• IT-Karriere:
  • Services:

Quantenalgorithmen: "Morgen könnte ein Physiker die Quantenmechanik widerlegen"

Wenn morgen jemand die Quantenphysik widerlegt, wäre Ronald de Wolf wohl arbeitslos. Der Informatiker und Philosoph arbeitet an der Entwicklung von Quantenalgorithmen. Mit Golem.de hat er über die "fremde und seltsame Welt der Quantenmechanik" gesprochen.

Ein Interview von veröffentlicht am
Ronald de Wolf liest am liebsten Literatur des 19. Jahrhunderts.
Ronald de Wolf liest am liebsten Literatur des 19. Jahrhunderts. (Bild: privat)

Quanten! Quanten! Quanten! Am 23. Juni 2017 geht es auf der Golem.de-Quantenkonferenz um eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der IT. Auf der Konferenz treten führende Quantenforscher aus alle Welt auf. Aber wer sind die Experten? Wir haben nachgefragt. Heute: Ronald de Wolf von der Universität Amsterdam. Der Informatiker und Philosoph forscht an der Entwicklung von Quantenalgorithmen. Auf der Konferenz erklärt er, was solche Algorithmen sind, was sie können - und was nicht.

Stellenmarkt
  1. Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), Düsseldorf, Münster
  2. über SCHAAF PEEMÖLLER + PARTNER TOP EXECUTIVE CONSULTANTS, Nordrhein-Westfalen

Golem.de: Wer war der Held Ihrer Kindheit?

Ronald de Wolf: (lacht) Der Held meiner Kindheit - du meine Güte! Kann ich sagen, ich hatte keinen? Ich glaube nämlich, das war so.

Golem.de: Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?

de Wolf: Den klassischen Computer.

Golem.de: Auf welches Gadget würden Sie nicht verzichten und warum?

de Wolf: Eigentlich keines. Ich bin kein Gadget-Freund. Ich halte es für schlecht, von Gadgets abhängig zu sein. Kein Gadget sollte unverzichtbar sein.

Golem.de: Was lesen Sie privat am liebsten?

de Wolf: Ich bin ein großer Fan von The Economist, das britische Magazin ist eine gute Quelle für unabhängige Nachrichten. Und ich liebe Autoren wie Marcel Proust und Fjodor Dostojewski. Diese Literatur hat eine große psychologische Tiefe, mehr als die Literatur der Gegenwart.

Golem.de: Welche technischen Trend lehnen Sie ab?

de Wolf: Ich hasse dieses ganze Hacking, die Viren und die Ransomware. Computerviren sind nicht nur ein Ärgernis. Sie sind Vandalismus, der die besten Erfindungen des 20. Jahrhunderts zerstört: den Computer und das Internet.

Golem.de: Wie erklären Sie Ihren Großeltern Ihr Forschungsgebiet?

de Wolf: Die sind schon tot. Aber was ich ihnen sagen würde, wäre: Quantenmechanik ist moderne Physik, die sich grundlegend von der klassischen Physik, die die Leute kennen, unterscheidet. Sie beinhaltet viele seltsame Effekte, und man kann diese Effekte dazu nutzen, um Computer besser zu machen, und daran arbeite ich.

Kann man Quantenphysik verstehen?

Golem.de: Was fasziniert Sie an der Quantentechnologie?

de Wolf: Die Welt der Quantenmechanik ist so eine fremde und seltsame Welt. Die ist an sich schon interessant. Aber die Tatsache, dass man das für wirklich nützliche technische Fortschritte wie etwa viel schnellere Computer nutzen kann, ist wie eine Kombination aus metaphysischem Wunder und nützlichen technischen Anwendungen.

Golem.de: Wie lange haben Sie gebraucht, um Quantenphysik zu verstehen?

de Wolf: Ein brauchbares Wissen zu erlangen, um damit forschen zu können, hat ein paar Monate gedauert. Ein vollständiges Verständnis habe ich aber nicht erreicht. Es gibt das bekannte Zitat von Richard Feynman: Wenn man denkt, man habe Quantenmechanik verstanden, hat man sie nicht verstanden. Es gibt es eine Reihe bekannter Wissenschaftler wie Bohr und Einstein, die die Quantenmechanik entwickelt haben, die sagen, man könne sie nicht wirklich verstehen.

Golem.de: Wer war Ihr wichtigster Lehrmeister?

de Wolf: Mein Doktorvater Harry Buhrman.

Golem.de: Mit welchem beruflichen Erfolg geben Sie am liebsten an?

de Wolf: Während meiner Dissertation waren wir die ersten, die viele Einschränkungen der Quantencomputer nachweisen konnten. Man könnte sagen, wir haben einige Grenzen der Leistung der Quantencomputer aufgezeigt. Das ist das eine.

Das andere ist: Ich habe versucht, viele Tools, die für Quantencomputer entwickelt wurden, in anderen Gebieten einzusetzen, etwa für Fragen der klassischen Informatik und sogar in der Mathematik. Ich habe also mathematische Methoden aus dem Quantencomputing in andere Bereiche exportiert.

Es gab viele Misserfolge

Golem.de: Welchen Misserfolg in ihrer Forschungsarbeit würden Sie gern vergessen?

de Wolf: Die habe ich schon vergessen. Es gab so viele Projekte, die im Nirgendwo verlaufen sind.

Was ich bereue, ist, bisher keinen neuen, bahnbrechenden Quantenalgorithmus entwickelt zu haben.

Golem.de: Was wäre für Sie in Bezug auf Ihre Forschung der absolute Alptraum?

de Wolf: Sie basiert auf Annahme, dass Quantenmechanik die korrekte Theorie der Physik ist. Es kann sein, dass morgen ein Physiker die Quantenmechanik widerlegt. Das wäre schlecht für die gesamte Quantencomputerei, und auch für meine Arbeit.

Ich glaube nicht, dass das passieren wird, weil es die Quantenmechanik schon über hundert Jahren gibt und sie bisher noch nicht experimentell widerlegt wurde. Aber es könnte passieren.

Golem.de: Welche Frage beschäftigt Sie derzeit am intensivsten?

de Wolf: Quantenalgorithmen für Probleme der Optimierung.

Golem.de: Werden Quantencomputer endlich die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest beantworten können?

de Wolf: Nein. Das ist eine langweilige, aber ehrliche Antwort.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. 99€
  2. 29,99€ (Vergleichspreis 49,99€)
  3. 35€ (Bestpreis!)
  4. 106,90€ + Versand

Theoretiker 30. Mai 2017

Naja, aber nur wenn die Schrödingergleichung keine explizite Zeitabhängigkeit. Das könnte...

DebianFan 30. Mai 2017

Genau, nach dem Bohrschen Korrespondenzprinzip wird die Quantenmechanik als Grenzfall...

Anonymer Nutzer 30. Mai 2017

Erklärt die selben Phänomene aber löst keine Hirnblutung bei mir aus und kommt ohne Welle...

Eheran 30. Mai 2017

Dafür müsste man erst mal definieren ab wann etwas als Wissenschaft (bzw. Astronom...

Thinal 30. Mai 2017

Sehr geiler Text, danke dafür! Ich möchte nur noch was zur Aversion von Bujin bezüglich...


Folgen Sie uns
       


Nubia Z20 - Test

Das Nubia Z20 hat sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite einen Bildschirm. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten der Benutzung, wie sich Golem.de im Test angeschaut hat.

Nubia Z20 - Test Video aufrufen
Elektroschrott: Kauft keine kleinen Konsolen!
Elektroschrott
Kauft keine kleinen Konsolen!

Ich bin ein Fan von Retro. Und ein Fan von Games. Und ich habe den kleinen Plastikschachteln mit ihrer schlechten Umweltbilanz wirklich eine Chance gegeben. Aber es hilft alles nichts.
Ein IMHO von Martin Wolf

  1. IMHO Porsche prescht beim Preis übers Ziel hinaus
  2. Gaming Konsolenkrieg statt Spielestreaming

Sendmail: Software aus der digitalen Steinzeit
Sendmail
Software aus der digitalen Steinzeit

Ein nichtöffentliches CVS-Repository, FTP-Downloads, defekte Links, Diskussionen übers Usenet: Der Mailserver Sendmail zeigt alle Anzeichen eines problematischen und in der Vergangenheit stehengebliebenen Softwareprojekts.
Eine Analyse von Hanno Böck

  1. Überwachung Tutanota musste E-Mails vor der Verschlüsselung ausleiten
  2. Buffer Overflow Exim-Sicherheitslücke beim Verarbeiten von TLS-Namen
  3. Sicherheitslücke Buffer Overflow in Dovecot-Mailserver

Staupilot: Der Zulassungsstau löst sich langsam auf
Staupilot
Der Zulassungsstau löst sich langsam auf

Nach jahrelangen Verhandlungen soll es demnächst internationale Zulassungskriterien für hochautomatisierte Autos geben. Bei höheren Automatisierungsgraden strebt die Bundesregierung aber einen nationalen Alleingang an.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. San José Bosch und Daimler starten autonomen Taxidienst
  2. Autonomes Fahren Ermittler geben Testfahrerin Hauptschuld an Uber-Unfall
  3. Ermittlungsberichte Wie die Uber-Software den tödlichen Unfall begünstigte

    •  /