Abo
  • Services:

Quantencomputer: Der Wundercomputer, der wohl keiner ist

Sieben Jahre lang haben die Entwickler des D-Wave mit Forschern darüber gestritten, ob sie einen Quantencomputer geschaffen haben. Ein neues Experiment stärkt die Kritiker.

Artikel veröffentlicht am , Haluka Maier-Borst
Zu sehen ist der D-Wave-Prozessor, der angeblich Quanteneffekte ausnutzt.
Zu sehen ist der D-Wave-Prozessor, der angeblich Quanteneffekte ausnutzt. (Bild: D-Wave)

Zukunft oder Gegenwart, Hightech-Sensation oder bloß ein normaler Computer? Dass die Antwort auf diese Frage lange Zeit unklar war, passt gut zum Thema: der Quantencomputer D-Wave.

Stellenmarkt
  1. Harting Electric GmbH & Co. KG, Espelkamp
  2. Dr. Wolfrum Management- und Personalberatung, Düsseldorf

Schließlich soll ein solcher Superrechner genau aus diesem Schweben zwischen den Klarheiten sein unglaubliches Potenzial schöpfen. Doch nun wollen Forscher bewiesen haben, dass D-Wave zwar besser als ein Roastbeef-Sandwich rechnet, nicht aber besser als ein normaler Computer.

Gleichzeitig ja und nein

In der kuriosen Welt der Quanten gilt nicht ja oder nein, an oder aus, 0 oder 1. Stattdessen regiert das Und. Dadurch sollen Quantenrechner alle Möglichkeiten für die Lösung eines Problems gleichzeitig austesten und so deutlich schneller rechnen können, als es ein normaler Computer vermag. So weit die Theorie.

Ob das aber auch in der Praxis funktioniert und vor allem schon jetzt, war stets eine offene Frage. Forscher rund um die Welt bissen und beißen sich die Zähne an der Umsetzung eines Quantencomputers aus. Quantenzustände sind höchst fragil, ein Hauch eines elektromagnetischen Feldes, eine kurze Erschütterung - und weg ist der Zauber der so kraftvollen Gleichzeitigkeit.

2007 tauchten aus dem Nichts die wissenschaftlichen No-Names Eric Ladizinsky und Geordie Rose auf und behaupteten, ihnen sei gelungen, woran viele renommierte Forscher zuvor gescheitert waren. Mit ihrer Firma D-Wave und großem Brimborium präsentierten sie den angeblich ersten Quantencomputer mit 16 Quanten-Bits, sogenannten Qubits, der Öffentlichkeit.

Es folgte ein Streit zwischen den Underdogs, die in D-Wave den Durchbruch sahen, auf der einen Seite und etablierten Wissenschaftlern, die das ganze Projekt für Scharlatanerie hielten, auf der anderen.

Amazon, Google und die CIA als Investor

Das Muster der Debatte war in den letzten sieben Jahren stets das gleiche. Erst veröffentlichten die D-Wave-Forscher Ergebnisse, die die Überlegenheit des Quantencomputers beweisen sollten. Wahlweise 3.600 bis 50.000 Mal schneller als ein herkömmlicher Algorithmus löst D-Wave demnach bestimmte Aufgaben. Dem widersprachen Kritiker wie Matthias Troyer von der ETH Zürich und Umesh Varizani von der University of California Berkeley. Sie erklärten, der Vergleichsmaßstab sei der falsche. Ein besser optimierter Algorithmus sei durchaus in der Lage, die gleiche Leistung abzurufen.

Während der Streit andauerte, kauften sich Google, Amazon und indirekt wohl auch die CIA mehrere der Wundermaschinen für jeweils 10 Millionen US-Dollar, was die Debatte weiter anfachte.

Und nun soll das alles vorbei sein? Was macht das neue Testergebnis, das jetzt im Fachmagazin Science erschienen ist, so besonders? Es sind vor allem die Studienautoren selbst.

Denn das sind sowohl Zweifler wie Troyer als auch D-Wave-Nutzer wie der Google-Forscher Sergei Isakov. Sie haben D-Wave gegen einen nach allen Regeln der Kunst optimierten, "normalen" Algorithmus antreten lassen und fanden keinen Hinweis auf einen Geschwindigkeitsvorteil des vermeintlichen Quantenrechners.

Das ist einigermaßen erstaunlich. Denn die Aufgaben, die sie aussuchten, waren klassische Optimierungsaufgaben, und genau dabei sollte sich die Überlegenheit des Quantencomputers eigentlich zeigen. Zwar lassen die Forscher noch ein kleines Hintertürchen offen: Es könne durchaus sein, dass die Aufgaben unvorteilhaft ausgesucht worden seien oder dass man D-Wave nicht richtig kalibriert habe. Dass ein Google-Forscher seine eigene Maschine falsch einstellt, erscheint allerdings eher unwahrscheinlich.

Sollten nun weitere Folgeversuche das Ergebnis bestätigen, wäre dies wohl das Ende des Quantum-Hypes um D-Wave. Und es wäre der vorläufige Beweis, dass die Technik noch nicht so weit ist, um die Magie der Quantenwelt wirklich beherrschen zu können.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)
  2. (u. a. Logan, John Wick, Alien Covenant, Planet der Affen Survival)

Djinto 25. Jun 2014

Nur mal so mit theoretischem Halbwissen beim gedanklichen Überfliegen: Ein Quant kann...

Apfelbauer 24. Jun 2014

Entzückt präsentieren Bli und Blu ihren frisch installierten QuantenComputer Schwurbel...

andrzejw 23. Jun 2014

Quantum Annealling ist ein Verfahren zum Auffinden des globalen Minimum einer Funktion...

ThadMiller 23. Jun 2014

Doch Sie hatten welche in ihrem Webshop angboten. Allerdings nur für 0.000000034...

nobs 23. Jun 2014

Ob ein Analog-Computer in "Echtzeit" rechnet hängt aber davon ab ob die Aufgabe auch...


Folgen Sie uns
       


Hitman 2 - Fazit

Wer ist Agent 47 - und warum ist er so ein perfekter Auftragskiller? Einer Antwort kommen Spieler auch in Hitman 2 unter Umständen nicht näher, dafür erleben sie mit dem Glatzkopf aber spannend und komplexe Abenteuer in schön gestalteten, sehr aufwendigen Einsätzen.

Hitman 2 - Fazit Video aufrufen
Resident Evil 2 angespielt: Neuer Horror mit altbekannten Helden
Resident Evil 2 angespielt
Neuer Horror mit altbekannten Helden

Eigentlich ein Remake - tatsächlich aber fühlt sich Resident Evil 2 an wie ein neues Spiel: Golem.de hat mit Leon und Claire gegen Zombies und andere Schrecken von Raccoon City gekämpft.
Von Peter Steinlechner

  1. Resident Evil Monster und Mafia werden neu aufgelegt

Drahtlos-Headsets im Test: Ohne Kabel spielt sich's angenehmer
Drahtlos-Headsets im Test
Ohne Kabel spielt sich's angenehmer

Sie nerven und verdrehen sich in den Rollen unseres Stuhls: Kabel sind gerade bei Headsets eine Plage. Doch gibt es so viele Produkte, die darauf verzichten können. Wir testen das Alienware AW988, das Audeze Mobius, das Hyperx Cloud Flight und das Razer Nari Ultimate - und haben einen Favoriten.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Sieben Bluetooth-Ohrstöpsel im Test Jabra zeigt Apple, was den Airpods fehlt
  2. Ticpods Free Airpods-Konkurrenten mit Touchbedienung kosten 80 Euro
  3. Bluetooth-Ohrstöpsel im Vergleichstest Apples Airpods lassen hören und staunen

Google Nachtsicht im Test: Starke Nachtaufnahmen mit dem Pixel
Google Nachtsicht im Test
Starke Nachtaufnahmen mit dem Pixel

Gut einen Monat nach der Vorstellung der neuen Pixel-Smartphones hat Google die Kamerafunktion Nachtsicht vorgestellt. Mit dieser lassen sich tolle Nachtaufnahmen machen, die mit denen von Huaweis Nachtmodus vergleichbar sind - und dessen Qualität bei Selbstporträts deutlich übersteigt.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Pixel 3 Google patcht Probleme mit Speichermanagement
  2. Smartphone Google soll Pixel 3 Lite mit Kopfhörerbuchse planen
  3. Google Dem Pixel 3 XL wächst eine zweite Notch

    •  /