Abo
  • IT-Karriere:

Viel mehr als nur ein Marketing-Coup

Quantencomputer sind notorisch empfindliche Geräte. Vor allem die beim Q System One genutzten supraleitenden Transmon-Qubits müssen bei ultratiefen Temperaturen nur 15 millionstel Grad über dem absoluten Nullpunkt gekühlt werden. Kleinste Vibrationen, elektromagnetische Störfelder oder thermische Schwankungen bringen sie aus dem Takt und machen die quantenphysikalischen Rechenvorgänge zunichte. Andere Qubit-Technologien sind zwar im Prinzip robuster als Transmons, lassen sich aber schlechter miteinander verschalten.

Stellenmarkt
  1. Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Düsseldorf
  2. HHK Datentechnik GmbH, Braunschweig

Im Q System One sind mehrere Schichten aus Aluminium und Stahl sowie ein komplexes Kühlsystem und besondere Aufhängungen dafür zuständig, den Transmons angenehme Bedingungen zu verschaffen. Ein durchdachtes Reset-System hilft, Ausfallszeiten von Tagen auf Stunden zu reduzieren. Die Quantencomputer vom Typ Q System One werden nicht mehr in speziellen Laboren stehen müssen, sondern künftig in das Quantencomputer-Zentrum in Poughkeepsie bei New York ziehen, das IBM noch dieses Jahr eröffnen will.

Es ist also weniger das eigentliche Quanten-Engineering, das Q System One interessant macht. Sondern seine Besonderheit liegt vielmehr in der ganz klassischen Ingenieurskunst, eine Maschine zu bauen, die den empfindlichen Quanten im Innern einerseits eine möglichst ungestörte Arbeitsumgebung bietet - und die andererseits im Fall einer nicht allzu seltenen Fehlfunktion die rasche Behebung der Probleme ermöglicht.

Mit diesen Fortschritten ist zwar auch das Q System One noch weit davon entfernt, herkömmlichen Computern den Rang abzulaufen. Aber es zeigt auf, welche Schritte notwendig sind, um Quantencomputer aus den Forschungslaboren heraus an die raue Wirklichkeit zu zerren.

Das Design ist eine Ansage an die Konkurrenz

Und hier spielt auch das auffällige Design eine Rolle, um das sich die Entwickler in den Laboren bislang vermutlich keine allzu großen Gedanken gemacht hatten. Denn bisherigen Quantencomputern sieht man meistens deutlich an, wie sie entstanden sind: Enthusiastische Quantenphysiker, Elektroniker und Ingenieure schrauben ein völlig neuartiges Gerät zusammen, bei dem vorne und hinten Kabel und Leitungen heraushängen. Was das Bastlerherz höher schlagen lässt, verkauft sich aber nicht unbedingt gut im Unternehmensprospekt.

IBM hat deshalb mit den Partnerfirmen Map Project Office und Universal Design Studios zwei Spezialisten für industrielles Design an Bord geholt - sowie mit dem Mailänder Unternehmen Goppion einen Hersteller für ultrasichere Museumsvitrinen, die etwa die Mona Lisa im Louvre oder die Kronjuwelen im Londoner Tower schützen. Das Design des Q System One ist deshalb auch eine Kampfansage an die Konkurrenz: Schaut her, wir betrachten das Quantencomputing nicht länger als interessantes technologisches Forschungsfeld, sondern stecken schon einmal unseren Claim ab.

Für IBM hat das Quantencomputing in der Tat eine besondere Bedeutung. Nach jahrelang verhaltener Entwicklung des Aktienkurses und des Unternehmensumsatzes erhofft sich die Firmenleitung einerseits, hier endlich einmal wieder wie in guten alten Zeiten eine neue technologische Welle von vorne reiten zu können. Und zweitens soll natürlich etwas vom Glanz dieser Zukunftstechnologie auf die anderen Firmenzweige abstrahlen. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse ist IBM schon einmal gewiss, wenn das Unternehmen auf der CES neben dem Q System One auch noch andere Neuigkeiten präsentiert, etwa ein meteorologisches System namens GRAF (Global High-Resolution Atmospheric Forecasting System), das den Radius von Wettervorhersagen verkleinern und dadurch etwa den Flugverkehr sicherer machen soll. Bis das Quantencomputing die Probierphase verlässt und zum Wirtschaftsfaktor wird, wird die Modellbezeichnung von Q System One jedenfalls noch um einige Nummern wachsen.

 Quantencomputer: Eine Hochsicherheitsvitrine mit Quanten-Qualitäten
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 4,99€
  2. 2,49€
  3. 2,49€
  4. 4,99€

MrTridac 11. Jan 2019

Quantencomputer, künstliche Intelligenz und überschall-schnelle unterirdische Züge. Das...

amacati 10. Jan 2019

Jein. Das Problem ist, dass die Fehlerquellen mit jedem weiteren QBit steigen. Es wird...


Folgen Sie uns
       


ANC-Kopfhörer im Lautstärkevergleich

Wir haben Microsofts Surface Headphones und die Jabra Elite 85h bei der ANC-Leistung verglichen. Für einen besseren Vergleich zeigen wir auch die besonders leistungsfähigen ANC-Kopfhörer von Sony und Bose, die WH-1000XM3 und die Quiet Comfort 35 II.

ANC-Kopfhörer im Lautstärkevergleich Video aufrufen
5G-Report: Nicht jedes Land braucht zur Frequenzvergabe Auktionen
5G-Report
Nicht jedes Land braucht zur Frequenzvergabe Auktionen

Die umstrittene Versteigerung von 5G-Frequenzen durch die Bundesnetzagentur ist zu Ende. Die Debatte darüber, wie Funkspektrum verteilt werden soll, geht weiter. Wir haben uns die Praxis in anderen Ländern angeschaut.
Ein Bericht von Stefan Krempl

  1. AT&T Testnutzer in 5G-Netzwerk misst 1,7 GBit/s
  2. Netzausbau Städtebund-Chef will 5G-Antennen auf Kindergärten
  3. SK Telecom Deutsche Telekom will selbst 5G-Ausrüstung entwickeln

Ocean Discovery X Prize: Autonome Fraunhofer-Roboter erforschen die Tiefsee
Ocean Discovery X Prize
Autonome Fraunhofer-Roboter erforschen die Tiefsee

Öffentliche Vergaberichtlinien und agile Arbeitsweise: Die Teilnahme am Ocean Discovery X Prize war nicht einfach für die Forscher des Fraunhofer Instituts IOSB. Deren autonome Tauchroboter zur Tiefseekartierung schafften es unter die besten fünf weltweit.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. JAB Code Bunter Barcode gegen Fälschungen

5G-Auktion: Warum der Preis der 5G-Frequenzen so hoch war
5G-Auktion
Warum der Preis der 5G-Frequenzen so hoch war

Dass die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk teuer wurden, lasten Telekom, Vodafone und Telefónica dem Newcomer United Internet an. Doch dies ist laut dem Netzplaner Kai Seim nicht so gewesen.
Eine Analyse von Achim Sawall

  1. Funklöcher Hohe Bußgelder gegen säumige Mobilfunknetzbetreiber
  2. Bundesnetzagentur 5G-Frequenzauktion erreicht 6,5 Milliarden Euro
  3. 5G-Auktion Etablierte wollen Preis für 1&1 Drillisch hochtreiben

    •  /