Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Quantensprung ins Nichts: Warum Quantencomputing-Aktien abstürzen

Aktien von Rigetti und D-Wave sind binnen Wochen um über 34 Prozent eingebrochen. Analysten warnen vor Blasen-Indikatoren – wie bei KI .
/ Michael Linden
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Der Aktienkurs von D-Wave Quantum sieht nicht gut aus. (Bild: Golem)
Der Aktienkurs von D-Wave Quantum sieht nicht gut aus. Bild: Golem

Der jüngste Kursverfall bei Quantencomputing-Aktien wirft Fragen auf. Sowohl Rigetti als auch D-Wave haben innerhalb weniger Wochen mehr als 34 Prozent gegenüber den Höchstständen verloren, die sie letzten Monat erklommen hatten. Solch rasante Kehrtwenden signalisieren häufig das Ende spekulativer Exzesse, wie Bloomberg berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Bruce Cox vom Harrington Alpha Fund nannte Bloomberg klassische Blasen-Indikatoren im Sektor der Quantencomputer-Unternehmen: Demnach erwirtschaften die Unternehmen minimale Umsätze bei Bewertungen, die etablierte Konzerne übersteigen.

Die Kurs-Umsatz-Verhältnisse sprechen eine drastische Sprache. Manche Quanten-Aktien werden mit dem 400- bis 600-fachen des prognostizierten Umsatzes gehandelt. Diese Multiplikatoren übertreffen Niveaus anderer Tech-Blasen deutlich. Selbst die teuersten S&P-500-Aktien durchbrechen selten die 100-fache-Umsatz-Marke.

Privatanleger befeuern die Kursbewegungen. Social-Media-Diskussionen und Momentum-Trading treiben das Handelsvolumen. Dieses Muster erinnert an das Meme-Stock-Phänomen von 2021, als Fundamentaldaten auf einmal nicht mehr wichtig schienen.

Historische Parallelen mahnen zur Vorsicht

Die Quanten-Rally weist Züge eines Spekulationsfiebers auf, das es schon einmal gab. Während der Dotcom-Blase erreichten Internetunternehmen ohne Umsatzperspektive Milliardenbewertungen. Viele kollabierten, als Investoren den Fokus dann doch auf Profitabilität zurückverlegten.

Der Biotech-Sektor bietet einen weiteren Vergleichspunkt. Biotech-Aktien können jahrelang hoch gehandelt werden, bevor Produkte den Markt erreichen. Doch Biotech-Unternehmen haben definierte klinische Studienpläne und regulatorische Pfade. Bei Quantencomputing fehlt diese Struktur.

Zudem verstärkt das aktuelle Marktumfeld die Risiken. Das Zinsniveau auf moderatem Plateau und die Erwartung möglicher weiterer Zinsanstiege verstärken die Risiken für spekulative Wachstumsaktien. Höhere Zinsen entwerten die weit in der Zukunft liegenden Gewinne von Wachstumsaktien durch stärkere Diskontierung, während gleichzeitig sichere Anlagen attraktiver werden und Investoren deshalb höhere Risikoprämien für spekulative Investments fordern.

Katalysatoren für weiteren Verfall

Mehrere Faktoren könnten einen Ausverkauf beschleunigen. Eine breitere Marktkorrektur würde spekulative Titel am härtesten treffen. David Williams von Benchmark warnt im Bloomberg-Bericht vor vermeintlich sicheren Häfen: "Quantencomputing wird einer allgemeinen Marktkorrektur nicht entkommen."

Verfehlte technische Meilensteine der Unternehmen könnten zudem drastische Kursrückgänge auslösen. Wenn führende Unternehmen Entwicklungsziele verfehlen oder Verzögerungen ankündigen, könnte die Anleger-Geduld rasch verdampfen.

Die Konkurrenz durch etablierte Unternehmen birgt ein weiteres Risiko. Unternehmen wie Google, IBM und Microsoft betreiben Quanten-Sparten und investieren viel Geld. Erzielen diese Unternehmen Durchbrüche zuerst, könnten reine Quantencomputing-Aktien ihre hohen Bewertungen über Nacht verlieren.


Relevante Themen