Wie der QR-Code entstanden ist

Das "QR" steht für "Quick Response" und der Begriff zeigt bereits an, woher die Technik ursprünglich stammt: aus der Welt der Effizienzsteigerung und der Beschleunigung von Logistik- und Handelsprozessen.

Stellenmarkt
  1. Systemingenieur Datenintegration (m/w/d)
    Atruvia AG, Karlsruhe
  2. Junior Network Engineer - Connectivity (m/w/d)
    STRABAG BRVZ GMBH & CO.KG, Stuttgart, Köln
Detailsuche

Der QR-Code wurde 1994 in Japan von einem Team von Denso Wave entwickelt, einer Firma aus der Unternehmensgruppe Toyota. Chefentwickler Masahiro Hara sollte für die Firma einen maschinenlesbaren Code erfinden, mit dem sich Autos und Autoteile während der Fertigung leicht verfolgen lassen. Das Verfahren, dank dessen wir in Corona-Zeiten wieder Zutritt zur Gaststube erhalten, sollte also ursprünglich nur festhalten, wo in der Lieferkette sich gerade Lenkräder und Einspritzdüsen befinden.

Zuvor hatte man das mit einem herkömmlichen Barcode geregelt, wie man ihn aus dem Supermarkt kennt. Doch für komplexe Logistikprozesse wie das Tracken von Kfz-Bauteilen war die Summe der Informationen, die ein Barcode speichern kann, nicht mehr ausreichend.

Hochhaus als Inspiration

Der eindimensionale Bar- oder Strichcode ist der Stammvater des zweidimensionalen QR-Codes: Er entstand in den Sechzigerjahren in den USA, setzte sich aber in Japan durch, als das Land in eine Phase des großen Wirtschaftswachstums eintrat und Supermärkte entstanden, die eine breite Palette von Waren, von Lebensmitteln bis zu Kleidung, verkauften.

Golem Karrierewelt
  1. First Response auf Security Incidents: Ein-Tages-Workshop
    14.11.2022, Virtuell
  2. Container Management und Orchestrierung: virtueller Drei-Tage-Workshop
    22.-24.08.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Bezahlt wurden diese Waren an Registrierkassen, an denen jeder Preis per Hand eingegeben werden musste. Viele Kassiererinnen litten deshalb unter Sehnenscheidenentzündungen oder Taubheitsgefühlen im Handgelenk. Dank des Barcodes konnten Scannerkassen entwickelt werden, bei denen man die Ware nur noch über einen optischen Sensor ziehen musste.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Barcodes wurden jedoch auch deren Grenzen deutlich: Sie konnten nur 20 alphanumerische Zeichen speichern, also Abfolgen der Ziffern 0 bis 9 oder der Buchstaben A bis Z. Für komplizierte logistische Prozesse sollte Masahiro Hara nun einen optisch lesbaren Code entwickeln, der mehr Daten enthalten konnte - auch die im Japanischen genutzten Kanji-Schriftsymbole.

Dass seine Erfindung wie der konstruktivistische Entwurf eines vom Bauhaus inspirierten Architekten aussieht, ist übrigens kein Zufall: Inspiriert wurde Hara bei einem Spaziergang, als ihm ein Hochhaus mit einer gleichförmigen Fassade aus lauter Quadraten auffiel, erzählte er später.

Aus Logistikinstrument wird Designobjekt

Aber sein Code durfte gleichzeitig keine Ähnlichkeit mit anderen auf Verpackungen üblichen Symbolen haben, um Verwechslungen beim Scannen zu verhindern. Hara begann darum, systematisch Bücher, Flugblätter, Zeitschriften, Kartons und andere Drucksachen zu untersuchen, um ein Schwarz-Weiß-Muster zu identifizieren, das so selten wie möglich auf Verpackungen erschien.

Nach Monaten der computerunterstützten Bildanalyse war er sich sicher: Vierecke mit Quadraten in drei Ecken waren so selten, dass Verwechslungen ausgeschlossen waren. Außerdem entstand durch diese Struktur ein Codebild, das unabhängig vom Scanwinkel gelesen und vom Computer verarbeitet werden konnte.

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch. 2. aktualisierte Auflage des IT-Standardwerks (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Anderthalb Jahre nach Beginn des Entwicklungsprojekts entstand so die erste Version des QR-Codes, die nicht nur etwas mehr als 7.000 Ziffern, sondern auch Kanji-Zeichen codieren konnte. Und dieses Codebild konnte nicht nur eine große Menge an Informationen speichern, sondern auch zehnmal schneller gelesen werden als andere Codes.

Die abstrakten Muster bleiben auch dann maschinenlesbar, wenn sie beschädigt oder verschmutzt sind. Und sie erlauben structured appending (strukturiertes Anhängen): Sollen mehr Daten hinterlegt werden, als auf einen QR-Code passen, können die Informationen auf mehrere Codes aufgeteilt werden, die beim Scannen so zusammengefügt werden, dass der ursprüngliche Inhalt erhalten bleibt.

Zunächst wurden QR-Codes nur von Toyota in der Produktion eingesetzt. Doch nachdem das Verfahren im Jahr 2000 als ISO-Standard anerkannt wurde, begann es sich im technikaffinen Japan auch in anderen Bereichen zu verbreiten. Heute sind QR-Codes besonders in China allgegenwärtig, wo sie von Firmen wie Alibaba im großen Stil genutzt werden.

Toyota ließ den QR-Code zwar patentieren, verzichtet aber darauf, dieses Patent zu nutzen. Darum kann heute jeder im Internet eigene QR-Codes generieren und diese sogar in verschiedenen Formaten, Farben und Designs mit individuellen Logos und Symbolen gestalten. Aus einem Organisationsinstrument der Logistikbranche ist ein Designobjekt geworden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 QR-Code: Der späte Triumph einer TechnologieEine unerwartet erfolgreiche Technologie 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


maxule 19. Aug 2021

Gar nicht witzig war, als in einer Berliner Wahl, QR-Codes einer Kandidatin mit...

TrollNo1 05. Jul 2021

Wurden sie ja gar nicht. Nur nicht für Frauen, jedem anderen Geschlecht wird die...

Pyromaniac 03. Jul 2021

Klar, so wie Mörder, Straftäter, Schlächter. Jeder weiß doch mittlerweile, dass alles...

gol 01. Jul 2021

Kannst Du Dir erst den Inhalt des QR-Codes anzeigen lassen, bevor Du der Ausführung...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
US-Streaming
Abonnenten immer unzufriedener mit Netflix

Wenn Netflix-Abonnenten das Abo kündigen, wird vor allem der hohe Preis sowie ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis als Grund dafür genannt.

US-Streaming: Abonnenten immer unzufriedener mit Netflix
Artikel
  1. Elektro-SUV: Drako Dragon soll Teslas Model X Plaid deutlich übertreffen
    Elektro-SUV
    Drako Dragon soll Teslas Model X Plaid deutlich übertreffen

    Das Elektroauto Drako Dragon soll mit seinen vier Motoren eine Leistung von 1.470 kW entwickeln und 320 km/h Spitze fahren.

  2. Evari 856: Minimalistisches E-Bike mit Monocoque-Rahmen und Titan
    Evari 856
    Minimalistisches E-Bike mit Monocoque-Rahmen und Titan

    Evari 856 heißt das E-Bike, das mit einem Monocoque-Rahmen aus Carbon ausgestattet ist. Dadurch soll es besonders leicht und stabil sein.

  3. Machine Learning: Die eigene Stimme als TTS-Modell
    Machine Learning
    Die eigene Stimme als TTS-Modell

    Mit Machine Learning kann man ein lokal lauffähiges und hochwertiges TTS-Modell der eigenen Stimme herstellen. Dauert das lange? Ja. Braucht man das? Nein. Ist das absolut nerdig? Definitv!
    Eine Anleitung von Thorsten Müller

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MSI RTX 3080 Ti Ventus 3X 12G OC 1.049€ • Alternate (u. a. Corsair Vengeance LPX 32 GB DDR4-3600 106,89€) • be quiet! Pure Rock 2 26,99€ • SanDisk microSDXC 400 GB 29€ • The Quarry + PS5-Controller 99,99€ • Samsung Galaxy Watch 3 119€ • Top-PC mit Ryzen 7 & RTX 3070 Ti 1.700€ [Werbung]
    •  /