Abo
  • Services:

Quantenschlüsselaustausch: "Meine Forschung ist ein Alptraum für andere"

Er mag seine Privatsphäre und hält deshalb wenig von Geräten, die ihn ausspionieren, aber umso mehr von sicherer Kommunikation: Norbert Lütkenhaus ist Experte für Quantenschlüsselaustausch, ein Verfahren der Quantenkryptographie. Seine Arbeit bereite manchen Leuten Kopfzerbrechen, sagt er. Und das scheint ihm zu gefallen.

Ein Interview von veröffentlicht am
Norbert Lütkenhaus: würde gern durch die Zeit reisen.
Norbert Lütkenhaus: würde gern durch die Zeit reisen. (Bild: University of Waterloo)

Quanten! Quanten! Quanten! Am 23. Juni 2017 geht es auf der Golem.de-Quantenkonferenz um eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der IT. Auf der Konferenz treten führende Quantenforscher aus aller Welt auf. Aber wer sind die Experten? Wir haben nachgefragt. Heute: Norbert Lütkenhaus, der an der Universität in Waterloo in Kanada lehrt und über den Quantenschlüsselaustausch sprechen wird.

Stellenmarkt
  1. amedes Medizinische Dienstleistungen GmbH, Hamburg
  2. Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, Neckarsulm

Golem.de: Wer war der Held Ihrer Kindheit?

Norbert Lütkenhaus: Mit den Helden hatte ich es nicht so. Am ehesten noch Jippy Brown, der Mäusesheriff von Janosch.

Golem.de: Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?

Lütkenhaus: Das ist die Zeitmaschine. So was hätte ich gern.

Golem.de: Auf welches Gadget würden Sie nicht verzichten und warum?

Lütkenhaus: Eigentlich komme ich ganz gut ohne Gadgets aus. Aber so ganz stimmt das nicht: GPS in all seinen Formen macht mein Leben sehr viel einfacher, auch in seiner Vernetzung mit Fahrplänen. Ich würde ohne Smartphone und GPS oft dumm dastehen. Okay: also das Smartphone!

Golem.de: Was lesen Sie privat am liebsten?

Lütkenhaus: Keine Sachbücher. Ich bin immer auf der Suche nach einem guten Buch, das einen in andere Menschen hineinversetzt oder Situationen aus verschiedenen Sichtweisen darstellt. Und ich lese nur gedruckte Bücher, keine E-Reader-Inhalte.

Golem.de: Welchen technischen Trend lehnen Sie ab?

Lütkenhaus: Die Aufgabe der Privatsphäre durch Datensammlung. Ich mag nicht, wenn Browserhistory, das GPS meiner Sportuhr und so weiter miteinander hinter meinem Rücken zu einem Profil zusammengesetzt werden. Lieber zahle ich mehr und meine Daten bleiben meine Daten.

Golem.de: Wie erklären Sie Ihren Großeltern Ihr Forschungsgebiet?

Lütkenhaus: Ein paar Grundkonzepte der Quantenmechanik kann man schon erklären, zum Beispiel dass jede Beobachtung oder Messung den Zustand eines Systems beeinflusst. Und dass Licht, wenn man es hinreichend abschwächt, genau diese Eigenschaft deutlich zeigen kann. Dann hat man eigentlich schon die Grundzüge der Quantenkryptographie erklärt. Und dass man nicht gerne abgehört werden will, erklärt sich von allein.

Golem.de: Was fasziniert Sie am Thema Quantentechnologie?

Lütkenhaus: Die Bandbreite des Themas ist toll. Man kann in einem Moment an sehr fundamentalen Fragestellungen arbeiten, und im nächsten Moment dreht sich das in eine mögliche praktische Anwendung, an der man dann auch selber weiter arbeitet. Es ist alles nah beieinander, einschließlich der experimentellen Realisierung und eben auch der Kommerzialisierung. Man kann sehr breit arbeiten und darf sich auch in andere Disziplinen locken lassen.

Golem.de: Wie lange haben Sie gebraucht, um Quantenphysik zu verstehen?

Lütkenhaus: Das geht ganz schnell, sobald man kapiert, dass man nie irgendetwas wirklich versteht. Was wir Verständnis nennen, ist in Wirklichkeit nur ein Drangewöhnen. Oder haben Sie verstanden, warum ein Stein nach unten fällt? Verständnis bedeutet für mich, dass man eine Intuition entwickelt und qualitative Aussagen machen kann, ohne es durchzurechnen. Quantenmechanik wirft unsere gängige Intuition über den Haufen, aber wenn man einmal die Mathematik verstanden und ein paar Situationen durchgerechnet hat, dann sieht man oft, wie der Hase läuft - auch ohne Rechnung.

Golem.de: Wer war Ihr wichtigster Lehrmeister?

Lütkenhaus: Ich hatte viele gute Lehrmeister. Am meisten geprägt hat mich aber Jürgen Ehlers, bei dem ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. Sein Blick für wesentliche Strukturen erlaubte es ihm, große Zusammenhänge zu sehen und zu lehren. Seine Begeisterung für Physik und für Menschen war sehr einprägend.

Golem.de: Mit welchem beruflichen Erfolg geben Sie am liebsten an?

Lütkenhaus: Angeber gehen mir auf den Geist. Aber stolz darauf, das Gebiet der Quantenkryptographie mitgeprägt zu haben, bin ich schon.

Golem.de: Welchen Misserfolg in Ihrer Forschungsarbeit würden Sie gern vergessen?

Lütkenhaus: Es gibt eigentlich keinen Misserfolg. Auch wenn ein Forschungsprojekt im Sand verläuft, lernt man etwas davon. Wenn man das vergisst, dann wiederholt man das Ganze nur. Peinlich wären nur echte, schwere Fehler in einer Veröffentlichung.

Golem.de: Was wäre für Sie in Bezug auf Ihre Forschung der absolute Alptraum?

Lütkenhaus: Im Moment scheint mir eher, dass meine Forschung der Alptraum für andere Leute ist, weil sie jetzt reagieren müssen. Ansonsten ist vielleicht der Alptraum jedes Forschers, dass sein Forschungsgebiet obsolet wird und von einer treibenden Richtung zu einem Gebiet der Fleißarbeit wird. Da kann ich aber wirklich sehr ruhig schlafen.

Golem.de: Welche Frage beschäftigt Sie derzeit am intensivsten?

Lütkenhaus: Eigentlich zwei Fragen: Wie baue ich die einfachsten Quantenrepeater, mit denen man dann Quantenkommunikation über weite Entfernungen machen kann. Und die Frage, welche Anwendungen Quantenkommunikation außer den kryptographischen noch haben kann.

Golem.de: Werden Quantencomputer endlich die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ermitteln?

Lütkenhaus: Die Antwort ist bekannt, aber vielleicht können wir den Quantencomputer so programmieren, dass er die wirklich richtige Frage für diese Antwort findet.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 4,25€
  2. (2 Monate Sky Ticket für nur 4,99€)

DF 18. Jun 2017

Alpträume sind toll! Albträume eher weniger.

echnaton192 14. Jun 2017

Nein. Der Versuchsaufbau wurde bereits durch die B-Arche zerstört. Die...


Folgen Sie uns
       


The Crew 2 - Fazit

The Crew 2 bietet zum Teil wahnwitzige Neuerungen, stolpert im Test aber trotzdem über alte Fehler.

The Crew 2 - Fazit Video aufrufen
Always Connected PCs im Test: Das kann Windows 10 on Snapdragon
Always Connected PCs im Test
Das kann Windows 10 on Snapdragon

Noch keine Konkurrenz für x86-Notebooks: Die Convertibles mit Snapdragon-Chip und Windows 10 on ARM sind flott, haben LTE integriert und eine extrem lange Akkulaufzeit. Der App- und der Treiber-Support ist im Alltag teils ein Manko, aber nur eins der bisherigen Geräte überzeugt uns.
Ein Test von Marc Sauter und Oliver Nickel

  1. Qualcomm "Wir entwickeln dediziertes Silizium für Laptops"
  2. Windows 10 on ARM Microsoft plant 64-Bit-Support ab Mai 2018
  3. Always Connected PCs Vielversprechender Windows-RT-Nachfolger mit Fragezeichen

Russische Agenten angeklagt: Mit Bitcoin und CCleaner gegen Hillary Clinton
Russische Agenten angeklagt
Mit Bitcoin und CCleaner gegen Hillary Clinton

Die US-Justiz hat zwölf russische Agenten wegen des Hacks im US-Präsidentschaftswahlkampf angeklagt. Die Anklageschrift nennt viele technische Details und erhebt auch Vorwürfe gegen das Enthüllungsportal Wikileaks.

  1. Nach Gipfeltreffen Trump glaubt Putin mehr als US-Geheimdiensten
  2. US Space Force Planlos im Weltraum
  3. Gewalt US-Präsident Trump will Gespräch mit Spielebranche

Segelschiff: Das Vindskip steckt in der Flaute
Segelschiff
Das Vindskip steckt in der Flaute

Hochseeschiffe gelten als große Umweltverschmutzer. Neue saubere Antriebe sind gefragt. Der Norweger Terje Lade hat ein futuristisches Segelschiff entwickelt. Doch solch ein neuartiges Konzept umzusetzen, ist nicht so einfach.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Energy Observer Toyota unterstützt Weltumrundung von Brennstoffzellenschiff
  2. Hyseas III Schottische Werft baut Hochseefähre mit Brennstoffzelle
  3. Kreuzschifffahrt Wie Brennstoffzellen Schiffe sauberer machen

    •  /