Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Quellcode: Diablo als teuflische Reverse-Engineering-Herausforderung

Rund 1.200 Stunden hat ein kleines Team dafür benötigt, den Quellcode des ersten Diablo per Reverse Engineering soweit wie möglich wiederherzustellen und zu veröffentlichen. Zum Spielen wird eine Originalversion von Blizzard benötigt.
/ Peter Steinlechner
53 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork von Diablo (1996) (Bild: Blizzard)
Artwork von Diablo (1996) Bild: Blizzard

Rund 1.200 Stunden - das sind 50 Tage am Stück - hat ein kleines Team von Programmierern benötigt, um den Quellcode des 1996 von Blizzard North veröffentlichten Rollenspiel-Klassikers vor allem per Reverse Engineering soweit wie möglich zu rekonstruieren. Den offenbar mit Abstand größten Anteil an der Umsetzung des Projekts namens Devilution hatte ein Entwickler mit dem Pseudonym Galaxyhaxz, ihm standen weitere fünf Helfer zur Seite.

Der Code steht nun auf Github zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit. Zum Spielen ohne Originalversion reichen die Dateien dort auch nach dem Kompilieren nicht aus: Ohne die eigentlichen Inhalte von Diablo - also die Grafiken, Animationen und so weiter - läuft Devilution nicht. Galaxyhaxz schreibt im FAQ(öffnet im neuen Fenster) des Projekts, dass er selbst eine Original-CD von 1996 zum Ausführen des Programms verwendet.

Blizzards Rückblick auf 15 Jahre Diablo
Blizzards Rückblick auf 15 Jahre Diablo (04:02)

In den kommenden Monaten möchte der Programmierer sich weiter mit dem Projekt beschäftigen. Unter anderem will er eine nativ unter Linux ausführbare Version entwickeln und die Benutzerführung modernisieren. Auch ein paar Überraschungen kündigt er an.

Galaxyhaxz schreibt selbst, dass Devilution möglicherweise gegen das Urheberrecht verstößt. Zwar gebe es unter dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) gewisse Freiheiten, wenn es um den Code etwa von Klassikern wie Diablo gehe. Sein Projekt falle da aber in eine Grauzone. "Die eigentliche Frage ist, ob Blizzard es für notwendig hält, etwas zu unternehmen" - also beispielsweise versucht, die Verbreitung des Codes zu unterbinden.

Bislang hat sich das Studio nicht zu Devilution geäußert. Im Normalfall gilt Blizzard als relativ wenig kompromissbereit, wenn es um die Rechte an seinen Klassikern geht - gegen die sogenannten Vanilla-Server von World of Warcraft ist das Studio unter anderem durch seine Anwälte vorgegangen. Bei dem über 20 Jahre alten Quellcode von Diablo sollte das Studio aber eigentlich keine seiner Interessen mehr verletzt sehen können.


Relevante Themen