Krieg wie Blitzschach

"Aber warum muss es denn überhaupt Blitzschach sein?", fragt Tony. "Warum muss denn immer alles so schnell gehen?"

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"Vielleicht wäre es die beste Entscheidung gewesen, relativ bald nach dem Eröffnungszug ein Remis anzubieten", sagt Aisha.

"Leider gilt immer noch, was Sunzi vor über zweitausend Jahren in Die Kunst des Krieges geschrieben hat", sagt der General, "›Geschwindigkeit ist die Essenz des Krieges.‹" "Wollen Sie mir mit Ihrem Trivial-Pursuit-Wissen imponieren?", fragt Aisha. "Reden Sie Klartext!" "Es muss so schnell gehen, wegen des OODA-Loops", sagt der General. "Genauso gut hätten Sie sagen können, wegen des Hula-Hoops", sagt Tony. "Beides wäre gleich rätselhaft für mich."

"OODA steht für observe, orient, decide, act. Also beobachten, orientieren, entscheiden, handeln. Diesen Kreis durchläuft jeder Kriegsteilnehmer immer und immer wieder. Es ist vorteilhaft, den OODA-Loop schneller zu durchlaufen als der Gegner. Da das eigene Handeln die Situation verändert, zwingt man Idealfall den Gegner dazu, seinen OODA-Loop von vorne zu beginnen, bevor er überhaupt zum Handeln gekommen ist. Er muss also die veränderte Situation erst wieder beobachten und sich orientieren ..."

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"Guter Mann!", ruf Tony. "Kann man denn aus Ihnen keine vernünftige Antwort herausbekommen? Ich habe doch eine ganz einfache Frage gestellt! Warum entscheiden Algorithmen über Krieg und Frieden und nicht ich? Ich bin der gewählte Präsident von QualityLand, verdammt noch mal."

"Der gewählte Vizepräsident."

"Sie begeben sich auf ganz gefährliches Terrain, Herr General", sagt Tony. "Haben Sie etwa keine Lust mehr auf Ihren Job?"

"Meine ›Lust‹ hält sich tatsächlich in Grenzen."

"Nach Ihren Ausführungen ist mir sowieso nicht ganz klar, wofür wir überhaupt noch Generäle brauchen", sagt Aisha.

"Was tun Sie denn, wenn Sie keine kriegswichtigen Entscheidungen treffen?" "Mein Job ist es, Leuten wie Ihnen zu erklären, was passiert ist."

"Das machen Sie aber nicht besonders gut!", ruf Tony. "Was soll denn das ganze Gelaber über Hula-Hoop?"

"Hätten Sie gedient, könnte ich mir die Einführung in die moderne Militärstrategie sparen."

"Worauf wollen Sie hinaus?", fragt Aisha.

"Unsere Streitkräfe agieren vollständig autonom."

"Ja", ruft Tony, "aber warum? Warum?"

"Wir haben gar keine andere Wahl, wenn wir vom Gegner nicht abgehängt werden wollen. Sehen Sie, grundsätzlich gibt es halbautonome Systeme, überwachte autonome Systeme und vollständig autonome Systeme. Sie unterscheiden sich dadurch, wie sie den OODA-Loop handhaben. Bei einem halbautonomen System beobachtet die Maschine, sie orientiert sich und entscheidet sich für eine Handlungsmöglichkeit. Aber bevor sie tatsächlich handelt, wird die Entscheidung einem Menschen vorgelegt, der dann entscheidet, ob die Maschine handeln soll. Der Mensch ist ›in the loop‹. Das Problem dabei ist natürlich, was ich vorher schon angesprochen habe ..."

"Es hat Vorteile, den Loop schneller zu durchlaufen als der Gegner", sagt Aisha.

"Korrekt. Und ein Mensch im Loop verzögert das Handeln ungemein. Darum sind unsere Streitkräfe schon sehr früh zu überwachten autonomen Systemen übergegangen. Bei diesen ist der Mensch ›on the loop‹. Das heißt, die Maschine beobachtet, orientiert sich, entscheidet und handelt selbstständig, wird dabei aber von einem Menschen überwacht, der jederzeit eingreifen kann. Das Problem dabei ist nur ..."

"Das Computer-Blitzschach", sagt Tony.

"Korrekt", sagt der General. "Offiziell sind unsere Systeme immer noch alle überwacht. Aber in der Realität treffen sie so schnell Entscheidungen - müssen sie so schnell Entscheidungen treffen, um nicht langsamer zu sein als die der Gegner - dass man eigentlich von vollständig autonomen Systemen sprechen sollte. Der Mensch ist ›out of the loop‹. Und deswegen kann ich Ihnen augenblicklich keinen Menschen nennen, der weiß, welcher Tri... welcher Entscheidungsauslöser, die, äh, Entscheidung ausgelöst hat. Für den Dritten Weltkrieg, meine ich."

"Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner weiß, warum", brummt Tony.

"Können Sie mir denn wenigstens sagen", fragt Aisha, "gegen welche Länder wir Krieg geführt haben?"

"Nun, äh, nicht aus dem Stehgreif", sagt der General. "Aber das herauszufinden sollte kein größeres Problem sein."

Aisha blickt ihn fassungslos an.

"Nun, sicherlich Quan 7", sagt der General. "Alles andere würde mich verwundern."

"Sonnige Strände, faszinierende Ruinen", murmelt Aisha.

"Sehr wahrscheinlich auch Quan 3, 5 und 8", fährt der General fort. "Schweden ..."

"Schweden?", fragt Tony. "Warum denn Schweden?"

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Blobbart 20. Okt 2020

witzigerweise hab ich mir das gleiche auch gedacht känguruh-geschichten scheinen ja...

longthinker 18. Okt 2020

Eben. Es hätte ja schon längst einen Klage-Tsunami gegen Roman-Autoren geben müssen...

Proctrap 18. Okt 2020

Pff, einfach abo haben und gut ist

tpk 17. Okt 2020

Witzig und gleichzeitig fühlt sich der Kern realistisch an. Mir hat's gut gefallen.

ikhaya 17. Okt 2020

Das wird so enden wie in der Folge "Das Gerät entspricht nicht meinen Vorstellungen" Man...



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