den Fernseher zu übertragen. Das wurde mit Verspätung nachgeholt. Ebenso verpasste Quibi es zunächst, das Teilen von Links zu Videos oder Ausschnitten im Internet zuzulassen.

Zugleich startete Quibi gegen massive Streamingkonkurrenz - von den großen Anbietern Netflix und Amazon bis hin zu relativ neuen Angeboten von Apple, Disney und TV-Sendern. Für einen Abo-Preis von 4,99 Dollar inklusive Werbung im Monat bot Quibi deutlich weniger als die Rivalen.

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