Abo
  • IT-Karriere:

Quantencomputer: Das Ende von RSA und Co.

Quantencomputer könnten heute gängige Verschlüsselungs- und Signaturverfahren brechen. Laut den jüngsten Snowden-Enthüllungen forscht die NSA an derartigen Technologien. Wir haben die wichtigsten Hintergründe zusammengefasst.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Die NSA soll an einem Quantencomputer forschen.
Die NSA soll an einem Quantencomputer forschen. (Bild: Getty Images)

Laut einem Bericht der Washington Post forscht die NSA im Geheimen an der Entwicklung eines Quantencomputers. Das ergab die Auswertung von Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden. Quantencomputer könnten einen Großteil der heute verwendeten Kryptographie brechen, daher sind die Bemühungen der NSA wenig überraschend. Bislang sieht es jedoch so aus, dass der US-Geheimdienst dabei wenig Fortschritte erzielen konnte und nicht mehr erreicht hat als die öffentlich bekannte Wissenschaft.

Was ist ein Quantencomputer und was leistet er?

Abgesehen von einigen Experimenten mit wenigen Bit existieren Quantencomputer bislang nur als theoretisches Modell. Sie nutzen die Gesetze der Quantenmechanik, um bestimmte, sehr spezielle mathematische Berechnungen deutlich schneller durchzuführen. Dazu rechnen Quantencomputer mit sogenannten verschränkten Teilchen. Die Idee, mit Hilfe verschränkter Quantenzustände zu rechnen, geht auf den Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman zurück, der bereits 1982 ein entsprechendes Konzept publizierte.

Für die Kryptographie sind Quantencomputer vor allem deswegen interessant, weil sie die mathematischen Probleme, die hinter den wichtigsten Public-Key-Verfahren stehen, deutlich schneller lösen können. Peter Shor konnte 1994 zeigen, dass die Faktorisierung großer Zahlen und das diskrete Logarithmusproblem mit einem Quantencomputer effizient berechnet werden können. Später konnte auch gezeigt werden, dass dasselbe für das diskrete Logarithmusproblem in elliptischen Kurven gilt.

Welche kryptographischen Verfahren sind betroffen?

Der Algorithmus von Shor gefährdet die Sicherheit praktisch aller heute verwendeten Public-Key-Verfahren für Verschlüsselung und digitale Signaturen, also solche Verfahren, die mit einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel arbeiten. Auch Schlüsselaustauschverfahren sind betroffen. Durch Quantencomputer gefährdet sind das RSA-Verfahren, das ElGamal-Verfahren und damit auch DSA, der Diffie-Helmann-Schlüsselaustausch und sämtliche Verfahren auf Basis elliptischer Kurven.

Stellenmarkt
  1. Rems-Murr-Kliniken gGmbH, Winnenden, Schorndorf
  2. Vodafone GmbH, Düsseldorf

Von Shors Algorithmus nicht betroffen sind symmetrische Verfahren wie AES und Hash-Funktionen. Allerdings gibt es den Quantenalgorithmus von Grover, mit dem sich - theoretisch - die Komplexität eines Angriffs bei symmetrischen Verfahren auf die Quadratwurzel reduzieren lässt. Konkret würde das etwa bedeuten, dass eine Verschlüsselung mit 256 Bit nur noch eine Stärke von 128 Bit hat. Damit könnte man annehmen, dass ein Verfahren mit 128 Bit gefährdet ist, denn es hätte nur noch eine Sicherheit von 64 Bit. 64 Bit ist im Bereich dessen, was sich schon heute - genügend Geld und Ressourcen vorausgesetzt - mit klassischen Computern angreifen lässt. Allerdings: Hierfür bräuchte man massiv parallel arbeitende Spezialhardware in großer Zahl. Selbst wenn es Quantencomputer irgendwann geben sollte, ist ein Angriff auf ein derartiges Problem immer noch unwahrscheinlich, denn man bräuchte nicht nur einen Quantencomputer, man bräuchte sehr viele davon.

Verschlüsselungsverfahren mit 256 Bit und Hash-Verfahren mit 512 Bit sind selbst bei massiven Fortschritten bei der Entwicklung von Quantencomputern vermutlich weiterhin sicher.

Warum ist der Bau von Quantencomputern so schwer? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 4,31€
  2. 229,00€
  3. 2,80€
  4. (-78%) 11,00€

tibrob 14. Jan 2014

Selbst wenn Quantencomputer in den nächsten 20 Jahren "entwickelt" werden, bleibt es über...

tibrob 14. Jan 2014

Selbst wenn ... müssten deine Daten es wert sein, entschlüsselt zu werden, was bei 99...

PeterGriffing 08. Jan 2014

Ja, Bitcoin ist nicht 100% sicher und Quantencomputer könnten den Untergang des Bitcoin...

Julius Csar 08. Jan 2014

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass Analogrechner bei Rechenaufgaben sehr viel...

Julius Csar 08. Jan 2014

Was ich mich frage: wie können die beim Knacken sicher sein, richtig geknackt zu haben...


Folgen Sie uns
       


Ancestors - Fazit

Mehre Millionen Jahre in einem Spiel: Dieses mutige Ziel hat sich das Indiegame Ancestors - The Humankind Odyssee gesetzt.

Ancestors - Fazit Video aufrufen
Verkehrssicherheit: Die Lehren aus dem tödlichen SUV-Unfall
Verkehrssicherheit
Die Lehren aus dem tödlichen SUV-Unfall

Soll man tonnenschwere SUV aus den Innenstädten verbannen? Oder sollten technische Systeme schärfer in die Fahrzeugsteuerung eingreifen? Nach einem Unfall mit vier Toten in Berlin mangelt es nicht an radikalen Vorschlägen.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Torc Robotics Daimler-Tochter testet selbstfahrende Lkw
  2. Edag Citybot Wandelbares Auto mit Rucksackmodulen gegen Verkehrsprobleme
  3. Tusimple UPS testet automatisiert fahrende Lkw

Manipulierte Zustimmung: Datenschützer halten die meisten Cookie-Banner für illegal
Manipulierte Zustimmung
Datenschützer halten die meisten Cookie-Banner für illegal

Nur die wenigsten Cookie-Banner entsprechen den Vorschriften der DSGVO, wie eine Studie feststellt. Die Datenschutzbehörden halten sich mit Sanktionen aber noch zurück.
Ein Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti

  1. Chrome & Privacy Google möchte uns in Zukunft anders tracken
  2. Tracking Google und Facebook tracken auch auf vielen Pornoseiten
  3. Android Apps kommen auch ohne Berechtigung an Trackingdaten

Garmin Fenix 6 im Test: Laufzeitmonster mit Sonne im Herzen
Garmin Fenix 6 im Test
Laufzeitmonster mit Sonne im Herzen

Bis zu 24 Tage Akkulaufzeit, im Spezialmodus sogar bis zu 120 Tage: Garmin setzt bei seiner Sport- und Smartwatchserie Fenix 6 konsequent auf Akku-Ausdauer. Beim Ausprobieren haben uns neben einem System zur Stromgewinnung auch neue Energiesparoptionen interessiert.
Ein Test von Peter Steinlechner

  1. Fenix 6 Garmins Premium-Wearable hat ein Pairing-Problem
  2. Wearable Garmin Fenix 6 bekommt Solarstrom

    •  /