PwC Deutschland: Welche Glasfaserbetreiber den proaktiven Firmenverkauf prüfen sollten
Der Glasfasermarkt befindet sich in der Krise. Die Unternehmen müssen ihre Strategie überprüfen, solange noch Handlungsspielraum besteht. Das ergab die Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC), die am 23. Juli 2026 vorgelegt wurde.
"Unternehmen mit ausreichender Marktposition sollten bestehende Netze durch gezielte Kundenaktivierung und marktorientierte Preise auslasten. Wer die nötige Größe allein nicht erreicht, kann über Open Access kooperieren oder sich mit kleineren Netzen zusammenschließen. Und wenn beides nicht trägt, sollte über einen proaktiven Verkauf nachgedacht werden, bevor aus einer schwierigen Situation eine aussichtslose wird", sagte Michael Driemeyer, Director bei PwC.
Insolvenzen, Restrukturierungen und Abschreibungen belasten den Glasfasermarkt in Deutschland. "Nun sind Netzauslastung und Monetarisierung die größten Herausforderungen der Branche", so Driemeyer.
Ein Kernproblem seien die geringen Aktivierungsquoten: Ein Großteil der errichteten Anschlüsse sei noch nicht aktiviert und monetarisiere sich damit nicht. Das verlängert die Amortisationszeiten der bereits getätigten Investitionen und gefährdet zugleich den nächsten Ausbauschritt. Denn damit sich sowohl der bestehende Ausbau bis ins Gebäude (FTTB) als auch der geplante bis in die einzelne Wohnung (FTTH) wirtschaftlich rechne, sei eine schnelle Kundenaktivierung essenziell.
Doch die Kundennachfrage bleibe hinter den Erwartungen zurück. Driemeyer erklärte: "Viele Verbraucher empfinden bestehende VDSL- oder Kabelanschlüsse als ausreichend. Hinzu kommt oft eine mangelnde Kooperationsbereitschaft von Immobilieneigentümern, die den FTTH-Ausbau in Mehrfamilienhäusern verzögert oder blockiert. Erhöhen Unternehmen die Preise, um die Investitionen zu refinanzieren, riskieren sie, die ohnehin schwache Nachfrage weiter zu dämpfen."
Kapitalismus bringt zu viele Netze, zu wenig Kooperation
Viele Netzbetreiber haben laut Studie ambitionierte Ausbauziele und streben den Glasfaserausbau in denselben attraktiven Regionen an. Auf Basis der Ausbauankündigungen der Netzbetreiber ergebe sich ein theoretischer Überbau von rund sechs Millionen Anschlüssen bis 2030, wenn alle Betreiber ihre Pläne realisieren würden. Komme es zu einem Überbau, könnten die parallelen Netze ihre geplanten Auslastungen nicht erreichen. Bleibe der Überbau hingegen aus, würden nicht alle Betreiber ihre Ausbauziele realisieren können. Open Access, also die gemeinsame Nutzung bestehender Netzinfrastruktur, könnte dieser Entwicklung entgegenwirken und gleichzeitig die Aktivierungsquoten steigern.
Driemeyer erklärte: "In der Praxis scheitert das Modell bislang an fehlenden Standards. Technische Schnittstellen sind nicht vereinheitlicht und Kooperationsverträge müssen aufwendig einzeln ausgehandelt werden." Viele Netzbewertungen und Beteiligungen der vergangenen Jahre basierten auf sehr ambitionierten Businessplänen. Die Kombination aus dauerhaft hohen Zinsen, gestiegenen Tiefbau- und Materialkosten sowie fertiggestellten, aber ungenutzten Anschlüssen erhöhe nun das Risiko bilanzieller Abwertungen. Bereits die konkrete Ankündigung eines Wettbewerbers, im gleichen Gebiet auszubauen, reiche da aus: Sie signalisiere künftigen Kundenverlust und mindere damit den Wert des Netzes in der Bilanz.
Mehrere größere alternative Netzbetreiber wie UGG (Unsere Grüne Glasfaser) von Telefónica Group und Allianz sowie Deutsche Glasfaser kündigten zuletzt an, fast keine neuen Ausbaugebiete mehr anzugehen. Auch Deutsche Giganetz baut viel vorsichtiger aus. Der Druck durch den Überbau der Telekom, geringe Kaufbereitschaft, Rückzug vieler Investoren und steigende Baukosten, die kaum bei den Arbeitern ankommen, sind erheblich.
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