Qualcomm: Snapdragon 8 Gen 3 mit mehr Leistung und KI-Funktionen
Snapdragon Summit 2023 Qualcomms neuer Snapdragon 8 soll unter anderem für mehr KI bei der Kamera sorgen und um 30 Prozent schneller sein. Neue Chips gibt es auch im Audiobereich.
Qualcomm hat auf dem Snapdragon Summit 2023 sein neues Smartphone-SoC Snapdragon 8 Gen 3 vorgestellt. Der Chip löst das SoC Snapdragon 8 Gen 2 ab, soll um 30 Prozent schneller sein und eine um 25 Prozent schnellere Grafikeinheit haben, die 25 Prozent weniger Leistung erfordert.
Der Snapdragon 8 Gen 3 hat eine 1+5+3-Kryo-Kernkonfiguration und damit einen Performance-Core mehr als das Modell aus dem Vorjahr. Der Prime-Core ist ein Cortex-X4 mit 3,3 GHz, bei den fünf Performance-Kernen handelt es sich um Cortex-A720-Cores. Drei davon sind auf 3,2 GHz getaktet, zwei auf 3 GHz. Die zwei Efficiency-Cores sind Cortex-A520 Refreshs mit 2,3 GHz.
Die CPU ist Qualcomm zufolge gegenüber der des Snapdragon 8 Gen 2 um 20 Prozent effizienter. Das SoC hat 12 MByte L3-Cache und unterstützt LPDDR5x-Speicher mit 4,8 GHz. Das SoC hat eine Hexagon-NPU (Neural Processing Unit), die gegenüber der des Snapdragon 8 Gen 2 um 98 Prozent schneller rechnen soll.
Stable-Diffusion-Bild in weniger als einer Sekunde
Mit dem Snapdragon 8 Gen 3 ist es Qualcomm zufolge möglich, ein KI-Bild mit Stable Diffusion in weniger als einer Sekunde auf dem Gerät erstellen zu lassen. Die KI-Engine des SoCs ist Qualcomms erste, die multimodale KI-Modelle unterstützt, inklusive LLMs wie 7B Llama 2, das bis zu 20 Token pro Sekunde laufen lassen kann. Mit KI soll zudem die Gesprächsqualität verbessert werden, außerdem gibt es neue Funktionen für die Fotoaufnahme.
Mit Photo Expansion können Nutzer eines Smartphones mit dem Snapdragon 8 Gen 3 beispielsweise Bildinhalte beim Herauszoomen aus einem Motiv per KI-Berechnung erzeugen lassen. Ein Foto soll auf diese Weise eine größere Brennweite als bei der Aufzeichnung erhalten – mit Inhalten, die die KI erzeugt hat und die es in echt nicht gibt.
Ebenfalls mithilfe von KI berechnet wird der neue Video Object Eraser. Dieser funktioniert wie Googles Magic Eraser und kann Bildinhalte verschwinden lassen – nur eben nicht bei Fotos, sondern bei Videos, was deutlich komplexer ist. Die mit dem Snapdragon 8 Gen 2 eingeführte KI-Segmentierung von Motiven bei der Aufnahme wurde auf zwölf Ebenen erweitert.
Gaming mit 240 fps
Das Chipset beherrscht Gaming mit bis zu 240 fps und unterstützt Unreal Engine 5 Lumen, ein Echtzeit-Beleuchtungssystem für Spiele. Das im Snapdragon 8 Gen 3 verbaute X75-Modem unterstützt 10 Gbps im Downlink und 3,5 Gbps im Uplink. Neben Wifi 7 beherrscht das SoC Bluetooth in der Version 5.4. LPDDR6X-Speicher wird bis zu einer Größe von 24 GByte unterstützt. Die ersten Smartphones mit dem neuen Snapdragon 8 Gen 3 sollen in den kommenden Wochen erscheinen. Xiaomi will mit dem Xiaomi 14 bereits am 26. Oktober 2023 ein erstes Smartphone mit dem Chip veröffentlichen.
Ebenfalls vorgestellt hat Qualcomm die neuen Audio-Chips S7 Pro Sound Platform Gen 1 und S7 Sound Platform Gen 1. Qualcomm hat eigenen Angaben das Noise Cancelling verbessert, eine eingebaute Micro-NPU soll den Klang verbessern. Mit der S7 Sound Platform sollen Nutzer zehn Stunden lang verlustfreie Musik bei 96 kHz hören können – bei der S5-Platform aus dem Vorjahr waren es zehn Stunden verlustfreie Musik bei 48 kHz.
Grundsätzlich unterstützen die Chips verlustfreies Streaming bis 192 kHz. Das Pro-Modell nutzt Qualcomms neue XPAN-Technologie, mit der Signale über Wifi an das Smartphone übertragen werden. Dadurch soll die Reichweite verglichen mit reinen Bluetooth-Verbindungen erhöht werden. XPAN funktioniert nur mit Snapdragon-Sound-kompatiblen Geräten.
Snapdragon Seamless für bessere Gerätekommunikation
Mit dem neuen Standard Snapdragon Seamless sollen zudem Geräte mit verschiedenen Snapdragon-Chips besser miteinander verwendet werden können. Dank Seamless sollen sich beispielsweise Bildinhalte und Dateien von einem Smartphone mit Snapdragon-Chip leicht zu einem Notebook mit Snapdragon-SoC transferieren lassen. Auch können dann Telefonate direkt vom Rechner aus angenommen und Kopfhörer einfach zwischen verschiedenen Geräten gewechselt werden.
Derartige Funktionen gibt es bereits bei einigen Geräteherstellern. Qualcomm versteht Seamless explizit nicht als eigenständige App, sondern als ein Software- und Hardware-Layer für die Hersteller, die damit deren Dienste verbessern können. Zu den Partnern gehören unter anderem Microsoft, Lenovo und Android.
Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Qualcomm hin am Snapdragon Summit auf Maui teilgenommen, die Reise- und Hotelkosten wurden anteilig von Qualcomm übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.