Qualityland 2.0: Der bekackte Dritte Weltkrieg

Der Känguru-Chroniken-Autor Marc-Uwe Kling nimmt die Zukunft mit ironischem Humor. Wir veröffentlichen ein Kapitel aus seinem neuen Buch Qualityland 2.0.

Artikel veröffentlicht am , Golem.de
Marc-Uwe Kling zeigt in Qualityland 2.0 eine ironische Zukunftssicht auf die Menschheit und ihre Lebensweise.
Marc-Uwe Kling zeigt in Qualityland 2.0 eine ironische Zukunftssicht auf die Menschheit und ihre Lebensweise. (Bild: Sven Hagolani/Ullstein)

Qualityland 2.0 - Kikis Geheimnis ist die Fortsetzung von Marc-Uwe Klings erfolgreichem Science-Fiction-Roman Qualityland. Es spielt in einer nahen Zukunft, in der das gesamte Leben von Algorithmen optimiert ist. Im ersten Band versucht der Protagonist Peter Arbeitsloser vergeblich, einen ihm unbestellt gelieferten Delfinvibrator wieder loszuwerden - und hinterfragt am Ende das gesamte System.

Inhalt:
  1. Qualityland 2.0: Der bekackte Dritte Weltkrieg
  2. Krieg wie Blitzschach
  3. Daten aus dem Arsch ziehen

Auch im zweiten Band ist Peter wieder die Hauptperson. Im folgenden Kapitel stehen aber zwei andere Charaktere im Vordergrund: der amtierende Präsident von Qualityland, Tony Parteichef, und seine Beraterin Aisha Ärztin. In der Nacht zuvor hat der dritte Weltkrieg zwischen 64 Ländern stattgefunden. Qualityland hat ihn in acht Stunden und 16 Minuten gewonnen. Viel Spaß beim Lesen!

Nur Leute mit einem IQ über 150 kapieren das folgende Kapitel

Tony Parteichef blickt aus dem Panoramafenster seines Büros. Der Jetlag von der Reise nach Quan 1 sitzt ihm noch in den Knochen. Und jetzt das ... "War das wirklich nötig?", fragt er.

"Was meinen Sie, Herr Präsident?", fragt General Dragqueen.

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Tony dreht sich zu ihm um. "Dieser Dritte Weltkrieg, wie ihn die Medien nennen. War das wirklich nötig?"

"Ich verstehe nicht, wo das Problem liegt", sagt der General. "Wir haben doch gewonnen."

"Aber zu welchem Preis?", fragt Tony.

"Dreiunddreißig Millionen Tote", sagt Aisha.

"Wir gehen von nur acht Millionen ...", will der General korrigieren, aber Aisha bringt ihn durch einen Blick zum Schweigen.

"Und das alles so kurz vor dem Parteitag!", sagt Tony. "Als ob ich nicht eh schon unter Druck stehen würde. Conrad Koch hält seine Fresse in jede Kamera, fordert Neuwahlen und verbreitet seine Vermutungen, dass ich hinter dem Attentat auf John of Us stecke! Wissen Sie, was das Wort Vermutung heute bedeutet? Es ist eine Lüge, für die man nicht verklagt werden möchte!"

"Auch in unserer Partei rumort es gewaltig", sagt Aisha zum General. "Es wäre also schön, wenn Sie uns mit ein paar Informationen versorgen könnten."

"Darum frage ich Sie noch mal", sagt Tony. "War dieser Dritte Weltkrieg wirklich nötig?"

"Nun ja, unsere Analysten sitzen noch an den Daten und versuchen zu extrahieren, was die Entscheidung der Verteidigungsalgorithmen ausgelöst hat", erwidert General Dragqueen. "Wir gehen momentan von einer Ereigniskaskade verschiedenster autonomer Trigger aus, also Trigger auf unserer Seite und Trigger aufseiten der Gegner, die sich gegenseitig durch ihre getriggerten Reaktionen auf das Triggern der Trigger, äh, getriggert haben."

"Sie sollten irgendetwas mit Sprache machen", sagt Aisha. "Ich glaube, da liegt Ihr Talent. Als Verteidigungsminister scheinen Sie mir hingegen fehl am Platz."

Auch Tony schüttelt den Kopf. "Ja, Sie triggern gleich bei mir was mit diesem Geschwafel. Sie wissen also nicht, was genau den Dritten Weltkrieg ausgelöst hat?"

"Das ist nicht ganz korrekt", sagt der General. "Wir haben das Wissen. Es ist nur noch nicht aufbereitet."

"Sie wollen mir also ernsthaft verkünden", sagt Tony, "dass an der Entscheidung, die zum Dritten Weltkrieg geführt hat, kein einziger Mensch beteiligt war?" "So kann man das nicht sagen. Es waren schon Menschen, die die Vorgaben der einzelnen ..." Der General räuspert sich. "... Trigger ..."

"Wenn Sie noch einmal Trigger sagen ...", unterbricht ihn Aisha, "ich schwöre es Ihnen bei der unpenetrierten Muschi der Heiligen Jungfrau, dann reiße ich Ihnen Ihren Trigger ab, stecke ihn in ein Hotdog-Brötchen und werfe ihn im Zoo den Säbelzahntigern zum Fraß vor."

"Es ist verboten, die Tiere im Zoo zu fütt...", beginnt der General.

"Obwohl es verboten ist!", ruft Aisha.

"Verstehe ich Ihr Ablenkungsmanöver richtig?", fragt Tony. "An der direkten Entscheidung, die den Krieg ausgelöst hat, in dem Moment, in dem er ausgelöst wurde, war kein Mensch beteiligt?"

"Ja schon, aber wie soll denn das auch gehen?", fragt der General. "Haben Sie schon mal bei einer Partie Blitzschach zugesehen? Es ist extrem schwer, dem Geschehen zu folgen, ganz zu schweigen davon, in dieser Geschwindigkeit Entscheidungen zu treffen. Und jetzt stellen Sie sich noch vor, nicht zwei Menschen, sondern zwei Computer würden gegeneinander Blitzschach spielen. Schwarz wäre schon schachmatt, bevor Sie auch nur verarbeitet hätten, dass Weiß seinen Eröffnungszug gemacht hat."

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QualityLand 2.0: Kikis Geheimnis
Krieg wie Blitzschach 
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Blobbart 20. Okt 2020

witzigerweise hab ich mir das gleiche auch gedacht känguruh-geschichten scheinen ja...

longthinker 18. Okt 2020

Eben. Es hätte ja schon längst einen Klage-Tsunami gegen Roman-Autoren geben müssen...

Proctrap 18. Okt 2020

Pff, einfach abo haben und gut ist

tpk 17. Okt 2020

Witzig und gleichzeitig fühlt sich der Kern realistisch an. Mir hat's gut gefallen.



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