Quantenkonferenz: "Captain Picard war der Held meiner Kindheit"

Als Kind bewunderte er Jean-Luc Picard für seine wissenschaftliche Herangehensweise an Probleme, heute arbeitet Christian Seidel selbst an Zukunftstechnologien: Er erforscht Anwendungsmöglichkeiten für Quantencomputer.

Ein Interview von veröffentlicht am
Christian Seidel bewunderte als Kind Jean-Luc Picard.
Christian Seidel bewunderte als Kind Jean-Luc Picard. (Bild: privat)

Quanten! Quanten! Quanten! Am 23. Juni 2017 geht es auf der Golem.de-Quantenkonferenz um eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der IT. Auf der Konferenz treten führende Quantenforscher aus aller Welt auf. Aber wer sind die Experten? Wir haben nachgefragt. Heute: der Computerlinguist Christian Seidel. Im Data Lab der Volkswagen Konzern-IT forscht er an praktischen Anwendungsmöglichkeiten für Quantencomputer. Auf der Konferenz diskutiert er über die Frage, ob Quantencomputer mehr leisten können als Supercomputer.

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Golem.de: Wer war der Held Ihrer Kindheit?

Christian Seidel: Jean-Luc Picard. Ich fand seine wissenschaftliche oder intellektuelle Herangehensweise an die Geschichten, die erzählt wurden, immer toll.

Die Geschichten in Next Generation waren wahnsinnig spannend, es gab unterschiedliche Herausforderungen. Er hat genau gewusst: Hier muss ich mich auf den oder jenen verlassen, hier muss ich mit dem anders reden als mit jemand anderem. Er konnte sich gut auf andere einstellen.

Ich bewundere Literatur und die Raumfahrt

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Golem.de: Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?

Seidel: Das ist eine schwierige Frage. Was ich wirklich zutiefst bewundere, ist literarische Begabung - also wenn jemand aus dem Nichts irgendwelche Fantasiegebilde zaubern und in einer tollen Sprache auf Papier bringen kann. Das finde ich wirklich faszinierend.

Wenn es etwas Technisches sein sollte, würde ich sagen: Raumfahrt generell, und ganz besonders die Apollo-Missionen, der Flug zum Mond. Das war schon irre.

Golem.de: Was lesen Sie privat am liebsten?

Seidel: Ganz unterschiedlich. Jorge Amado lese ich zum Beispiel sehr gern. Wer Südamerika mag, der findet sich in diesen Büchern sehr gut wieder.

Es gibt keinen technischen Trend, den ich ablehne

Golem.de: Auf welches Gadget würden Sie nicht verzichten und warum?

Seidel: Computer und das Smartphone als verlängerter Arm des Computers. Über den Computer ist man mit der Welt verbunden, bekommt Informationen, hat aber auch die Möglichkeit, ihn als Tool zu verwenden, um Neues zu schaffen, ein neues Programm zum Beispiel.

Golem.de: Welchen technischen Trend lehnen Sie ab?

Seidel: Eigentlich keinen. Einen Trend, von dem ich sage, der läuft komplett in die falsche Richtung, sehe ich nicht.

Golem.de: Was fasziniert Sie am Thema Quantentechnologie?

Seidel: Ich arbeite speziell im Bereich Quantencomputer. Ich bin kein Physiker, sondern Computerlinguist. Für mich geht es darum, den Quantencomputer als Werkzeug zu sehen. Oder vielmehr um die Frage: Kann ich ihn überhaupt schon als Tool sehen?

Um die Frage ein bisschen zu präzisieren: Es gab einen Sprung von der Theorie - der Quantencomputer ist ein theoretisches Konzept, das in den 80ern entwickelt wurde - hin zur Umsetzung, also den Quantencomputern, die schon auf dem Markt sind oder aus den Laboren herauskommen. Jetzt herauszufinden: Ist es auch wirklich etwas Neues, etwas Tolles? Das ist das Spannende.

Golem.de: Wie erklären Sie Ihren Großeltern Ihr Forschungsgebiet?

Seidel: Überall fallen ja Daten an, und eine meiner Aufgaben ist die Suche nach neuen oder alternativen Technologien, um mit den Daten besser zu arbeiten, aus den Daten neue Erkenntnisse gewinnen zu können. Und eine dieser brandneuen Technologien ist der Quantencomputer. Und da stellt sich natürlich die Frage: Kann man mit dem etwas besser als mit herkömmlichen?

Golem.de: Wie lange haben Sie gebraucht, um Quantenphysik zu verstehen?

Seidel: Die verstehe ich nicht.

Fortschritt ist Teamarbeit

Golem.de: Wer war Ihr wichtigster Lehrmeister?

Seidel: Da gibt es keine Einzelperson, sondern während meiner Promotionszeit das Team um meinen Doktorvater und die anderen Doktoranden. Jeder hatte zwar sein eigenes Thema. Nichtsdestotrotz war jeder auch am Thema des anderen interessiert. Es herrschte ein reger Austausch. Das war sehr produktiv. Es entstehen neue Ideen. Teamwork war das A und O - das war auch, was ich für später mitgenommen habe. Ich bin deshalb überzeugt: Erfolgreicher Fortschritt funktioniert nur im Team.

Golem.de: Mit welchem beruflichen Erfolg geben Sie am liebsten an?

Seidel: Ich gebe nicht gern an. Ich würde es anders formulieren. Worauf ich ein bisschen stolz bin: Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren im Volkswagen Data Lab und habe diese Einheit von Anfang an mit aufgebaut. Jetzt wird ein zweites Lab in Barcelona eröffnet, das Metropolis Lab - auch da habe ich mitgemacht. Neue Teams, neue Einheiten, die ihre Arbeit aufnehmen - darüber freue ich mich.

Golem.de: Welchen Misserfolg in Ihrer Forschungsarbeit würden Sie gern vergessen?

Seidel: Ich hatte natürlich Misserfolge. Aber ich meine, dass man aus Misserfolgen und Fehlern nur lernen kann - und sollte. Deswegen will ich die eigentlich nicht vergessen.

Golem.de: Was wäre für Sie in Bezug auf Ihre Forschung der absolute Alptraum?

Seidel: Eine schwierige Frage. Vielleicht äußere Umstände, die die Forschung unmöglich machen oder Ähnliches. Im Moment sehe ich da keine Einschränkungen, die so gravierend sind, dass ich von einem Alptraum sprechen müsste.

Golem.de: Welche Frage beschäftigt Sie derzeit am intensivsten?

Seidel: Was gibt es für reale Anwendungen für Quantencomputer? Ein Beispiel: Wir hatten auf der Cebit unser Verkehrsoptimierungsproblem dargestellt, das wir mit einem D-Wave gelöst haben. Das war ein reales Problem, das jeder versteht und das man mit einem Quantencomputer lösen oder zumindest bearbeiten kann.

Golem.de: Werden Quantencomputer endlich die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ermitteln?

Seidel: Ich würde mal sagen: Vielleicht in 7,5 Millionen Jahren. Also jetzt nicht so schnell.

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